
Vor einem Vierteljahrhundert öffnete das Literaturhaus Berlin in einer Villa in der Fasanenstraße seine Türen. Am Freitagabend wurde das Jubiläum mit der Eröffnung der Ernst Jandl Show gefeiert.
Zahlreiche Literaturfreunde und Weggefährten, darunter zahlreiche Autoren wie Nobelpreisträgerin Herta Müller, Ulrich Peltzer, Barbara Bongartz, Sarah Haffner, Bora Ćosić, Hans Christoph Buch und Günter Herburger kamen im Garten der denkmalge-schütz¬ten Villa und des benachbarten Käthe-Kollwitz-Museums zusammen. Auch Herbert Wiesner, der das erste deutsche Literaturhaus mitbegründete und bis 2003 leitete, war unter den Gästen.
Ernest Wichner, der Leiter des Literaturhauses, erinnerte in seiner Begrüßung an die Anfänge. Damals war Berlin noch geteilt und das Literaturhaus sollte die Gegenwartsliteratur fördern und zur kritischen Rezeption anregen. Tatsächlich sei das Haus zu dem literarischen Akteur geworden, den Herbert Wiesner bei der Gründung angekündigt hatte, so Wichner. Von Anfang an gehöre die Dreigliedrigkeit des Standorts zum Erfolgsrezept: Das Literaturhaus, das Restaurant Wintergarten und die Buchhandlung Kohlhaas & Comapy residieren in der Villa, nur ein paar Schritte vom Kurfürstendamm entfernt.
Alle drei Einrichtungen werden zum Preis von 10 Euro auch die Publikation verkaufen, die jetzt zum Jubiläum erschienen ist. In der Art eines Moleskine gestaltet erzählt Fasanenstraße 23 die Geschichte des Hauses und nimmt den Leser mit auf Kiezspaziergänge. Ein weiteres Kapitel widmet sich dem Thema „Das Literaturhaus in der Literatur.“
Elke Erb, Ursula Krechel und Ron Winkler lasen im Garten neue Gedichte, bevor Urs Allemann mit eigenen Versen und mit Texten von Ernst Jandl zu einem weiteren Höhepunkt des Abends überleitete: Die Kuratoren Bernhard Fetz und Hannes Schweiger eröffneten „Die Ernst Jandl Show“, in deren Mittelpunkt die Vortragskunst des Schriftstellers steht.
Die Ausstellung, die aus Anlass von Jandls zehntem Todestag und seinem 85. Geburtstag im vergangenen Winter bereits im Wien Museum und im Münchener Literaturhaus zu sehen war, inszeniert Jandls Werk mit zum Teil unbekannten Ton- und Filmaufnahmen, Fotos und Dokumenten sowie vielen unveröffentlichten Texten. Jandl wird als Künstler sichtbar, der an den Schnittstellen von Literatur, Musik und Kunst wirkte und dessen Leben und Schreiben eng verwoben sind. Begleitend zur Ausstellung, die noch bis zum 17. Juli zu sehen ist, präsentiert das Literaturhaus vielfältige Veranstaltungen. Aber auch sonst lohnt sich der Besuch der Ausstellung.
ML