
Heute Nachmittag wurde im Ökumenischen Zentrum in der Christuskirche in Frankfurt der diesjährige LiBeraturpreis an die aus dem Libanon stammende Schriftstellerin Nathalie Abi-Ezzi für ihren Roman Rubas Geheimnis in einer Feierstunde übergeben.
In ihrem Debütwerk schildert die Autorin den Bürgerkrieg im Jahr 1982 aus der Sicht eines achtjährigen Mädchens. 1983 floh die Familie von Nathalie Abi-Ezzi aus dem Libanon nach England. Der Roman wurde unter dem Titel A Girl Made of Dusterstmals 2008 auf Englisch bei Fourth Estate (HarperCollins) veröffentlicht und erschien 2010 in der Übersetzung von Annette Meyer-Prien im Rowohlt Verlag.
Ingeborg Kästner, Vorsitzende der Initiative LiBeraturpreis, die seit 1987 die Auszeichnung – übrigens eine von Leserinnen und Lesern gekürte – vergibt, würdigte in ihrer Begrüßung nicht nur die Autorinnen, die unter teilweise widrigen Bedingungen schreiben und oft Mühe haben, ihre Werke zu publizieren, sondern auch die Übersetzenden. Leider konnte Annette Meyer-Prien an der Feier krankheitshalber nicht teilnehmen.
Die Grüße der Frankfurter Buchmesse überbrachte Nina Klein, Verantwortliche für Pressearbeit. „Für mich ist der LiBeraturpreis seit Jahren ein besonderer Auftakt der Buchmesse“, unterstrich sie und wies gleichzeitig auf die Leistungen von Litprom hin, der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika – Geschäftsleiterin Anita Djafari war ebenfalls anwesend.
In seiner Laudatio machte Dr. Jeremy Gaines gleich zu Beginn deutlich, dass keine Literaturkritik oder eine Aneinanderreihung von Zitaten erwartet werden dürfe. Vielmehr gehe es um die Erzählung vom Alptraum des Krieges aus Sicht eines Kindes. Er erinnerte an die Massaker von Sabra und Shatilla und an die Schwierigkeit, Bürgerkriege mit all ihrem Entsetzen zu beschreiben. Nathalie Abi-Ezzi ist es gelungen, den unverständlichen Krieg aus den Augen eines Mädchens zu schildern, es ist ein großartiges Buch. Präzise, detailgenau, poetisch, aber nie kitschig wird die Geschichte erzählt.
Nathalie Abi-Ezzi bedankte sich beim Laudator, bei der Übersetzerin und ihren Verlagen für die Unterstützung. Ihr auf Englisch vorgetragenes Dankeschön übersetzte Dr. Thomas Brückner.
Sie will mit dem Buch niemanden belehren, sondern nur beschreiben, was an einem bestimmten Ort passiert ist, der mit seiner besonderen Lage die Handlungen der Personen prägt. Dabei ist es wichtig, Empathie für diese Personen zu entwickeln. „Wenn wir uns die Dinge besser vorstellen, könnte die Welt besser sein“, drückte sie ihre Empfindungen aus und schloss: „Meine Figuren haben mit mir während des Schreibens gesprochen. Jetzt sprechen sie mit den Lesern – diese Vorstellung ist wunderbar für mich.“
Der LiBeraturpreis ist mit einer symbolischen Summe von 500 Euro dotiert.
JF







