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Raimund Bezold (60)

Raimund Bezold
© Andreas Kurzal

Raimund Bezold wird heute 60 Jahre alt. Autorin Eva Gesine Baur gratuliert dem C.H. Beck-Autor und Mitgründer der Reihe „C.H. Beck Wissen“ zum runden Geburtstag. Raimund Bezold hat das jüngst erschienene Buch „Emanuel Schikaneder. Ein Mann für Mozart“ von Eva Gesine Baur lektoriert:

Gerade erst hat ein Buch aus dem C.H. Beck-Verlag einen Überraschungserfolg erzielt: das von Hans Pleschinski übersetzte und herausgegebene geheime Tagebuch des Herzogs von Croy: Nie war es herrlicher zu leben. Ein Dokument des 18. Jahrhunderts. Wer Raimund Bezold, seit fast 25 Jahren Lektor bei Beck, kennt, war von dem Erfolg weniger überrascht. Der Herzog von Croy fühlte sich einfach zu Hause in diesem Verlag: Dort konnte er mit Raimund Bezold auf Augenhöhe verkehren. Der verfügt über eine Qualität, die Männer des 18. Jahrhunderts besaßen – über Esprit. Ein Wort, das nicht zufällig nach Champagner klingt.

Esprit macht sich so wenig wichtig wie dort das Gas in der Flasche. Er sagt: Was bin ich schon! Und lässt es prickeln. Kenner wissen, je feiner das Mousseux, desto feiner der Champagner. Wo die Korken krachen, gibt es Kracherl, wo es perlt, gibt es Raimund Bezold.

Sein Wissen hat Raimund sich nicht angeeignet, um damit anderen zu imponieren, nur um zu amüsieren. Gesammelt hat er es keineswegs dort, wo es alle sammeln, sondern an den Abseiten und Rückseiten. Die Geschichte der Eisenbahn, der Genussmittel, der elektrischen Beleuchtung sind ihm so vertraut wie die Hypochondrien der großen Geister. Auch die eigenen. Erzählt er in größerer Runde von seiner Neigung, bei sich die entlegendsten Krankheiten zu diagnostizieren und selbst zu medizieren, um dem dräuenden Tod zu entgehen, meint ein Beobachter, der Mann mit dem hüpfenden Adamsapfel sei ein begnadeter Witzeerzähler.

Seine Belesenheit trägt er niemals so, dass sie jeder gleich sieht. Er trägt sie als Futter eines ganz dezenten Anzugs. Nur wer ihn bittet, doch mal abzulegen, bekommt es zu Gesicht.
Als Mensch aus dem Geist des Dixhuitieme ist ihm geläufig, dass im reinen, kühlen Ozon des Intellekts keine Gespräche entstehen, es muss menscheln, soll Stimmung aufkommen. Raimund hortet in Hirn und Herz Schätze an selbst erlebten oder aufgelesenen Anekdoten, Episoden, auch delikaten oder pikanten. Aber er serviert sie nicht mit feuchten Lippen und fettigen Fingern. Nein, er kredenzt sie sparsam, mit Pokerface, gewürzt mit Selbstironie und tiefer Menschenliebe.

Wenn derzeit das Gespräch auf Griechenland kommt, kann es ungemütlich werden. Nicht, wenn Raimund Bezold zugegen ist. „Lord Byron hat gesagt, die Griechen sind Türken, die sich für Italiener halten.“ Kurze Pause. „Und Byron hat die Griechen verehrt.“ Diese Gabe, mit ein, zwei Sätzen allem Aufgeblasenen und Aufgeblähten die Luft abzulassen, ist so selten wie eine andere von Raimund: Mit einer einzigen Bemerkung, die er sich eingeprägt hat, skizziert er einen Charakter, einfach so, aus dem Handgelenk. Und das bleibt dabei locker wie das Spielbein, bei dem selbst Raimundkenner nie genau sagen können, ob es gerade aus Nervosität wippt, oder weil in ihm eine Pointe vibriert. Warum so einer keine steile Karriere gemacht hat? Als ich ihm gestand, wenn die Arbeit dränge, um fünf oder halb sechs aufzustehen, sagte er: „Wenn ich das könnte, hätte ich es vielleicht zu etwas gebracht.“

Kontakt: raimund.bezold@beck.de

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