
Seit Nikolaustag fragen wir bis zum 6. Januar (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Nonbook-Expertin Angelika Niestrath (messefritz & nonbook.de) unseren „anderen Fragebogen.“
1
Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Einer der schönsten war wieder der erste Tag der Frankfurter Buchmesse: Wenn auf dem Nonbookmarktplatz das Licht angeht und sich die Arbeit eines ganzen Jahres materialisiert … Dieses Jahr war es besonders schön, da ganz besonders erfolgreich. Privat waren es dazu ein paar wundervolle Tage in New York und ein ganz spezieller auf der Insel Texel.
2
Worüber haben Sie sich 2011 am meisten geärgert?
Wie immer über mich selbst! Ansonsten über „Piraten“, die davon schwafeln, dass Musiker doch von Konzerten und Autoren künftig von freiwilligen Zuwendungen leben könnten. Und über Buchhandlungen mit Tischen oder – noch schlimmer! – Regalen voll wahllos zusammengeschütteter sogenannter Geschenkartikel. Gerade frage ich mich, ob das nicht sogar irgendwie zusammenhängt? Fehlt da die Wertschätzung fürs Eigentliche?
3
Was war 2011 Ihr schönster Erfolg?
Einer der Papeterie-Aussteller in Halle 4.0 hat mir gesagt, sein Ergebnis auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse sei besser gewesen als das auf der Ambiente … Weiß gar nicht, ob das stimmen kann, aber gefreut hat es mich doch. Zufriedene Aussteller sind ja genauso wichtig wie zufriedene Besucher und 2011 hatten wir von beiden so viele wie noch nie. Da fühle ich mich belohnt.
4
Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Dass ich einige Ideen für spannende neue Projekte immer noch nicht realisieren konnte … aber 2012, da wird es was!!!
5
Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Cohen+Dobernigg in Hamburg, obwohl sie da für meinen Geschmack ruhig ein bisschen mehr Nonbook anbieten könnten – muss ja nicht aus Honkong sein! Warum? Weil ich mir vorstelle, dass die es richtig gut machen würden. Und weil ich gerne öfter sehen würde, dass das eben auch geht: Fein sortierte Bücher und fein sortierte Non-Books unter einem Dach. Produkte mit Idee.
6
Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Vom Comeback des Schummelfranken. Und von allen anderen, die es mit dem geistigen Eigentum nicht so genau nehmen. Leute, die Inhalte nicht achten und Ideen nicht entlohnen wollen, machen mir Angst.
7
Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Über erfolgreiche Originale!
8
Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Lauter Selbständigen-Klassiker: Alles kontrollieren wollen, keine Pausen machen, immer am Limit operieren, Zukünftiges und Privates vernachlässigen …
9
Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Alle oben genannten, aber alle ein bisschen weniger als dieses Jahr – zugunsten von mehr Luft, mehr Leichtigkeit und noch mehr Freude an der Arbeit.
10
Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Neu: Die hellen Tage von Zsuzsa Bánk. Und wiederentdeckt: Die gesammelten Amsterdam-Krimis von Janwillem van de Wetering. Weil es die deutsche Fassung nicht mehr neu zu kaufen gibt, diesmal im amerikanischen Original – ich dachte immer, das Original sei niederländisch, aber nein. Das war noch einmal ganz großes Vergnügen.
11
Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Oh, da gibt es was bei den noch nicht realisierten Projekten … aber nicht, was Sie jetzt denken.
12
Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von Holger Danneberg von Werkhaus, dessen meistens geniale Kreationen vermutlich jeder in der Branche auf irgendeine Weise schon kennengelernt hat. Und von Walburga Westbrock, Buchhandlung LesArt in Telgte. Beide sind 100% original.
13
Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Ich bin, ehrlich gesagt, ganz froh, dass ich 1.-12. ohne Schwierigkeiten beantworten konnte. Aber wenn die Frage wäre, was ich mir für 2012 wünsche …
14
Hier können Sie die auch beantworten
Fortschritt auf allen Ebenen, nicht zu verwechseln mit Wachstum um jeden Preis – aber ein bißchen persönliches Wachstum wäre auch schön. Glück und Erfolg für die neuen Projekte. Und dass ich endlich einmal lerne, wie man richtig Geld verdient.
Morgen fragen wir Olaf Schreiber; gestern antwortete Peter Kraus vom Cleff [mehr…] .