Mit einer großen Show und 500 Gästen hat Dr. Ulrich Herrmann gestern Abend um 21:00 Uhr im Rahmen einer großen Gala das Rechtsportal Jurion freigeschaltet. Nach dem Willen der Konstrukteure bei Wolters Kluwer Deutschland soll es eine Zeitenwende einläuten. Nach dem Kauf der Münsteraner Rechtsdatenbank von Lexis Nexis im November 2010 [mehr…] verbinden sich viele Erwartungen mit der neuen Datenbank. [Dr. Ulrich Hermann stellt sich im ersten offiziellen Interview den Fragen.
buchmarkt.de: Man kreuze LexisNexis mit Wolters Kluwer, heraus kommt ein Produkt namens „Jurion“. Im November 2010 hatten Sie uns einen „Namen mit dem besonderen Klang auf dem Rechtsmarkt“ versprochen. Wo klingt es dann da bereits besonders?

Dr. Ulrich Herrmann]: Jurion ist zunächst ein Name für ein Leistungsversprechen. Die Marke entsteht durch die Nutzererfahrung. Jurion ist die Marke unter wir zunächst das bestehende Produkt LexisNexis Recht weitergeführt haben. Eine Umbenennung war die verständliche Bedingung der Verkäufer nach dem Erwerb. Das was wir aber gestern als Weiterentwicklung vorgestellt haben, ist nicht einfach eine erweiterte Funktionalität, sondern eine neue Philosophie bei der digitalen Arbeit mit Rechtsinformationen.
Neue Philosophie? Es ging darum, technisches und inhaltliches Know How von LexisNexis mit Ihrem Wolters Kluwer Zugang zu Sekundär-Informationen zu koppeln.
Ergänzen sie den aufgeführten Katalog von Kompetenzen noch mit unserer Software Expertise, dann haben Sie die wesentlichen Zutaten, die unsere Jurion Philosophie ermöglicht haben. Wir sind überzeugt dass uns ein guter Ansatz gelungen ist. Diesen gilt es nun weiterzuentwickeln und zu perfektionieren.
Sie werben mit „intuitiver Suchfunktionalität“ und „einzigartiger Softwareumgebung“. Haben Sie die Datenbanktechnik neu erfunden?
Nein, wir setzen neue technologische Komponenten ein, die zunehmend wichtiger werden, wie etwa die semantische Suche. Damit erweitern wir den Wirkungsraum unseres Produkts über die Verlagsinhalte hinaus auf die Inhalte, die unsere Kunden selbst erstellen.
Was also macht Jurion da einzigartig?
Ich kenne keine online Datenbank, die in den Workflow des Kunden eingebunden ist. Mit Datenbanken hat der Kunde lediglich effizienten Zugriff auf Inhalte. Mit Jurion aber „bearbeitet“ der Kunde seine eigenen Inhalte. Dabei gewinnt er Zeit. Wenn dies nicht zutrifft, wird er Jurion nicht nutzen wollen. Das nenne ich Einbindung in einen Workflow.
So lautet auch Ihr Werbetitel „Jurion ist Arbeitsumfeld“. Was müssen wir uns darunter vorstellen?
Mit Jurion öffne ich alle für einen Arbeitsvorgang oder Fall relevanten Vorgänge, vom Scan bis zum Word Dokument, konvertiere diese in ein bearbeitbares PDF, verknüpfe dieses mit juristischen Inhalten zu einer intelligenten lokalen und auf den Fall bezogenen Datenbank. Jurion ermöglicht dabei nicht nur die Verknüpfung mit eigenen Daten sondern auch denen anderer Experten, Autoren, Kollegen, Sachbearbeitern sofern der Anwender das gestattet – das typische Arbeitsumfeld eines Wissensarbeiters.
Wie muss man sich solch eine Vernetzung vorstellen? Welche Rolle spielen dabei die Altverlage ZAP und MBO, Luchterhand und Carl Heymanns? Wie werden die ihre Profile ausspielen können?
Verlage gewinnen mit Jurion wieder Ihre ursprüngliche Bedeutung. Ihre Aufgabe ist es, Autoren und Themenfelder zu erschließen. Jurion hilft dabei dem Nutzer aus dem Kontext seiner Arbeit heraus, die relevanten Werke der Verlage und ihrer Autoren zu identifizieren.
Die meisten Rechtsdatenbanken arbeiten mit Modulen.
Das Jurion Mitglied hat dabei die Möglichkeit seine Datenbank individuell mit den elektronischen Verlagswerken zu ergänzen. Mit Jurion stellen wir ein für die Branche neues Geschäftsmodell vor. Das „jBook“; „j“ wie juristisch, ist ein Buch, dass als eBook erworben wird und wie eine Datenbank genutzt wird – natürlich unter Einbindung des Buchhandels. Das sollte dem Buchhandel die Möglichkeit geben auch im juristischen Bereich ein E-Book-Geschäft aufzubauen.
Sie sind von Köln aus eine rheinisch westfälische Ehe eingegangen. Die Mitarbeiter sitzen in Münster, der Start wird in Köln gefeiert. Wo sitzen jetzt nach zwölf Monaten die ehemals 200 Mitarbeiter von LexisNexis aus Münster, wie haben Sie die Standorte nun profiliert?
In Münster sitzt die Technik für das Contentmanagement, das heißt Suchtechnologie, Portalentwicklung und Contentmanagementsoftware. Zudem haben wir im Bereich der Sozialversicherung den MBO Verlag am Standort Münster neu gegründet. In Köln sitzen die Verlage mit den Lektoraten und unser Softwaregeschäft.
Der Start von Jurion ist doch sicher noch nicht das Ende, Neues zu bauen?
Mit Jurion haben wir gestern im Rahmen einer Abendveranstaltung das Konzept und unsere Philosophie erstmalig öffentlich gezeigt. Dann beginnt die Betaphase und Markteinführung. Wie gesagt, Jurion ist eine für den Anwender einfache aber für uns als Anbieter neue und komplexe Software und benötigt eine Anlaufphase im Markt mit vielen Tests. Die zweite Ausbauphase von Jurion startet Anfang des nächsten Jahres, die vor allem juristische Autoren anspricht. Es stimmt, nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
Die Fragen stellte Christian Schlichter







