Wie Medien übereinstimmend gestern berichteten, ist Pinar Selek in der Türkei zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zitiert werden türkische Medienberichte, wonach die in Straßbourg und Berlin lebende Autorin und Schriftstellerin für schuldig befunden wurde, einen Anschlag auf einem Markt verübt zu haben.
Selek wird vom Obersten Gericht in den Zusammenhang mit einer Explosion im Jahr 1998 auf dem Gewürzbasar in Istanbul in Verbindung gebracht. Das oberste Gericht urteilte jetzt, dass Selek diese als Anhängerin der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ausgelöst habe. Dabei waren in mehreren Gerichtsprozessen zuvor Zweifel laut geworden, ob es sich um ein Anschlag gehandelt haben. Mehrere Gutachten halten eine Gasexplosion für möglich.
Selek sieht das Urteil politisch motiviert. Sie habe sich immer mit gesellschaftlichen Tabu-Themen befasst, „angefangen von der Arbeit mit Sex-Arbeiterinnen, mit Obdachlosen, mit Kriminellen. Als ich mich dann allerdings mit dem kurdischen Problem zu beschäftigen begann, wurde dies vom Staat nicht einfach so hingenommen. Auch als ich aus dem Gefängnis entlassen wurde, habe ich meine Studien weiter geführt. Nicht nur zur Kurdenfrage, sondern auch zur Armenierfrage und zum Militarismus“, wird sie auf tagesschau.de zitiert.
Dreimal – 2001, 2006 und 2011 – war Selek bereits freigesprochen worden. Jedes Mal hatten oberste Gerichte die jeweilige Entscheidung kassiert. Inzwischen engagieren sich auch zahlreiche deutsch-türkische Politiker für die Autorin. Derzeit sind zwei Titel von Selek auf dem deutschen Markt verfügbar: Halbierte Hoffnungen, und Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt, jeweils im Orlanda Frauenverlag.