
Mein Gott, wie lange ist das her, daß Du mich anriefst, ob Du nicht eine Woche bei mir in Frankfurt wohnen könntest, Du müßtest da die ersten Titel Deines mit Hilfe Deiner Familie neugegründeten Verlages Faber & Faber dem Buchhandel vorstellen! Ich müßte nur in den ersten Band der Graphischen Bücher (das war der erste Streich des Verlags Faber & Faber) aus dem Regal nehmen, um nachzusehen…
Mit Deinem Vater Elmar und Deiner Mutter Renate wart Ihr eigentlich Faber & Faber & Faber: Eine der wenigen ostdeutschen Neugründungen nach 1989, die wirklich reüssiert haben, und das in verschiedenen Bereichen: eben in Verbindung mit zeitgenössischen Künstlern die Graphischen Bücher, die Erstlingswerke deutsche Dichter wieder zugänglich macht(e) (und einige Bände diese Reihe – z.B. Gottfried Benns Morgue und andere Gedichte in der Fassung des Erstdrucks von 1912 – haben Buchkunstgeschichte geschrieben), oder die DDR-Bibliothek, die nix mit nostalgischer Verklärung auf einen untergegangenen Staat zu tun hat(te), sondern ein hochkarätiges literarisches Resumee über die Literatur des deutschen Halblandes war (bibliophil aufgemacht, was denn sonst!), oder die Reihe ostdeutscher Kinderbücher. Oder die Almanache. Oder Dein eigenes Buch, das Du unter bis heute nicht gelüftetem Pseudonym veröffentlich hast – keine Angst, das verrate ich erst zu Deinem 60., oder auch nicht…
An diesem verlegerischen Treiben über lange Jahre (nun ist der Verlag erst einmal stillgelegt, weil Du inzwischen Kulturbürgermeister der Stadt Leipzig bist und Deine Eltern sich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen haben) hast Du aktivsten Anteil gehabt. In Deinen nun 50 Lebensjahren (die ich immer noch nicht so richtig glauben kann) hast Du einer Menge an wunderschönen Büchern mit auf die Welt geholfen, die bei mir einige Regalmeter füllt (ohne daß ich das Faber & Faber-Programm auch nur näherungsweise vollständig hätte; dann müßtest Du mir zumindest einen Umzug auf, sagen wir mal, doppelte Quadratmeterzahl finanzieren). Darauf kannst Du stolz sein, und wenn Du Dir anschaust, welche Preise die Bücher heute im Antiquariat erzielen, weißt Du um die Begehrlichkeiten, die Du geweckt hast.
Wir kennen uns aber schon viel länger. Beim Leipziger Börsenblatt der Vorwendezeit hast Du mir tatkräftig geholfen, unsere buchhistorischen Serien kenntnisreich zu füllen. Du warst der erste Leser meines Malik-Manuskriptes, und eigentlich nicht nur Leser, sondern auch Lektor, und eigentlich sogar Agent – denn Du hast Deinem Vater davon erzählt, und der hat es dann bei Aufbau gemacht. Leider konnte er nichts groß mehr daraus machen, weil die Ära Lunkewitz mit einem verlagshistorischen Titel jenseits der Schnelldreherei nicht so ganz kompatibel war… Aber: Ohne Dich hätt’ ich mein erstes Buch sicher nicht einfach hinkriegt – von der Ausstattung mal ganz zu schweigen.
Die räumliche Entfernung zwischen uns – erst Frankfurt, jetzt das Dorf an der Düssel –, hat dafür gesorgt, daß ich nicht eben mal schnell mit Dir auf ein Bier gehen kann oder daß wir bei Dir Hause klönen können wie früher, und Tom Waits krächzt uns was dazu. Die räumliche Entfernung ist auch schuld, daß Du Deinen heutigen 50. Geburtstag ohne mich feiern mußt (jaja, Deiner Kiste Bier ist damit ein längeres irdisches Dasein beschieden – vielleicht), aber ich proste Dir von der Ferne anhaltend und ausdauernd zu – lieber Michael, alles Gute zum 50., welcome in the Club, und bleib so, wie Du bist!
Dein Ulli Faure
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