
Die Plakatierung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes am Kölner Hauptbahnhof war wie gemacht für Steven Uhlys (Foto) gestrige Lesung aus seinem Roman Adams Fuge (Secession): „Kein Mensch passt in eine Schublade“. Nur haben das leider viele Leser des Romans noch nicht verstanden.
Solche Missverständnisse können sehr ärgerlich werden, hat Uhly erfahren, als ZDF aspekte ihn einen Tag zu Dreharbeiten nach Jena eingeladen hatte. Aktueller politischer Grund: Er habe in seinem neuen Roman Adams Fuge Geschehnisse wie die Zwickauer Terrorzelle vorausgeahnt.
Und das ZDF trimmte alles genau auf diese These hin – und heraus kam ein Beitrag, gegen den Uhly in der Presse energisch Widerspruch einlegen musste. Was aber nicht immer etwas brachte. Daß z.B. Amazonien in dieser Hinsicht eine etwas gewöhnungsbedürftige Landschaft ist, haben Autor und Verlag Ende vergangenen Jahres schmerzhaft erfahren. Kurz nach der ZDF-Ausstrahlung hagelte es dort Schelte und Häme von Möchtegern-Rezensenten in jeglicher orthographischer Bedenklichkeit – bis hin zu Aufforderungen, das Buch zu verbrennen – da hörte denn Amazon mit dem Ignorieren auf und löschte den Beitrag.
Freilich, und das zeigte sich auch gestern bei der Lesung, Uhly macht es seinem Leser nicht leicht. Im vollbesetzten Kölner Literaturhaus stellte er unter Moderation von Gisa Funck seinen Roman (in dem ein Deutschtürke im Prinzip in Konflikt mit allen Geheimdiensten dieser Welt gerät und es auch mit einem V-Mann in der Nazi-Szene zu tun bekommt) vor, für den er bereits den renommierten Tukan-Preis erhalten hat.
Natürlich ist der Roman in der Überspitzung seiner rasanten Handlung eine Groteske, aber natürlich hat er auch viel mit grotesker Wirklichkeit zu tun. Das Buch sei von der Realität eingeholt worden? So kann man es sehen. Muß man aber nicht, wenn man den Brandanschlag von Solingen 1993 (war da nicht ein V-Mann der Ausbilder der Nazis?) erinnert. Dieses Verbrechen war für Uhly einer der Auslöser, seinen Roman zu schreiben, und auf einmal sieht man, wie tief der Roman in tatsächlich Geschehenem wurzelt. Grotesk ist dann eher, wie deutsche Behörden bislang mit der braunen Gewalt umgegangen sind.
Gezielte Verwirrung des Lesers, gibt Uhly zu, habe er gewollt. Denn dann gehe es dem nämlich nicht besser als seinem Protagonisten, der schließlich nur noch improvisieren kann, um in dem turbulenten Geschehen zu überleben, weil es keine Sicherheit mehr gibt. Uhly hat dabei Klischees und Stereotype auf die Spitze getrieben, und er erlaubt sich gelegentlich die Frage, ob nicht jedes Klischee auch eine Anbindung in der Wirklichkeit habe…
Ob nun an der Behauptung, Uhly habe mit Adams Fuge einen „Anti-Sarrazin“ geschrieben, etwas dran sei, mag er nicht kommentieren: Jeder lese den Roman, wie er wolle – da habe er als Autor nicht dreinzureden…
uf