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Bild dir dein Volk! Axel Springer und die Juden

Axel Springer beim Hamburger Abendblatt, 1948

Vor Eröffnung dieser Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt am Main, die sich dem Verhältnis des Verlegers Axel Springer (1912-1985) zu den Juden widmet, wies der Direktor des Museums, Prof. Dr. Raphael Gross, auf die schwierige deutsch-jüdische Nachkriegsgeschichte hin.

Er machte auf zwei Perspektiven aufmerksam: die jüdische und die nicht-jüdische. Viele Juden glaubten nach 1945 nicht an eine Lebensnormalität mit den Deutschen. Vorangegangene Ausstellungen beispielsweise zur Frankfurter Schule [mehr…] zeigen beispielhaft andere Positionen.

Doch was geschah auf der nicht-jüdischen Seite? Axel Springer gehört dabei zu den spannendsten Personen der Zeit. „… das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen; hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes …“. Seit 1967 ist dieser Passus Inhalt der Arbeitsverträge der Redakteure der Axel Springer AG.

Andererseits beschäftigte der Verleger ehemalige Nazis wie Paul Karl Schmidt (Paul Carell), Horst Mahnke oder Eduard Rhein. Und Axel Springer stellte den jüdischen Journalisten Ernst Cramer ein. Wie passte das zusammen? Wie ging man miteinander um?

Ebenfalls dargestellt wird die Beziehung zwischen Axel Springer und dem Ullstein Verlag von ihren Anfängen, die noch von Axel Springers Vater, der den Sohn ursprünglich bei Ullstein ausbilden lassen wollte, geprägt waren, bis zum Kauf des Ullstein Verlags durch Axel Springer im Jahr 1959.

Kein Zweifel, Axel Springer polarisiert wie kaum ein anderer. Einerseits war er westlich orientiert und bekannte sich nicht nur zur Wiedervereinigung Deutschlands, sondern versuchte selbst, für ein einiges Deutschland zu werben, wie bei seiner Moskaureise 1958, bei der es auch ein Treffen mit Nikita S. Chruschtschow gab, das ergebnislos verlief.

Axel Springer reiste 1966 nach Israel, traf dort Teddy Kollek, den Bürgermeister von Jerusalem, spendete 3,6 Millionen DM für den Bau einer Bibliothek für das Israel-Museum. Während sein Ansehen in Israel wächst, wird er in Deutschland gerade in den Folgejahren gehasst – beste Beispiele sind die Anti-Springer-Kampagnen. Auch sie werden in der Ausstellung dokumentiert.

In etwa zwei Jahren hat das Jüdische Museum in Zusammenarbeit mit dem Fritz Bauer Institut Frankfurt diese eindrucksvolle Ausstellung vorbereitet. Viele Interviews, darunter Gespräche mit Günter Wallraff, Daniel Cohn-Bendit, Michel Friedman und Micha Brumlik sind in der Exposition zu sehen, ein hochkarätiges Programm begleitet die Ausstellung, die bis zum 29. Juli gezeigt wird. Das Verlagsarchiv stand den Verantwortlichen bei der Zusammenstellung der Exponate zur Verfügung, das Privatarchiv von Axel Springer allerdings nicht.

Im Wallstein Verlag ist zur Exposition ein über 200-seitiger Katalog erschienen.

JF

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