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Kleine Verlage mit großen Ambitionen

Dietrich zu Klampen, Axel von Ernst,
Hubert Winkels

Unter diesem Thema trafen sich am Mittwoch, 12. Oktober, im Gläsernen Studio von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk auf der Buchmesse die Verleger Axel von Ernst, Lilienfeld Verlag, Jörg Sundermeier, Verbrecher Verlag, und Dietrich zu Klampen, zu Klampen Verlag mit dem Moderator Hubert Winkels.

Hubert Spiegel begann das Gespräch mit Zahlen: Auf der diesjährigen Buchmesse werden 400.000 Produkte vorgestellt, 30 Prozent davon sind digital. Die interessanteste Zahl allerdings sei, dass 60 Prozent aller gegenwärtigen Downloads illegal vorgenommen werden. Wie können sich in solch einer Landschaft kleine Verlage halten?

„Wir wollten Bücher verlegen, die es auf dem Markt nicht gibt und mit dem Verlagsnamen Aufmerksamkeit erregen“, erzählt Jörg Sundermeier, der 1995 zusammen mit Werner Labisch den Verbrecher Verlag gründete. Mit Einführung des Mahnwesens wurde der Verlag ernst genommen. Noch immer entscheidet ein kleines Team, was gedruckt wird; es muss gefallen und halbwegs refinanzierbar sein. „Wir gingen mit dem Mut dessen, der nicht weiß, dass es auch schief gehen kann, an die Arbeit“, erinnert sich Jörg Sundermeier, der kleine Verlage als „Trüffelschweine“ sieht, die Schätze aufspüren. Er weiß auch: „Manchmal gehen die Autoren später zu größeren Verlagen, doch das muss man nicht bejammern.“

Der Name des Lilienfeld Verlags hat mit literarischer Tradition und der Vorliebe für diese Blumen zu tun, erläutert Axel von Ernst, der die Edition 2006 mit Viola Eckelt gründete. Bei Lilienfeld werden vergessene Autoren wie Emmanuel Bove, Franz Hessel, Franz Adler und Jaques de Lacratelle verlegt. Von „Flohmarktfunden“ in den Anfangsjahren berichtet Axel von Ernst. Mittlerweile allerdings gebe es Horden von „Trüffelschweinen“, die den Verlag mit so vielen Tipps versorgen, dass man gar nicht alle abarbeiten könne.

„Was können denn kleine Verlage besser als große?“, fragt Hubert Spiegel nach. „Schöne Bücher machen“, antwortet Axel von Ernst. „Die Leute mit klangvollen Autoren-Namen und schöner Gestaltung verführen“, meint Dietrich zu Klampen. Allerdings gibt er auch zu, dass sein Verlag, dem die handwerkliche Seite sehr wichtig ist, Kompromisse machen, den Spagat zwischen außergewöhnlicher Gestaltung und Ökonomie beherrschen muss. Nicht nur Geldgeber, freiwillige Helfer, ehrgeizige Druckereien seien dabei unentbehrlich. Nur so konnte beispielsweise die Traumtrilogie es von Christof Wackernagel erscheinen. Der 600-Seiten-Prachtband ist zum Preis von 248 Euro auf dem Markt.

Ebenso ambitioniert ist die auf 15 Bände konzipierte Ausgabe der Erich Mühsam Tagebücher des Verbrecher Verlags. Ein Großprojekt, denn in der 1994 erschienen Ausgabe von dtv wurden nur 15 Prozent der Tagebücher veröffentlicht.

Eins haben die kleinen Verlage gemeinsam: Sie setzen sich vom Mainstream ab, stehen für das Besondere in der Bücherlandschaft – und verleihen ihr damit wohltuende, manchmal schillernde Farbtupfer.

JF

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