
Nicht Zahlen standen heute Vormittag im Haus des Buches in Frankfurt zur Vorschau-Pressekonferenz auf die Frankfurter Buchmesse 2012 an erster Stelle, sondern der Blick auf das Kinder- und Jugendbuch, „ein Experimentierfeld der Branche“, wie Juergen Boos, Geschäftsführer der Ausstellungs- und Messe GmbH, es nannte.
„Wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt in großem Maß von der Einbildungskraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen“, zitierte der Messe-Direktor die Schriftstellerin Astrid Lindgren.
Die Bedeutung der Kinder- und Jugendliteratur spiegelt sich auch bei den Ausstellern wider; von den etwa 7.300 Teilnehmenden beschäftigen sich 1.500 mit diesem Bereich.
Nach Analysen von Nielsen UK ist der digitale Anteil bei Kinder- und Jugendbüchern in Großbritannien um 25 Prozent, in den USA sogar um 300 Prozent gestiegen.
„Die Leser schaffen die Medienwelten von morgen“, ist Juergen Boos überzeugt. Die Leidenschaft für Bücher verbinde Verlage, Buchhändler und Leser. Der Austausch zwischen ihnen finde zunehmend elektronisch statt.
Früher habe es eine Lücke zwischen gern gelesenen und mit Preisen ausgezeichneten Kinder- und Jugendbüchern gegeben. Diese Lücke schließe sich in der Gegenwart. Im Internet entstehen Communities, sogar Jungen fangen an zu lesen. Ein Beispiel ist Gregs Tagebuch von Jeff Kinney. Schreiben auf Augenhöhe mit den künftigen Lesern führe zu einer neuen Qualität. Viele Verlage ermuntern dazu, die Geschichten weiter zu schreiben. Das habe einen pädagogischen Aspekt, habe aber auch mit Spaß zu tun.
Während 1978 der Themenschwerpunkt der Frankfurter Buchmesse Kind und Buch hieß und die Protagonisten in den Büchern recht stereotyp daher kamen, lässt sich für die Gegenwart feststellen, dass vielmehr ständige Veränderungen die Helden der Bücher für die jungen Leser auszeichnet.
Pressesprecherin Katja Böhne konstatierte: „Die Buchmesse wird dreidimensional.“ Das Papier werde nicht sterben, aber das gedruckte Buch werde eine Form von vielen sein.
Die Messe sei eine Startrampe für Inhalte, Ideen und Informationen. Trotz Eurokrise sei die Messe stabil geblieben, es gebe mehr Gemeinschaftsstände und ein starkes Interesse von Technologie-Unternehmen.
Neu gestaltet wird sich die Halle 4.1 präsentieren. Hier wird sich in diesem Jahr auch das Pressezentrum befinden. Ein weiteres Novum ist die Travel Gallery in der Halle 3.1. Im Zentrum Weltempfang wird Afrika einen Schwerpunkt bilden.
Der Ehrengast Neuseeland wird rund um die Messe mit über 300 Veranstaltungen, 67 Autoren und etwa 100 Künstlern präsent sein. Gespannt darf man auf den Pavillon im Forum sein, er wird viel mit Wasser und Sternen zu tun haben.
90 Titel neuseeländischer Schriftsteller liegen in Übersetzungen vor.
Am Messe-Samstag wird ein Hobbit-Cosplay stattfinden, eine Jury, der unter anderem Sir Richard Taylor angehört, wird die Sieger küren.
Bereits im dritten Jahr gibt es das StoryDrive, die All-Media-Plattform. Neu: In diesem Jahr wird es auch Veranstaltungen am Publikumswochenende geben.
„Es geht um viele neue Geschäftsmodelle in unserer Branche, die nicht stirbt, sondern überaus lebendig ist“, unterstrich Katja Böhne.
Besucher werden in der Halle 4.2 das CERN wiederfinden, neu ist ein „Klassenzimmer der Zukunft“ auf über 300 Quadratmetern.
Allein 3000 Events gibt es auf dem Messegelände, aber wie schon in den letzten Jahren werden viele Veranstaltungen auch in der Stadt geplant.
In diesem Jahr sei die bisher meiste Fläche verkauft worden. Das veranlasste den Direktor zu einem optimistischen Statement: „Die Medienwelt lässt sich weder von Digitalisierung noch von Wirtschaftskrisen abschrecken.“
Im Anschluss interviewte Katja Böhne die neuseeländische Wissenschaftlerin und Autorin Kate de Goldi, die entschieden für Kinderliteratur eintritt. Ihr Buch abends um 10 wurde von Ingo Herzke ins Deutsche übersetzt und ist im Carlsen Verlag erschienen.
JF