Die Buchmesse will die Halle 4.1 umgestalten und ihr wie einem anderem Land einen eigenen Namen geben: [State oftheArts. buchmarkt.de fragt Gabi Rauch-Kneer, Geschäftsleitung Messe Management, was sich die Frankfurter Buchmesse davon wohl verspricht.]
buchmarkt.de: Die Buchmesse gestaltet die Halle 4.1 um. Was hat Sie gestört?

Gabi Rauch-Kneer: Die Halle 4.1 ist seit jeher die Halle der schönen Künste auf der Buchmesse. Hier sind Aussteller aus den Bereichen Literatur, Lyrik und Hörbuch, Kunst, Design und Architektur, anspruchsvolles Sachbuch sowie Film und Fotografie angesiedelt. Außerdem gibt es hier tolle Veranstaltungsbühnen mit hochwertigen literarischen Events, wie zum Beispiel das 3sat Forum, die Leseinsel der unabhängigen Verlage oder den Paschen Literatursalon, der in diesem Jahr neu in die Halle gekommen ist.Die Fachveranstaltungen am Stand der Stiftung Buchkunst befördern den Austausch zwischen internationalen Gestaltern und weiteren Professionellen rund um das schöne Buch.
Und wo liegt der Haken?
Die Halle 4.1 hat eine Menge zu bieten, nur ist das in den vergangenen Jahren nicht richtig beim Publikum angekommen. Daher haben wir beschlossen, die Inhalte der Halle auch nach außen hin deutlicher zu machen. Die Idee für unseren „State oftheArts“ war geboren.
Was soll anders werden?
Der neue Titel „State oftheArts“ gibt der Halle einen klaren Rahmen, der auch in der Gestaltung der Halle deutlich sichtbar ist. Wir haben die Aussteller sehr viel stärker nach Inhalten gruppiert. Neue Teppichfarben unterstreichen die Struktur der einzelnen Hallenbereiche in die Schwerpunkte Literatur und Hörbuch sowie Kunst und Design. Kleine bauliche Veränderungen werden den Zugang zur Halle befördern, schöne gestaltete Cafés zum Verweilen einladen. Es gibt sogareigene Banner mit der blauen „State oftheArts“ Flagge, die prominent an den Eingängen platziert werden.
Wie muss man sich das neue Konzept konkret vorstellen? Eine Messe in der Messe?
Nein, die Idee war es, den Ausstellern, Veranstaltern und Besuchern der Halle 4.1 mit einer witzig gemachten Kampagne so etwas wie eine eigene Identität, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu geben. Wir haben die Staats-Metaphorik aufgegriffen und werden jetzt spezielle „Personal-Ausweise“ verteilen, die die Aussteller der Halle 4.1 als Staatsbürger, also Mitglieder des „State oftheArts“,für alle Messebesucher erkennbar machen. Außerdem können die Aussteller an ihre Kunden, z.B. an Buchhändler, sogenannte Greencards verschicken und sie damit gezielt zu sich in die Halle auf einen Besuch einladen. Aber selbstverständlich dürfen auch Besucher ohne offizielle Greencard jederzeit in den „State oftheArts“ einreisen.
Kostet das extra Eintritt?
Nein, natürlich nicht. Allerdings werden die Besucher beim Verlassen der Halle gefragt, ob sie uns etwas Mitzuteilen, im übertragenen Sinn also zu „Verzollen“ haben. Diese Aktion nennen wir „Something toDeclare“ und hoffen, dass wir so von den Besuchern Feedback zur Halle bekommen. Welcher Stand, welche Veranstaltung oder auch einfach nur welches Produkt hat am besten gefallen? Welche Kritikpunkte gibt es? Das ist nicht nur eine nützliche Rückmeldung für uns, sondern auch für die Aussteller. Diese Aktion läuft parallel auch auf der Facebook-Fanpage des „State oftheArts“.
Foren und Veranstaltungen finden auch in andern Hallen statt. Ist das wirklich so viel anders als das normale Messegeschäft?
Auf der Frankfurter Buchmesse gibt es in jedem Jahr viele Änderungen – wir greifen kontinuierlich aktuelle Strömungen auf, fassen sie in Themenschwerpunkte, Foren und Zentren zusammen,anderes hat sich teilweise überlebt…Da kann es sogar für alte Hasen, die seit Jahren zur Buchmesse kommen, manchmal schwer sein, den Überblick über die verschiedenen Angebote und Schwerpunkte zu behalten. Indem wir den einzelnen Hallen einen klaren Rahmen geben, ermöglichen wir unseren Kunden und Besuchern eine bessere Orientierung. Im vergangenen Jahr haben wir z.B. unsere Halle 4.2, die Halle für Bildung, Wissenschaft und Fachinformation,als den Ort positioniert, wo Sie Antworten auf alle Fragen bekommen. Das Konzept ist voll aufgegangen und hat viele neugierige Besucher in die Halle gelockt, die so vorher vielleicht an der Halle vorbeigelaufen wären.
Auch in Halle 3.1 finden sich viele literarische Verlage. Gibt es dort auch eine Umgestaltung?
In der Halle 3.1 findet sich neben der Literatur viel Vertrautes. Neu hinzu kommt in diesem Jahr die Travel Gallery: ein 180 Quadratmeter großes Areal mit einer eigenen Veranstaltungsbühne und Ausstellern aus den Bereichen Reise und Touristik. Neben Cityguide-Verlegern finden sich dortauch dichtende Globetrotter, Travel-Blogger sowie Botschafter von Sehnsuchtsorten. Auch die Gourmet Gallery ist weiter dort verortet. Sie können in der Halle 3.1 in Zukunft also nicht nur kulinarisch, sondern auch „touristisch“ auf Reisen gehen.
Wie soll das neue Konzept der Halle 4.1 den Verlagen helfen?
Wie schon gesagt, wir hoffen, dass die Aussteller der Halle 4.1 durch ihren Auftritt im gemeinsamen „State oftheArts“ eine Art Identität und Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln, die die Aufmerksamkeit der Besucher steigert und auch den Zuzug weiterer Aussteller aus den genannten Bereichen fördert. Vielleicht entstehen dadurch in den nächsten Jahren auch ganz neue Kooperationen für Events und Aktionen zwischen den Ausstellern. Wir würden das in jedem Fall unterstützen.
Was hat der Buchhandel davon?
Viel! Das Konzept bietet Orientierung. Und ein Besuch des „State oftheArts“ gibt bestimmt auch Inspiration, z.B. für schön gestaltete Buchhandlungen und ein eigenes hochwertiges Programm – ähnlich wie im Paschen Literatursalon.Außerdem gibt es viele Orte für Besprechungen in Halle 4.1. Buchhändler sollten also rechtzeitig die Verlage kontaktieren und Termine vereinbaren. Denn die Verlage wollen wirklich den Austausch!
Wie zeigt sich das?
Eine schöne Aktion für Buchhändler ist in diesem Zusammenhang: Im Buchhändler-Zentrum in Halle 4.0 erhalten Sortimenter ein Aktions-Bändchen, mit dem sie an verschiedenen Stationenin den Hallen kostenlose Snacks, Getränke oder kleine Geschenke erhalten können. Wir freuen uns sehr über das riesige Interesse der Verlage, bei dieser Aktion mitzumachen.
Woher wollen Sie wissen, ob das neue Konzept funktioniert hat?
Am liebsten würde ich jeden Aussteller und jeden Besucher der Halle persönlich begrüßen und dazu befragen! In jedem Falle hoffe ich, dass sich sehr viele an unserer „Something toDeclare“-Aktion beteiligen und uns ihr Feedback geben werden – Sie hoffentlich auch.
Mal schauen…Kann es für das nächste Jahr eine Steigerungsstufe geben?
Wir werden sehen. Aber grundsätzlich ist alles möglich.
Die Fragen stellte Matthias Koeffler