Finanz- und Unternehmensberater [Dr. Eberhard Kossack (Foto), der langjährige Erfahrung bei der Konstruktion von Kooperationen hat, im Sonntagsgespräch über „Kooperation im Mittelstand“.
Sein Thema: Was hilft – und was hilft nicht?
buchmarkt.de: Wie lange wird es in unserer Branche noch mittelständische Verlage und Sortimente geben? Geht diese Ära zu Ende, wie viele meinen und was man auch

Zu erfolgreichen Kooperationen
gehört Vertrauen
dem Vortrag von Carel Halff im Frühjahr bei der Arge Publikumsverlage entnehmen konnte?
Eberhard Kossack]: Status und Perspektive mittelständischer Betriebe sind glücklicherweise nicht nur ein wirtschaftliches und organisatorisches Problem.
Sondern?
Entscheidend ist doch die Frage, ob wir langfristig in unserer Branche aktive Menschen haben, die ein Geschäft betreiben und davon leben wollen, die eigene Ideen realisieren und ganz einfach selbständig als Unternehmer tätig sein wollen. Letztlich bestimmend sind Leute, die das geschäftliche Risiko nicht als Untergangsszenario sehen, sondern als Herausforderung.
Was meinen Sie damit?
Was ich meine? Das ist doch eindeutig: Wir hätten alle verloren, wenn Versorgungsdenken, Sicherheitsstreben und Rentenmentalität siegen. Aber da bin ich optimistisch, denn Verlagen und Buchhandlungen ist eines gemeinsam: Sie suchen und haben ständig neue Ideen. Das ist dann schon eine Grundlage für mittelständische Betriebe und vor allem Klein- und Mittelbetriebe, sonst hätten wir ja gar keine Existenzgründer. Natürlich gibt es da gelegentlich Defizite und Fehlentwicklungen, aber denen muss und kann man begegnen.
Um Hilfen für den Mittelstand und vor allem für die KMU (Kleine und Mittlere Unternehmen) sind ja viele besorgt und bemüht – ist das eine Hilfe?
Also hier muss man ganz nüchtern sehen, dass nicht Zahl und Vielfalt der angebotenen, häufig politisch motivierten Hilfen entscheidend sind, sondern die Effizienz. Da ist eher Skepsis angesagt. Insofern gilt aus meiner Sicht: Mittelstand hilf dir selbst, dann wird´s auch was. Hier gibt es eine Vielfalt von wechselseitigen Dienstleistungen, Interessengemeinschaften und informelle Zusammenschlüsse (Erfa-Gruppen), die vor allem funktionale Defizite der kleinen und mittleren Betriebe ausgleichen. Aber das ist nicht eigentlich Kooperation.
Wo liegt denn das unverwechselbare Merkmal einer Kooperation im Gegensatz zur bezahlten Dienstleistung und wie setzt man so was in Gang?
Zunächst der Reiz kooperativer Strukturen: Das ist nicht Kauf und Übernahme, das erfordert keine umfänglichen Investitionen. Kooperation ist auch mehr als bezahlter Leistungsaustausch. Es müssen sich zwei gleichberechtigte Partner zusammenfinden, um beiderseits gegebene materielle und immaterielle Ressourcen bei gegebener Selbständigkeit zu bewirtschaften und davon Nutzen zu ziehen.
… ein bisschen sehr abstrakt, oder?
… aber doch relativ einfach: Es gehören dazu die klassischen objektbezogenen Kooperationsmodelle der Verlage, insbesondere die Gemeinschaftsverlage im Schulbuchbereich. Da hat ein Partner das Stammrecht, der andere den Zugang zu bestimmten Kultusministerien, dazu gehört die Zusammenarbeit beim Schulbuchgeschäft, wo eine Buchhandlung mit entsprechenden organisatorischen Möglichkeiten mit einer oder mehreren kleineren Einheiten oder den umliegenden PBS-Geschäften zusammenarbeitet, um das Stoßgeschäft im Schulbuch zu bewältigen. Dazu gehört auch die reglementierte Zusammenarbeit von Print- und Hörbuchverlagen, oder die gezielte Zusammenarbeit eines oder mehrerer Wissenschaftsverlage mit einem Digitaldrucker oder datenbankgestützter Contentverwaltung. Als beliebte Ansatzpunkte für Kooperationen habe ich auch gefunden: Gemeinsame Messeaktivitäten von Verlagen im In- und Ausland, Key-Account-Vertrieb und Vertretervertrieb in unterschiedlichen Märkten z. B. im PBS-Bereich und klassischen Buchhandel, Spielwarenbereich und Buchhandel, gemeinsame Unterhaltung von Adressdatenbanken usw.
Das hört sich einfach an
Ist es auch, allerdings gehört ur erfolgreichen Kooperation immer unbedingtes Vertrauen zueinander und daraus folgend die Überzeugung, dass sich die gemeinsame Arbeit lohnen wird. Am Anfang muss deshalb eine ausführliche Analyse der beiderseitigen Vorstellungen, kapazitativen Möglichkeiten, Kundenkreise und überhaupt Aktivitäten stehen, die man gemeinsam betreiben möchte. Dafür muss man sich Zeit nehmen.
Ihre Beispiele stammen ja aus höchst unterschiedlichen Bereichen und betreffen unterschiedliche Ebenen der Zusammenarbeit. Wie gestaltet man den rechtlichen Hintergrund einer Kooperation?
Ja, da gilt wirklich: Jeder Fall liegt anders. Dementsprechend vielfältig ist auch das Spektrum der Vereinbarungen. Das reicht von einfachen mündlichen/telefonischen Absprachen, die im Erfolgsfall immer wieder neu praktiziert werden, über mehr oder weniger umfängliche Kooperationsverträge bis hin zum joint venture, d.h. zur Gründung einer gemeinsamen Firma mit klar definiertem Gegenstand der Gesellschaft. Unverzichtbar scheinen mir in allen Fällen drei Grundsätze: Man vereinbart Meistbegünstigung bezüglich der Konditionen, d.h. kein Außenstehender wird besser behandelt als der Partner, man vereinbart partiell Konkurrenzausschluss und man sichert sich vertrauliche Behandlung und Ideenschutz zu. Das ist einfach vernünftig und gute Kaufmannssitte.
Vertrauliche Behandlung – ist das der Grund, weshalb man so wenig von praktizierten Kooperationen hört?
Nein, glaube ich nicht, man redet eben nicht über etwas, was funktioniert und schon gar nicht darüber, was nicht funktioniert hat.
Sehen Sie unter dem Motto „Mittelstand hilft Mittelstand“ noch andere Perspektiven?
Ja, allerdings. Nach meiner festen Überzeugung ist die Kooperation leistungsfähiger Mittelständler die einzig wirksame Alternative zur Ausbreitung von Konzernstrukturen. Der Mittelständler ist schnell und entscheidungsfähig, der Konzern ein vermeintlich sicherer Hort mit Kompetenzstrukturen und Gremienvorbehalten. Beides hat Vorteile, aber die Innovationskraft und die Anpassungsfähigkeit der Mittelständler kennt keine Grenzen. Das gilt nicht nur für das operative Tagesgeschäft, sondern auch für Langfristperspektiven. Zum Beispiel für das immer aktuelle Problem der Nachfolge für mittelständische Unternehmer. Hier kann die kooperative Überleitung eine sozialverträgliche Alternative zum Verkauf sein. Also – ein weites Feld, wir haben schließlich die Frankfurter Buchmesse vor uns und dabei vielleicht im Hinterkopf die Frage, mit wem man was zusammen machen könnte….
… oder hören dort auch, wer gerade was mit wem kooperativ gemeinsam betreibt. Ich danke Ihnen.
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz