
Einzelkämpfer oder Netzwerk? BuchMarkt hat sich einige buchhändlerische Netzwerke angesehen, die mit gemeinsamen Aktionen vor Ort auf sich aufmerksam machen.
Diese Verbünde sind ein Weg, der über die Erfa-Gruppen hinausgeht und von den einzelnen Interessengemeinschaften mit unterschiedlichem Erfolg und unterschiedlichen Ansprüchen und Zielen beschritten wird.
Der größte Verbund ist die LG Buch, www.lg-buch.de mit etwa 200 Mitgliedern deutschlandweit. Die Genossenschaft unabhängiger und inhabergeführter Buchhandlungen wurde 1990 gegründet, um bei den zur Zeit etwa 75 Partnerverlagen optimale Einkaufsbedingungen zu erzielen. Die Service- und Marketingangebote der Genossenschaft erleichtern die Geschäftstätigkeit der Mitgliedsbuchhandlungen.
Ein weiterer Zusammenschluss ist die 2006 gegründete Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Buchhändler (AuB), www.aub-online.org hervorgegangen aus dem Arbeitskreis Unanhängiger Sortimente.
eBuch, www.ebuch.de 2000 gegründet, ist ein Dienstleister, der Warenwirtschaftssysteme miteinander verknüpft und zahlreiche Branchendaten bereitstellt. Weitere Verbünde: Die Arbeitsgemeinschaft Marketing GmbH (AGM), www.agmarketing.de 5plus, die Kooperation literarischer Buchhandlungen mit qualifizierter Beratung, die Arbeitsgemeinschaft verlagsunabhängiger juristischer Sortimente e.V. (AG VJS), www.juristische-buecher.de die Alpha Buchhandlung GmbH, eine Kooperation christlicher Buchhandlungen www.alpha-buch.de, LIDO, Lesen in Dortmund, www.buecherlido.de, die Sechs Richtigen, ein Verbund unabhängiger Buchläden in Wiesbaden, DUB – Darmstadts unabhängige Buchhandlungen, sowie der Zusammenschluss schwuler Buchläden www.gay-and-lesbian-books.de sind weitere Verbünde.
Exklusiv an dieser Stelle ein Interview mit Lehmkuhl-Geschäftsführer Michael Lemling, einem der Mitbegründer der Vereinigung 5 plus.

BuchMarkt: 5 plus wurde 2009 gegründet: in der Zwischenzeit sind zwei wunderschöne Bücher und vier ebenfalls bibliophil aufgemachte Kundenmagazine erschienen: Wie sieht Ihre Bilanz aus? Hat sich die Arbeit gelohnt?
Michael Lemling: Ja, uneingeschränkt, weil jeder von uns in seiner Stadt seinen Ruf als „literarische Buchhandlung“ vielfach herausstreichen und stärken konnte. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die wir mit unseren Aktivitäten erzielten, war großartig und „unbezahlbar“ und das hätte keiner von uns alleine auf die Beine stellen können. Zudem: die Auflagen beider Bücher waren jeweils innerhalb eines halben Jahres verkauft und auf die Magazine bekamen wir von unseren Kunden eine so tolle Resonanz, dass unser eigener Spaß an der Zusammenarbeit immer noch wächst.
Unabhängige literarische Buchhandlungen in der Öffentlichkeit besser zu verwurzeln, war eines der Ziele der Gemeinschaft, die keine Genossenschaft, kein Verein, keine ERFA-Gruppe und schon gar keine Einkaufsgemeinschaft ist? Wie sehen Sie das nach zwei Jahren?
Halt! Wir schreiben mit 5plus zunächst einmal nur unser eigenes Programm. Das gilt allein für Felix Jud, Bittner, Zum Wetzstein, Leporello und Lehmkuhl. Darüber hinaus sehen wir keinen branchenpolitischen Auftrag. Wir sind aber beileibe nicht die einzigen unabhängigen literarischen Sortimente und wir glauben, dass diese gerade in der jetzigen Umbruchsituation des Buchmarktes sehr gute Existenzchancen haben, wenn sie selbstbewusst ihr originäres Profil herausstellen.
Wie funktioniert denn die Zusammenarbeit bei 5 plus? Gibt es regelmäßige Treffen, telefonieren Sie oder geht alles per Mail?
Wir treffen uns zwei-, dreimal im Jahr in Hamburg in der Agentur von Rainer Groothius und entwerfen dort unsere Magazine und Buchprojekte, die dann von ihm umgesetzt werden.
Damit steht das Wesentliche. Dann ist natürlich immer noch viel zu organisieren und auch zu entscheiden und das klären wir meist per Mail. Marina Krauth von Felix Jud fungiert dabei sozusagen als Clearingstelle und achtet darauf, dass offene Fragen z.B. von allen beantwortet und die wesentlichen Entscheidungen auch von allen mitgetragen werden.
Können wir einen Blick ins neue Kundenmagazin werfen?
Anfang November erscheint die nächste Ausgabe. Sie wird einen Lyrik-Schwerpunkt haben, den wir mit Maria Gazzetti vom Lyrik Kabinett in München erarbeitet haben. Unter anderem können wir mit unveröffentlichten Gedichten von Martin Mosebach, Friederike Mayröcker, Wolf Wondratschek und John Burnside aufwarten. Die Idee mit dem Schwerpunkt-Thema wollen wir auch für die folgenden Ausgaben beibehalten. Zu lesen gibt es auch ein Interview mit dem Kleist-Experten Günter Blamberger, das Klaus Bittner geführt hat und ein Verlagsporträt des Schweizer Kunstverlags Nimbus.
Mit Leporello in Wien haben Sie ein erstes Mitglied im deutschsprachigen Ausland – denken Sie an eine weitere „leise Expansion“?
Das Plus bei 5plus steht ja unter anderem für den Gedanken, dass wir noch offen für die eine oder andere Buchhandlung sind, die zu uns passt. Dabei war es war von Anfang an unsere Idee, einen Partner in Österreich und auch einen in der Schweiz zu finden, weil wir glauben, dass das unseren literarischen Horizont erweitern kann. Rotraud Schöberl und Erwin Riedesser von Leporello verfügen über ein so profundes Wissen über die aktuelle österreichische Literatur, die sonst keiner von uns hat, und ich glaube, davon können unsere Kunden und auch wir selbst profitieren. Ich fände es gut, wenn wir mit einer Schweizer Buchhandlung weiter wachsen würden und zudem einen neuen Partner in Berlin in unsere Runde holen könnten.
Wie muss denn eine Buchhandlung beschaffen sein, dass Sie zu Ihrer Gemeinschaft passt?
Wir Fünf müssen gemeinsam das Gefühl haben, dass die Buchhandlung und Ihre Inhaber zu uns passen. Der „subjektive Faktor“ und die persönliche „Chemie“ spielen dabei bestimmt eine ganz wichtige Rolle. Das ist gar nicht so leicht zu objektivieren. Leichter ist es mit anderen Kriterien, zum Beispiel: die Firma muss eine literarische Tradition haben, die sich im Sortiment bis hin zu den ausgewählten Kleinverlagen widerspiegelt und auch bei den Lesungen zeigt. Nicht zu vergessen: auch in der Kundenberatung.
Hätten Sie etwas dagegen, wenn andere Buchhandlungen Ihr Modell zum Vorbild nähmen und eine eigene Gemeinschaft gründeten? Und: Was wären typische Stolperfallen bei einer solchen Gründung, vor denen Sie aus Erfahrung warnen können?
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Kooperationen sehr hilfreich sind, um über den eigenen Tellerrand hinaus zu kommen. Wer unserem 5-Freunde-Modell etwas abgewinnen kann, sollte handeln. Stolperfallen gibt es auch: Wir haben am Anfang gedacht, dass unser Enthusiasmus ausreicht, um ohne Regeln und formale Strukturen agieren zu können. Nach der Erfahrung mit dem Austritt der Berliner Autorenbuchhandlung, die uns im Mai im Streit verlassen hat, haben wir einen GbR-Vertrag geschlossen, in dem wir das Grundlegende unserer Zusammenarbeit ausformuliert haben.