
Heute geht die 21. Mainzer Minipressen-Messe zu Ende [mehr…]. Organisator Jürgen Kipp ist zufrieden: Die Anzahl der Teilnehmer ist etwa gleich geblieben – darunter gab es allerdings 40 Prozent, die sich zum ersten Mal in den Zelten am Rheinufer präsentierten.
Den weitesten Weg legten Antic Ham aus Seoul (Südkorea) und Reed Altemus aus Portland (Maine/USA) zurück. Beide waren schon mehrmals in Mainz und schätzen die kollegiale, fast familiäre Atmosphäre der Messe.
Für Jürgen Kipp ist es die 14. Messe, schließt man eine Sonderschau im Jahr 2000 anlässlich des Gutenberg-Jahres mit ein. Für ihn ist die diesjährige Exposition die schwierigste, da er mit verschiedenen Datenbanken arbeiten und sich aufs doppische System umstellen musste. Deshalb stehen im Katalog auch nur die Verlage, die selbst ausstellen. „Doch manche bringen Exponate von weiteren Verlagen mit und vertreten diese am eigenen Stand – deshalb sind es nicht nur über 300, sondern etwa 360 Verlage, die sich zur 21. Minipressen-Messe präsentieren“, erläutert der Organisator.
In den vier Messe-Tagen fanden mehr Besucher als in den letzten Jahren den Weg in die Zelte, das kann auf verstärkte Öffentlichkeitsarbeit nicht nur über Fernsehen, Rundfunk und Presse, sondern auch über das Internet zurückzuführen sein – die MMPM ist jetzt auch über Facebook erreichbar.
Allerdings gibt es einen Rückgang im Bereich der Handpressen; Kunstbücher werden weniger gesammelt.
Die Verkaufsmesse ist jedoch ein beliebter Treffpunkt Gleichgesinnter, viele Aussteller kennen sich seit Jahren, nutzen die Messetage, um sich auszutauschen und auch neue Projekte miteinander zu besprechen. Das wissen auch die meisten Besucher, von denen ebenfalls viele seit Jahren Anfang Juni im zweijährigen Turnus nach Mainz kommen.
Die 21. internationale Minipressen-Messe ist eine Kontaktbörse, bei der sich Dinge entwickeln, Neues entsteht. Das ist weit wichtiger als der Verkauf von schönen, außergewöhnlichen Büchern und Objekten. Viele der Aussteller können von ihrer künstlerischen Arbeit nicht leben, man schließt sich für Projekte zusammen. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass am Tisch von Reed Altemus Bücher von Brandstifter zu finden sind; man lernte einander 2005 in Mainz kennen, beschloss, zusammen zu arbeiten. Ein Fellowship-Aufenthalt von Brandstifter in New York folgte.
Ähnliches erzählt Antic Ham, so ihr Künstlername. Sie lernte ihren heutigen Kollegen Francis Van Maele aus Irland, der seit 1981 nach Mainz kommt, auf der Messe kennen, nun haben sie einen gemeinsamen Stand, bieten Handdrucke zu den Themen Dadaismus und Fluxus und weitere spezielle und ungewöhnliche Bücher an.
In seiner Laudatio auf den diesjährigen V. O. Stomps-Preisträger würdigte Prof. Ernst Fischer den Ausgezeichneten, Toni Kurz, als einen außergewöhnlichen Büchermacher, der seine Kunstbücher nicht in einsamer Arbeit herstellt, sondern sich seit Jahren mit den Künstlern seiner Heimat vernetzt hat, sie in sein gastliches Haus zu Projekten einlädt. Gemeinsam entstehen so herausragende Bücher mit eigenständigen bildnerischen Beiträgen, die weit über bloße Illustrationen hinausgehen.
Nele Schüller charakterisiert die Träger des Stomps-Förderpreises Frank Maleu, Torsten Franz und Marc Degens als Menschen, die fest an ihre Idee glauben. Mit ihren books to go beschreiten sie neue Wege nicht nur im Aufspüren unbekannter Autoren, sondern auch im Vertrieb. Zwar gab es schon Buchautomaten, aber die SuKuLTuR-Verleger nutzen vorhandene Strukturen und entwickelten ein erfrischend anderes Konzept.
Die 21. Mainzer Minipresen-Messe zeigte einmal mehr, dass sowohl traditionelle Handwerkskunst gewürdigt wird als auch frische Ideen rund um das Buch gefragt sind. In jedem Fall sind Netzwerke wichtig.
Im Rahmenprogramm der MMPM fand außerdem im Gutenberg-Museum Mainz am 4. Juni die dritte Exposition éphémère statt, auf der 13 künstlerisch tätige Buchbinder aktuelle Einbände ausstellten.
JF







