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Internationaler Literaturpreis in Berlin verliehen

Im gut besuchten Haus der Kulturen der Welt nahm gestern Abend der russische Autor Michail Schischkin den Internationalen Literaturpreis [mehr…] für seinen Roman Venushaar (DVA) entegegen.

Andreas Tretner (l.), Michail Schischkin
Foto: Marcus Lieberenz © HKW

Der Preis, maßgeblich von der Stiftung Elementarteilchen getragen, ist mit 25.000 Euro dotiert. Weitere 10.000 Euro gehen an den Übersetzer Andreas Tretner. „Venushaar“, Schischkins erster Roman, der nach sechs Jahren nun auch auf Deutsch erscheint, hat in Russland bereits mehrere Preise erhalten.

Der Autor, 1961 in Moskau geboren, lebt seit 16 Jahren in Zürich, wo er als Dolmetscher für die Einwanderungsbehörde arbeitete. „Venushaar“ erzählt von Flüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion, die in der Schweiz Asyl beantragen, von ihren Schicksalen, und von der russischen Geschichte.

Jurymitglied Lothar Müller, Literaturredakteur der Süddeutschen Zeitung, sprach in seiner Laudatio von der „Aneignung der Bürokratie und des Schreckens der Geschichte durch die Literatur“. Den Berliner Übersetzer Andreas Tretner lobte er als einen „virtuosen Dirigenten der Polyphonie aus Bibelsprache und Verhörprotokoll, elegischer Liebesreminiszenz und hart-vulgärem Landserton, Palindromgirlanden und Wortspielen“. Für jeden russischen Topf habe er einen deutschen Deckel gefunden.

Über die Herausforderung des Übersetzens sprachen Autor und Übersetzer, im Gespräch mit Luzia Braun, der Moderatorin des Abends. Für Tretner war es die erste Übersetzung eines russischen Autors, der Deutsch spricht. Das habe sich als hilfreich erwiesen, denn über schwierige Stellen habe man sich austauschen können. Ansonsten habe ihm der Autor aber nicht reingeredet.

Es sei vor allem der Hartnäckigkeit der Münchner Agenten Bettina Nibbe und Thomas Wiedling zu verdanken, dass der Roman nun einen Verlag gefunden hat, betonte Andreas Tretner, der sich ebenso wie Schischkin bei der DVA für ihren Mut bedankte. Etliche deutschsprachige Verlage hatten das Manuskript zuvor abgelehnt. „Der Text ist zu anspruchsvoll“, habe die Begründung gelautet, so Schischkin. Ein Argument, das der in Russland gefeierte Autor nicht versteht. In seiner Heimat spiele Literatur eine große Rolle. Lesen sei ein Kampf um die Bewahrung der menschlichen Würde in einer Welt der Erniedrigung, betonte Schischkin, der sein Buch nicht als Roman über Grausamkeit, sondern über die Überwindung der Grausamkeit verstanden wissen will. Hanns Zischler hatte zuvor in seiner Festrede über „Unentmischte Nachrichten gesagt: „Nach der Lektüre dieses Romans schlägt man das Neue vom Tage mit anderen Augen auf.“

ML

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