Home > Veranstaltungen > Margriet de Moor las im Düsseldorfer Heine-Haus

Margriet de Moor las im Düsseldorfer Heine-Haus

Christoph Buchwald, Margriet de Moor

Freitagabend und eine Literaturveranstaltung? Kein Problem: Margriet de Moor (Foto) füllte gestern den Raum des Düsseldorfer Heine-Hauses spielend, während sich draußen in der Altstadt die Besucher ballermannreif tranken.

Mitgebracht hatte die niederländische Bestsellerautorin ihren ehemaligen deutschen Verleger Christoph Buchwald, der ihren 1991 in Amsterdam (1993 dann in Deutschland) erschienenen Roman Erst grau dann weiß dann blau zu Hanser holte. Der Rest ist Literaturgeschichte: Dieser ihr erster Roman machte sie weltberühmt: „Wenn du zu

Margriet de Moor signiert

Buchpremieren in alle die Länder reisen würdest, in deren Sprachen deine Bücher erscheinen, würdest du keine Zeit mehr zum Schreiben haben“, so Buchwald, der seit rund 10 Jahren in Amsterdam seinen eigenen Verlag betreibt: die Uitgeverij Cossee.
Mitgebracht hatte de Moor ihren gerade bei Hanser erschienenen Roman Der Maler und das Mädchen (wieder übersetzt von Helga van Beuningen). Um Rembrandt geht es, auch wenn der Name im Buch nicht einmal fällt, und das Mädchen Elsje, das den Mord an ihrer Zimmerwirtin mit dem Leben büßt. Rembrandt hat die Hingerichtete gezeichnet, und um diese beiden Personen hat Margriet de Moor ihre Roman gesponnen. Der nicht ins Genre „Historischer Roman“ paßt, auch wenn die Handlung im 17. Jahrhundert (noch vor der Geburt Bachs!) spielt und Buchwald jedem, der sich das alte Amsterdam dieser Zeit vorstellen möchte, die Lektüre dieses Buches empfiehlt: „Ich kenne da nichts Besseres.“

Nein, ein historischer Schmachtfetzen mit aufgemaltem Kolorit und Bordüren ist Der Maler und das Mädchen ganz gewiß nicht. „Aus diesem Buch kann man viel für sich selbst lernen“, so Buchwald, denn natürlich geht’s nicht nur um rembrandt und Elsje, sondern vor allem um uns in diesem Buch. Margriet de Moor holländisch-pragmatisch: „Ein Mord ist irgendwie menschlich. Eigentlich kann ihn jeder begehen.“ Mit der Todesstrafe freilich ist das etwas ganz anderes: ritualbehaftet und Ausdruck staatlicher Gewalt. So habe ihr das Schreiben der Mordszene keinerlei Schwierigkeiten gemacht („Sie wissen ja, Frauen haben dafür ein Händchen!“), mit der Hinrichtung aber habe sie sich ziemlich geplagt.

Margriet de Moor las an diesem Abend drei Szenen aus dem Buch und plauderte mit Christoph Buchwald über die Entstehung des Werkes. Unversehens gerieten sie in eine Kunstdiskussion: Wieviel Genie, wieviel Handwerk gehört dazu? Rembrandt galt seinerzeit Handwerker; de Moor sieht es wieder pragmatisch: „Was hilft alles Genie, wenn man nicht in der Lage ist, es handwerklich umzusetzen.“

Sie kann’s. Ihre Leser wissen das seit Jahren. Die Schlange zum Signieren war so lang wie das Heine-Haus. Am Freitagabend.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige

Kanon-Verleger verkauft Anteile an Kampa

Zum 31.12.2025 hat Kanon-Verleger Gunnar Cynybulk sämtliche Gesellschaftsanteile der Kanon Verlag Berlin GmbH an die Kampa Verlag AG verkauft. Bereits seit Anfang 2024 kooperieren beide Verlage vertrieblich über die Liberté

weiterlesen