
Seit Nikolaustag fragen wir bis zum 6. Januar (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Liebeskind-Verleger Jürgen Christian Kill unseren „anderen Fragebogen.“
1
Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Das war Montag, der 12. September 2011. An diesem Tag haben wir erfahren, dass mit Pete Dexters Western „Deadwood“ erstmals ein Liebeskind-Titel auf der SPIEGEL-Bestsellerliste steht.
2
Worüber haben Sie sich 2011 am meisten geärgert?
Darüber, dass ausländische Literaturagenten mit wenig Kenntnis des deutschen Buchmarkts über die Aufmachung eines Buches entscheiden wollen und damit (indirekt) unsere Kernkompetenz infrage stellen: einen Text zu positionieren und dann so zu „verpacken“, dass er möglichst viele Leser der Zielgruppe anspricht.
3
Was war 2011 Ihr schönster Erfolg?
Wir sind mit Daniel Woodrells Roman „Winters Knochen“ in die 4. Auflage gegangen. Natürlich hat der Erfolg des Films beim Abverkauf geholfen. Aber dass sich so viele Leser für ein solch singuläres Buch begeistern, hatte ich nicht erwartet.
4
Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Hm …
5
Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Die schönsten Buchhandlungen, die ich besucht habe: Literatur Moths in München und Cohen und Dobernigg in Hamburg. Das beste literarische Programm gab´s dieses Jahr bei Rowohlt.
6
Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?]
Über Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Aus dem Thema ist jetzt wirklich die Luft raus (was bei der Aufgeblasenheit des Herrn Ministers a.D. ja eine Weile gedauert hat).
7
Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Über die Digitalisierung unserer Gesellschaft.
8
Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?]
Beim Prüfen von Manuskripten zu wenig Geduld aufzubringen.
9
Und welchen Fehler werden Sie wiederholen?
Natürlich genau den!
10
Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Judith Schalanskys Roman „Der Hals der Giraffe“. Endlich ein Buch, das sich genauso gut anfühlt, wie es geschrieben ist.
11
Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Bei uns ist jedes Buch wichtig, tut mir leid.
12
Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von Jeff Bezos.
13
Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Stimmt es, dass Liebeskind ein Computerprogramm entwickelt hat, mit dem die verkaufte Auflage eines Titels vorab berechnet werden kann?
14
Hier können Sie die auch beantworten.
Ja, aber wir haben dieses Programm wieder gelöscht. Sonst wäre uns bestimmt langweilig geworden.
Morgen fragen wir Helena Bommersheim; gestern antwortete Tom Erben [mehr…].