
Seit dem Nikolaustag und noch bis zum 6. Januar (Heilige Drei Könige) fragen wir täglich in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Hermann Schmidt-Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs (Foto) unseren „anderen“ Fragebogen.
1
Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Wie immer der Buchmessenmittwoch – man glaubt es lange nicht, aber dann ist der Stand fertig und die „Ernte“ steht stolz in den Regalen.
In diesem Jahr gab es aber auch einen privaten schönsten Tag: 50 werden in Syrien und bei Sonnenaufgang mit meinem Mann Bertram und begleitet von einem stromernden Hund durch das Tor in Palmyra schreiten – den Blick auf die menschenleeren, malerischen Ruinen einer der ältesten Städte der Welt
2
Worüber haben Sie sich 2010 am meisten geärgert?
Über den Abgesang auf das gedruckte Buch, den die Branche anstimmt und sich damit selbst abschafft. Das finde ich sowohl bei Deutschland dumm als auch bei der BUCHbranche und glaube neben(!) E-Books an das wunderbare, haptische Buch!
3
Was war 2010 Ihr schönster Erfolg?
Das Lesikon der visuellen Kommunikation, ein wirklich wahnsinniges 3000-Seiten-Werk in der FAZ, der ZEIT und bei Druckfrisch zu platzieren. Das für einen so kleinen Verlag ein großer Erfolg, ach ja und das siebenseitige Porträt in der brandeins…
4
Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Die Buchmessengrippe nicht ernst genug genommen zu haben – und dafür mit einer schweren Lungenentzündung zu zahlen, von der sich mein Schreibtisch bis heute nicht erholt hat (ich glücklicherweise schon!)
5
Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Unser Autor Horst Moser hat einen Verlag gegründet, eigentlich das Horrorszenario schlechthin. Aber er macht in seinem moser verlag derart perfekt gedruckte Fotobildbände, dass ich ihm auf diese Art meine Hochachtung aussprechen möchte!
6
Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Siehe oben vom „end of print“. Weil es viel interessanter wäre, sich zu fragen, wie sich Buch und die unterschiedlichen Formen der E-Veröffentlichung ideal ergänzen, beflügeln, stützen.
7
Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Was die Branche angeht: Wie wir Kinder aller sozialen Schichten fürs Buch begeistern können. Über die Branche hinaus, aber mit viel Relevanz für die Branche: Wie wir die mutigen und traurig stimmenden Gedanken von Kirsten Heisig konstruktiver und zukunftsgerichtet weiter denken können und müssen als dies Thilo Sarrazin getan hat.
8
Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Zu viel arbeiten, zu wenig auf mich achten…
9
Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Mit Leidenschaft arbeiten – vermutlich manchmal doch wieder zu viel…
10
Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Nea Machina, ein Kreativtutorial, das Mut und Lust macht, gleichberechtigt neben Kopf und Computer auch Hand und Bauch „zu Wort kommen zu lassen“. In drei Jahren intensiver Zusammenarbeit wurde aus einer Diplomarbeit ein opulentes Werk, das sich die Anerkennung von Stefan Sagmeister und anderen Top-Kreativen verdiente.
11
Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Ein Buch mit allen Geschichten dieser Welt, bei dem der Leser gleichzeitig auch Autor sein wird und das das Zeug hat, in die Fußstapfen des Lesikons der visuellen Kommunikation von Juli Gudehus zu treten. Zur Leipziger Buchmesse verraten wir mehr!
12
Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Getrennt gefragt und nebeneinander gestellt von Christian von Zittwitz, Thomas Wilking und Torsten Casimir.
13
Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Was wünschen Sie der BuchMarkt-Redaktion zu Weihnachten?
14
Hier können Sie die auch beantworten:
Liebes BuchMarkt-Team, ich wünsche Ihnen jetzt ein paar ruhige Tage außerhalb der Redaktion, auch wenn ich weiß, wie schwer das bei Periodika einzurichten ist. Und ich wünsche Ihnen für 2011 weiter einen (Über-)Blick auf die Branche, der die Vielfalt bewahren hilft und all denen kompakte Hintergrundinformationen gibt, die ab und zu mal einen Newsletter verpassen!
Zum vorigen Beitrag [mehr…]. Morgen antwortet Peter-Uwe Sperber







