Oetinger-GF Jan Weitendorf hat in diesem offenen Brief zu den aus seiner Sicht eigenartigen Statuten der Erhebung der Bestsellerlisten für den SPIEGEL Position bezogen. Er sieht „Wettbewerbsverzerrung und Willkür“ und fragt (sich):
„Wie kann das sein?“
Werden wir demnächst noch mehr in ein Abhängigkeitsverhältnis von Bestsellerlisten kommen? Werden wir das Segment Jugendbuch in unseren Erwachsenenbuch-Verlagen heraus bringen müssen? Wird es notwendig sein, für den Einstieg in Bestsellerlisten zu zahlen?
Fragen, die aus meiner Sicht berechtigt sind, wenn man die Wettbewerbsverzerrung und Willkür betrachtet, die auf den heutigen Listen herrscht. Gerade erst im Oktober 2012 wurden die Spiegel-Bestsellerlisten umgestellt. Eine neue Liste wurde ins Leben gerufen: Die Liste der „Paperback“-Bestseller. Im Zuge dieser Erweiterung gab es einige Klarstellungen, die dazu führen sollten, dass die Listen wieder verlässlich einschätzbar werden.
Wer hätte damals gedacht, dass die Aufnahme von Titeln auf diese Listen wörtlich mit „redaktioneller Einzelfallentscheidung“ verbunden sein würde? War man nicht davon ausgegangen, dass klare Kriterien gefunden würden? In Wirklichkeit herrscht aber purer Subjektivismus.
Bücher, die von den Verlagen als sogenannte „All-Ager“ eingestuft werden, sind nicht auf den Listen vertreten (Beispiel: Nightschool). Andere Bücher, die von den Verlagen im Alterssegment 13 bis 16 oder mit 14+ eingestuft werden (Beispiel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter oder Der Hobbit oder Saphirblau oder Verloren oder Die Flucht, Cassia & Ky), sind noch in der Belletristik-Liste vorhanden. Bücher einer Reihe, die mit den ersten beiden Bänden noch auf den Listen aufgeführt und vom Verlag als 14+ eingestuft wurden, erscheinen mit dem dritten Band plötzlich nicht mehr auf der Bestsellerliste – und das, obwohl sie auf den obersten Plätzen eingestiegen wären (Beispiel: Göttlich-Serie – 3. Band auf Platz 2 !).
Sollen diese Titel nur auf der einmal monatlich erscheinenden Kinder- und Jugendbuchliste aufgeführt werden, die auch noch redaktionell für die Zeitschrift „Dein Spiegel“ zusammen gestellt wird? Eine absolute Wettbewerbsverzerrung! Welcher Jugendliche (ab 14 !) wird die Listen überhaupt noch wahr nehmen, wenn er dafür in die Kinderbuchabteilung gehen soll? – uuuuuh! Werden wir so die Jugendlichen vollends aus den Buchhandlungen raus halten und dadurch die Leseförderung ad absurdum führen? Wie kann es sein, dass Amazon oder der Focus die Gesamtabsatzlisten richtig darstellen und der Umsatz durch die beherrschende Spiegel-Liste am Buchhandel vorbei geht?
Bei der Spiegel-Liste werden Verlagen Punkte als Top-Belletristikverlage vergeben. Basierend auf subjektiver Einschätzung! Wie kann das sein?
Weitendorf bezieht sich auf diese Statuten:
