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Dr. Georg Bitter

Dr. Georg Bitter

Im Alter von fast 91 Jahren ist Dr. phil. Georg Bitter, der frühere Inhaber des Georg Bitter Verlages Recklinghausen und langjährige Geschäftsführer des Kommunal Verlages Recklinghausen, am 4. Februar d. J. in Hamminkeln am Niederrhein, seinem Wohnsitz in den letzten Jahren, gestorben.
Am 25. März wäre der Verleger und langjähriges Vorstandsmitglied der AvJ und Gründungsmitglied des dtv junior, dessen Sprecher er lange war, 91 Jahre alt geworden.
Sein Sohn Dr. Bitter jun. sagt dazu: „Es wirkt schon fast wie eine Fügung des Schicksals, daß auch Maria Friedrich vor ein paar Wochen verstorben ist. Mein Vater und Maria Friedrich haben über Jahrzehnte hinweg gemeinsam die Geschicke von dtv junior, zu dessen Gründern ja der frühere Georg Bitter Verlag gehörte, bestimmt“.
Der gebürtige Recklinghausener war Inhaber des Bundesverdienstkreuzes I. und II. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, Ehrenvorsitzender des KKV in der Diözese Münster, Inhaber der Paulusplakette des Bistums Münster und der Konzilsmedaille sowie des „Volkacher Talers“ der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.
1942 nahm er in Freiburg/Breisgau das Studium der Medizin auf, das er aber infolge seiner Kriegsverletzung aufgeben mußte. Anschließend studierte er Zeitungswissenschaft und Philosophie. 1950 wurde er an der Ludwig Maximilians Universität in München zum Dr. phil promoviert.
Ab 1950 war der Verstorbene Verlagsleiter im Verlag seines Vaters, dem Paulus Verlag, den er ab 1964 als Komplementär verantwortlich leitete und 1968 in den Georg Bitter Verlag überführte. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben prägte er das Verlagsbild und entwickelte das Unternehmen zu einem der bekanntesten deutschen Kinder- und Jugendbuchverlage, der auch Gründungsmitglied von dtv junior war.
Im früheren Georg Bitter Verlag wurden zahlreiche bekannte und renommierte Autoren verlegt und fanden dort ihre verlegerische Heimat. Viele Titel des Verlages erhielten nationale und internationale Preise, so z.B. der Titel „Was denkt die Maus am Donnerstag“ von Josef Guggenmos, das 1968 den „Deutschen Jugendbuchpreis“ erhielt und als klassischer Kindergedichtband gilt.
Mit „Es lebe die Republik“ des tschechischen Autors Prochazka wurde 1969 wieder ein Buch aus dem Bitter Verlag ausgezeichnet. Das „Durcheinanderbilderbuch“ von Wilfried Blecher und Wilfried Schröder „Kunterbunter Schabernack“ wurde schnell ein Klassiker im Kinderbuchmarkt.Tolkiens „Kleiner Hobbit“ war seit den 50er Jahren im Verlagsprogramm.
Der Kurzgeschichten Band von Josef Reding „Nennt mich nicht Nigger“ war einer der ersten dieser Art in Deutschland und erlebte viele Auflagen.
1971 erhielt wieder ein Buch aus dem Georg Bitter den begehrten Jugendbuchpreis. Es war der Titel „Die Erde ist nah“ des Tschechen Ludek Pesek, das sich mit einer fiktiven Marslandung beschäftigte.
Zahlreiche Titel aus Auswahllisten, auch zum Europäischen Kinderbuchpreis liessen sich noch anführen.
Ende der 80er Jahre beschäftigte sich der Verlag zum ersten Mal mit dem Thema Mißbrauch und verlegte den Titel von Heidi Hassenmüller „Gute Nacht Zuckerpüppchen“, das ein großer Erfolg wurde.
Karins Jäckels Buch „Sag keinem , wer Dein Vater ist“ ging der Problematik von Priesterkindern auf den Grund und stieß eine Diskussion an, die bis heute andauert. In den 50er und 60er Jahren bestimmten auch Theologie und Zeitgeschichte das Programm. So verlegte der Verstorbene eine Vielzahl von Werken des Religionspädagogen Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Foerster. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil verlegte der damalige Paulus Verlag u.a. auch die Konzilsdekrete.
Im offiziellen Auftrag des Papstes Pius XII. Verlegte der Paulus Verlag 1958 das „Rotbuch der verfolgten Kirche“, das sich mit der Situation der verfolgten Christen in aller Welt beschäftigte.
Auch die Dortmunder „Gruppe 61“ um den Bibliotheksdirektor Franz Hüser und Hugo Ernst Käufer war verlegerisch im Paulus Verlag zuhause. Der wegweisende Roman von Max von der Grün „Irrlicht und Feuer“ wurde 1963 zuerst im Paulus Verlag veröffentlicht und führte zu einer Reihe von Unterlassungsprozessen, die der Verlag aber alle erfolgreich abwehren konnte.
Darüber hinaus war Dr. Bitter langjähriger Verleger der im Paulus Verlag verlegten Bistumszeitung „Kirche und Leben“, die die auflagenstärkste Bistumszeitung in Deutschland war. und der früheren katholischen Wochenzeitung „Echo der Zeit“, die in den 60er Jahren eine zeitlang die meistzitierte deutsche Wochenzeitung war.
Mitte der 60er Jahre führte der Verlag einen aufsehenerregenden Prozeß gegen die in Hamburg erscheinende Illustrierte „Stern“ unter dem damaligen Chefredakteur Henri Nannen, der unter dem Namen „Höllenfeuerprozeß“ in die Rechtsgeschichte einging. Konkret ging es um die Grenzen der Pressefreiheit, die der BGH sehr weit auslegte. Das Urteil hat bis heute Bedeutung und wird auch öfters zitiert.
Daneben wurde Dr. Bitter 1950 Geschäftsführer des Kommunal Verlages in Recklinghausen und verlegte u.a. die Fachzeitschrift „Kommunalpolitische Blätter“, das kommunale Fachorgan der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU/CSU Deutschlands, die lange Zeit die auflagenstärkste Fachzeitschrift dieser Art in Deutschland war.
Dr. Georg Bitter hinterläßt seine Frau, vier Kinder, Enkelkinder und Urenkelkinder.

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