Der Wissenschaftsverlag De Gruyter will ein neues Erwerbungsmodell testen: Er stellt dem Forschungszentrum Jülich für ein Jahr einen Testzugang zu seiner Fachliteratur zur Verfügung [mehr…].
Das war Anlass für Fragen an Katrin Siems, Vice President Marketing & Sales bei De Gruyter:
Frau Siems, was ist die Idee hinter Patron Driven Acquisition?
Katrin Siems: PDA ist eine alternative Erwerbungsform, die den Patron, also den

Bibliotheksnutzer, in den Vordergrund stellt. Die Bibliothek stellt eine Vielzahl von Inhalten über ihren Bibliothekskatalog zur Verfügung, es werden jedoch nur solche gekauft oder kurzfristig gemietet, bei denen der Nutzer ein akutes Nutzungsinteresse hat. In den USA wird viel mit diesem Modell experimentiert.
Es handelt sich also um eine Erwerbsform, die prima auf elektronische Inhalte zugeschnitten ist?
Ja, denn nur elektronische Inhalte stehen dem Nutzer direkt bei Mausklick zur Verfügung.
Stichwort Handel: Schließen Sie Ihre langjährigen Partner mit diesem Modell nicht aus der Kundenbeziehung aus und vermiesen ihnen das Geschäft?
Nein, im Gegenteil, die Angebote von EBL und ebrary beweisen ja, dass PDA eine Angebotsform ist, die vom Handel zur Verfügung gestellt wird. Der Vorteil: so lassen sich von Kunden verlagsübergreifend elektronische Inhalte erwerben. Im Fall unserer Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich haben wir ein Projekt direkt mit einer Institution gestartet, die zudem bisher nicht Kunde von De Gruyter-Inhalten war.
Im Klartext: Sie machen dem Handel vor, wie sein Geschäft in Zukunft funktioniert?
Wir sind mit der Entwicklung unserer eigenen Geschäfte ausreichend beschäftigt. Im Ernst: Wir testen hier eine sehr innovative Angebotsform, die für unsere Inhalte – Datenbanken, eBooks und eJournals – optimal geeignet ist und den Bibliotheken statt Volumenpaketen die Wahl gibt, welche Inhalte sie kaufen wollen. Wir glauben, dass dies die Wirtschaftlichkeit für Bibliotheken deutlich steigert. Wenn Händler dieses Modellprojekt, das wir übrigens wissenschaftlich begleiten lassen, in Zukunft in ihr Angebotsportfolio aufnehmen, freuen wir uns und arbeiten mit dem Handel gern zusammen.