
Christina Mussinelli, Ronald Schild
Über einen europäischen Markt elektronischer Bücher diskutierten gestern Nachmittag auf der Talk Sparks Stage der Frankfurter Buchmesse Thibaut Kleiner, Mitglied im Kabinett von EU-Kommissarin Neelie Kroes; Christina Mussinelli, International Digital Publishers Forum (IDPF), Eric Merkel-Sobotta, Executive Vice President Corporate Communications von Springer Science + Media Business und Ronald Schild, CEO libreka!
Auf der Veranstaltung, organisiert von der Buchmesse, dem Börsenverein und der Federation of European Publishers (FEP), wurde zunächst festgestellt, dass es schwierig ist, E-Books in verschiedenen Sprachen auf dem europäischen Markt zu kaufen.
Dabei, so erklärte Thibaut Kleiner, sei das technisch gesehen eigentlich einfach und bedürfe keiner erweiterten Technologie. Bei Musik funktioniere es ohnehin.
Im Widerspruch zu einem gesamteuropäischen E-Book-Markt stünden die unterschiedlichen Mehrwertsteuern in Europa, konstatierte Eric Merkel-Sobotta. Auch die Buchpreisbindung in Deutschland sei dafür nicht förderlich.
„Italienische Bücher könnten überall in Europa gekauft werden. Aber wer übernimmt den Vertrieb?“, fragte Christina Mussinelli.
„Man findet auf den nationalen Plattformen lediglich nationale E-Books“, stellte Ronald Schild fest. „E-Books sollten über die Landesgrenzen hinaus erhältlich sein. Natürlich gibt es bereits viele englischsprachige Bücher. Aber kroatische? Oder estnische?“, stellte Thibaut Kleiner zur Diskussion.
Die Frage, wandte Eric Merkel-Sobotta ein, sei allerdings auch, wie viele Leser sich für kroatische E-Books in Deutschland interessierten.
„Die Verleger müssten enger zusammenarbeiten“, forderte Christina Mussinelli. So nutze man in Italien das gebräuchliche EPUB-Format. „Es ist notwendig, den Standard zu vereinheitlichen“, forderte Mussinelli.
Die größte Vertriebsgesellschaft für elektronische Bücher sitze in China, also außerhalb Europas, erklärte Thibaut Kleiner. Davon abgesehen, sollte man den Menschen neue Möglichkeiten anbieten und keine neuen digitalen Grenzen aufbauen, mahnte er.
Bei einem wissenschaftlichen Verlag stelle sich die Situation anders dar, warf Merkel-Sobotta ein. Doch die Grenzen liegen auch hier in der unterschiedlichen Mehrwertsteuer.
„Wir können die Mehrwertsteuer nicht ändern, nehmen aber gerne Vorschläge der Verleger und Vertriebe entgegen“, erklärte Kleiner.
Neben dem Problem der Mehrwertsteuer sind es auch die mittlerweile völlig unterschiedlichen Lesegeräte, die Barrieren darstellen. Musik könne auf alle Geräte heruntergeladen und gehört werden, bei E-Books ist das nicht möglich. Der Wettbewerb zwischen den Anbietern ist groß, technische Neuerungen sind beinahe täglich zu beobachten. Wie soll da ein E-Book-Vertrieb richtige Entscheidungen für Investitionen treffen?
Der europäische E-Book-Markt scheint also noch in ferner Zukunft zu liegen. In den USA wundert man sich über solche Probleme. „Wir können E-Books in allen möglichen Sprachen kaufen, und zwar erheblich billiger als in Europa“, meldete sich eine Stimme aus dem Publikum.
Das Thema Urheberrechte spielte auch bei dieser Diskussionsrunde noch eine Rolle. Die vorliegenden Gesetze müssten aktualisiert werden – gerade in Betrachtung auf die Digitalisierung. Und da gibt es sehr große Unterschiede zwischen US-amerikanischen und europäischen Gesetzen. „Bei aller Novellierung des Urheberrechts sollte darauf geachtet werden, dass die Autoren auch ein Einkommen haben“, bemerkte Merkel-Sobotta.
Fazit: Eine Vielzahl von Problemen liegen auf dem europäischen Tisch.
JF