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Autor Mohammad Baharlo findet Zuflucht in Frankfurt

Mohammad Baharlo

Bereits seit Juni lebt der aus dem Iran stammende Schriftsteller Mohammad Baharlo als Gastautor in Frankfurt am Main. Die Stadt beteiligt sich gemeinsam mit der Frankfurter Buchmesse und litprom in Kooperation mit dem International Cities of Refuge Network ICORN an dem Stipendienprogramm.

Heute Mittag fand im Haus des Buches die erste Pressekonferenz mit Mohammad Baharlo statt, zu dem litprom-Geschäftsleiterin Anita Djafari, Peter Ripken, Vorstandsvorsitzender von ICORN, und Buchmesse-Direktor Juergen Boos die Medienvertreter begrüßten.

Seit 1997 nimmt Frankfurt am Programm Städte der Zuflucht teil. Juergen Boos, der gerade von einem Gespräch mit Frankfurts neuem Oberbürgermeister Peter Feldmann kam, verkündete, dass sich daran nichts ändern werde. Gerade die Mainmetropole, in der rund 160 Nationen leben, fühle sich der Freiheit des Wortes – ein Grundpfeiler der Buchmesse – verpflichtet.

„Anliegen des Stipendiums ist es, Autoren sowohl das Arbeiten ohne Repressalien zu ermöglichen als auch Kontakte zu anderen Schriftstellern und Verlagen zu fördern“, unterstrich Anita Djafari. Mohammad Baharlo besuche bereits einen Englischkurs – Deutsch allerdings sei zu schwierig. Er hatte deshalb die Übersetzerin Susanne Baghestani an seiner Seite.

Peter Ripken erläuterte die Geschichte von ICORN, das 2006 mit 16 teilnehmenden Städten gegründet wurde und heute über 40 Städte umfasst.

In Frankfurt ist mit Mohammad Baharlo bereits der dritte Autor aus dem Iran zu Gast, 1997 kam Faraj Sarkuhi, 2009 Pegah Ahmadi [mehr…].

Erstmals habe die Ausländerbehörde in diesem Jahr sehr lange gebraucht, um dem Autor eine Aufenthaltserlaubnis, zunächst begrenzt auf ein Jahr, auszustellen. Was dann passiert, werde man sehen – denn eigentlich, so erläuterte Peter Ripken, ist das Stipendium für zwei Jahre gedacht.

Mohammad Baharlo, 1955 in Abadan geboren, freut sich, in Deutschland zu sein. Seine Bewerbung für ICORN schrieb er auf Anregung des schwedischen Schriftstellerverbandes, dort veröffentlichte er 2009 im Behnamã Verlag Göteborg sein Buch Braut des Nils, eine von neun Publikationen.

Der Autor ist zwar in seiner Heimat nicht hochgradig gefährdet, hat aber unter zunehmenden Arbeitseinschränkungen zu leiden. So wurden verschiedene Literaturzeitschriften verboten, an denen er mitarbeitete, seine Schreibwerkstätten mit Studenten konnten nicht fortgesetzt werden.

Mohammad Baharlo arbeitet gegenwärtig an einer umfangreichen Enzyklopädie der iranischen Umgangssprache und an einem Roman, der zum Ende des 18. Jahrhunderts spielt.

„Wir werden Auszüge aus Mohammad Baharlos Büchern übersetzen, um ihn damit dem deutschen Publikum besser vorstellen zu können“, kündigte Anita Djafari an. Dafür könnten sich auch Verleger interessieren.

JF

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