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Besser fächeln mit Print. Heiße Luft und mehr bei der AKEP-Jahrestagung

Dinge anders zu denken – dazu forderte der AKEP bereits per Einladung auf. Ca. 400 folgten dem Appell in die glühend heiße Hauptstadt. Bisher die größte Tagung von den Anmeldezahlen her und eine der größten, was die Zahl der Erschienenen betrifft.
Ein Bericht von Michael Lemster.

Obama-Besuch, die Unsicherheit der Verkehrswege nach der Flutkatastrophe und wirklich hohe Temperaturen führten zu einer ganzen Anzahl von „No-Shows“. Diejenigen, die es geschafft hatten, entwickelten ihre Methoden, mit der Hitze fertig zu werden: Alle Dresscodes wurden vom Tisch gewischt wie der Schweiß von der Stirn, der Kaffeekonsum brach ein gegenüber dem Verbrauch von Wasser und Saft, Cola wurde schmerzlich vermisst. Und schnell stellte sich heraus: das gedruckte Tagungsprogramm eignet sich weit besser zum Fächeln von Frischluft als ein iPad. Die Vorzüge von Print scheinen an den unwahrscheinlichsten Stellen auf.

Cola spielte immerhin eine wichtige Rolle in der ersten Präsentation, ein Hacker stellte sich vor. Keiner, der Kundendatenbanken oder Technologien ausspioniert, sondern der Getränkefabrikant Uwe Lübbermann, der nach eigener Angabe das Betriebssystem des Kapitalismus „hackt“ , damit meint er: eindringt, schaut, wie es funktioniert, und so ändert, dass es den eigenen Zielen dient. Sein Unternehmen Premium Cola, das Cola nach dem afri-Originalrezept herstellt, ist überhaupt nicht wirklich seines, wie er wiederholt betonte. Denn Fans der dunkelbraunen Limonade besorgen fast alles: Marketing, Vertrieb, Werbung. Es gibt kein Werbebudget, keine schriftlichen Verträge, keine Gier nach Großaufträgen, nicht mal Betriebsgeheimnisse. Faszinierend, aber die Antworten auf die Frage nach der Umsetzbarkeit im Mediengeschäft blieben pauschal.

Eine Metapher, die sich durch einige Vorträge und viele Tischgespräche zog: Organisationen und Geschäftsmodelle als „Betriebssysteme“, die man sowohl von außen hacken wie von innen debuggen kann.

ChangeManagement
(c) Dominik Wahlig, Bernd Domrowe

Eine der interessantesten Präsentationen befasste sich mit dem Debuggen von Wandelsprozessen. Bekanntlich lieben Manager Change-Prozesse oder – insoweit ihre Karriere-Entwicklung nicht unmittelbar vom Erfolg eines Change-Prozesses abhängt – geben vor, sie zu lieben. Anders die da unten: Nicht nur dass im günstigsten Fall aus dem Change meist höchstens ein friktionsärmeres Arbeiten herausschaut (im ungünstigsten der Verlust des Arbeitsplatzes). Auch wird der Prozess, so die Erfahrung der Organisationsberater Dominik Wahlig aus Heidelberg und Bernd Domrowe aus Frankfurt, oft so unzureichend moderiert, dass die Führung das Engagement der Mitarbeiter völlig verliert. Da Wandelsprozesse aber unvermeidlich sind und jeden betreffen (ob Verlag, ob Buchhändler oder sonstwen), haben sie aus ihren Erfahrungen Regeln für Manager abgeleitet, die sie unter der Überschrift „Achtung kurvenreiche Strecke – von der Gestaltung des Wandels“ im sokratischen Dialog erst etwas offensichtlich inszeniert, dann temperamentvoll und überzeugend vorbrachten:

Unternehmer treffen permanent Entscheidungen – gerade in einer Zeit sich verändernder Rahmenbedingen am Markt – sie können nicht n i c h t entscheiden.
Vertrauen Sie in Zeiten der Unsicherheit auf Ihre Kompetenzen/Erfahrungen!
Veränderungen erzeugen bei den Betroffenen Widerstände, die sich emotional bemerkbar machen. Diese Emotionen sind Signale. Wo sie (unangenehm) sichtbar werden, fehlt es noch an etwas (z.B. Informationen, Überzeugungsarbeit, Verständnis, Klarheit…). In jedem Fall muss mehr oder anders kommuniziert werden.
Nehmen Sie wahr und sprechen Sie an!
Es geht darum, mit Willen zum Erfolg das Thema zum höchstpersönlichen, eigenen Projekt zu machen. Das stärkt die eigene Sicherheit und Klarheit im Auftreten sowie die Überzeugungskraft.
Konflikte zu übersehen passiert leicht. Sie zu ignorieren ist verführerisch. Verschwenden Sie kein Geld, klären Sie Konflikte!
Die Gestaltung des Wandels erfordert Wiederholungen und Beharrlichkeit – sowie immer wieder neu die Antwort auf die Frage nach dem „Wozu“?
Auf dem Weg der Veränderung sind Unternehmer und Führungskräfte in ihrer Gestaltungsrolle ihrer Mannschaft immer ein Stück voraus. Darin alleine steckt erhebliches Konfliktpotential. Entscheidend ist, dass die Verbindung nicht abreißt.
Auch auf der Zielgeraden kann es noch Verirrung und Umwege geben – kein Grund zur Entmutigung.
Beweisen Sie Ausdauer! Bleiben Sie klar!
Auf dem Weg zum Ziel braucht es ermutigende Botschaften, Erfolgsmeldungen und Rituale, Feiern Sie Erfolge – auch kleine!

Die Subkonferenzen am Nachmittag ließen viele angerissene Themen – die überragende Bedeutung der Metadaten für den kataloggestützten Verkauf, die Wichtigkeit sauberer Geschäftsprozesse im Wandel oder der Usability von Apps – tiefer eindringen. Der Abend in einer ruhigen, vom außenpolitischen Aufruhr nicht betroffenen Stätte brachte keine wesentliche Abkühlung und viel Fächeln heißer Luft.

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