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Berlin: Secession Verlag in der Buchhandlung Gralla

Drei leidenschaftliche Büchermenschen gestern Abend in Berlin: Der Autor Steven Uhly und sein Verleger Christian Ruzicska präsentierten im Gespräch mit Buchhändler Thomas Gralla Adams Fuge.

Christian Ruzicska, Thomas Gralla,
Steven Uhly (v. l.)

Der Abend war der Auftakt zu einer Ausstellung mit der sich der Secession Verlag für Literatur in der Reihe „Verlag zum Anfassen“ in der Buchhandlung Thomas Gralla in Berlin Lichterfelde vorstellt. Der noch junge Verlag von Christian Ruzicska und Susanne Schenzle legt in diesem Herbst sein drittes Programm vor. Steven Uhly las aus seinem druckfrischen zweiten Roman „Adams Fuge“, der es bereits in die Tagesthemen schaffte [mehr…]. Die deutsch-türkische Familiengeschichte gerät zu einem ironisch komponierten Spiel der Identitäten und der Vorstellungsbilder über Türken, Deutschtürken oder Deutsche, je nach Kontext und Perspektiven.

Das Publikum erfuhr, dass sich Uhly als Literaturwissenschaftler viel mit dem Schelmenroman beschäftigt hat. So verwundert es nicht, dass „Adams Fuge“ mit den Mitteln der literarischen Groteske spielt. Dass es der aktuellen Diskussion um Migration und Integration einen Spiegel vorhält, macht es für Verleger Christian Ruzicska – und nicht nur für ihn – zu einer literarischen Entgegnung zu dem Thesenbuch von Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“.

„Adams Fuge“ stelle die Frage nach Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung, so der Autor. Er habe versucht die Engfassung von Realität aufzubrechen. Thomas Gralla bestätigte, er habe beim Lesen ständig das Gefühl gehabt, aufs Glatteis geführt zu werden. „Doch das Glatteis erwies sich als fester Boden.“ Seinen Kunden riet Gralla: „Ein wunderbar unterhaltsamer Familien-, Bildungs- und Agentenroman. Unbedingt lesen!“

Überhaupt geriet das Gespräch der drei Bücherfreunde zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Literatur und das Lesen. Uhly nannte seinen Verleger einen literarischen Überzeugungstäter mit einem sicheren Gespür. Und Christian Ruzicska betonte, dass er nur Bücher verlegt, die er verlegen will. Damit wolle er dem Buchmarkt, der immer einheitlicher werde, etwas Besonderes bieten. Beispielsweise die französische Schriftstellerin Hélène Bessette, (1918-2000) eine der großen Stimmen in der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts, die gerade wiederentdeckt wird. Als deutsche Erstausgabe ist soeben „Ist ihnen nicht kalt“ erschienen. Weitere Romane sollen folgen.

Der Abend habe Lust aufs Lesen gemacht, brachte es eine Kundin nach knapp zwei Stunden auf den Punkt und eilte wie viele andere Zuhörer zur Kasse, um „Adams Fuge“ vom Autor signieren zu lassen.

ML

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