
Heute stellten F. W. Bernstein und Klaus Cäsar Zehrer ihr Kinderbuch Knut Großmut, der Raubtierbändiger, soeben erschienen im Verlag Monsenstein & Vannerdat, Münster, im Frankfurter caricatura museum vor.
Der Leiter des Museums, Achim Frenz, bezeichnete in seiner Begrüßung F. W. Bernstein als Gründungsvater des Hauses. 1982 lernten sich Frenz und Bernstein in Kassel kennen, der einzige Professor für Karikatur Deutschlands hat Achim Frenz beim Aufbau des Museums stets bestärkt. Gemeinsam mit F. K. Waechter, Hans Traxler, Chlodwig Poth und Robert Gernhardt gehört F. W. Bernstein zur Neuen Frankfurter Schule, die in pardon! und Titanic ihr Podium hatte.
Ausgangspunkt für das frisch gedruckte Kinderbuch ist eine Wette im Jahr 2007. Damals gingen Autor Klaus Cäsar Zehrer und Zeichner F. W. Bernstein in Potsdam spazieren und blieben vor einer Pappel stehen, deren Blätter der Wind bewegte. Was tun die Blätter? Dafür hat doch bereits Kurt Tucholsky 1929 ein Wort gesucht.
„Es war keine Pappel, sondern eine Birke!“, war sich Klaus Cäsar Zehrer sicher. Ok., egal ob Pappel oder Birke, wer recht hat, muss den Text schreiben, der andere die Illustrationen für ein gemeinsames Kinderbuch beibringen.
Vom Text hatte Zehrer bereits ein Reimpaar, nämlich Schwiegermutter und Tigerfutter. Um diese Worte herum ist das 63-seitige Buch für Kinder ab sechs Jahren entstanden.
„Meine bisherigen Kinderbücher waren alles Ladenhüter, ich hoffe, mit Knut Großmut steigen wir auf!“, bekennt F. W. Bernstein humorvoll. Der Kinderbuchmarkt ist heiß umkämpft, beide sind froh, nach langer Suche, bei der es auf Verlagsseite viele kalte Füße gab, einen Verlag für ihre Geschichte gefunden zu haben. „Es braucht für das Buch eben nicht nur Leser mit starken Nerven, sondern auch Verleger mit starken Nerven“, behaupten Autor und Zeichner.
Abwechselnd und begleitet von Illustrationen, die im Hintergrund zu sehen sind, lesen F. W. Bernstein und Klaus Cäsar Zehrer Auszüge aus dem Buch. Das Kapitel über den Skandale witternden Kritiker Heinz Noergel lassen sie aus.
F. W. Bernstein sagt über das Buch, es sei sehr realistisch – es gibt keine sprechenden Tiere. Auch Moral kommt drin vor. Die Niedlichkeit allerdings wird ebenso ausgespart wie Öko- und Bio-Aspekte; Löwen und Tiger sind nun mal Fleischfresser.
Das Kinderbuch ist auch eine Reminiszenz an die Vergangenheit, Gewalt gibt es schließlich schon in den Kinderbüchern der Brüder Grimm und in den Geschichten von Wilhelm Busch und Heinrich Hoffmann. Außerdem habe man die gute alte Tierschau, die kaum mehr im Zirkus zu sehen ist, aufleben lassen.
Nicht zu starker Tobak für Kinder? Klaus Cäsar Zehrer erinnert an einen anderen Großen der Neuen Frankfurter Schule, F. K. Waechter, der oft gemeinsam mit Kindern zeichnete und sich von ihnen die Texte zurufen ließ, die nicht immer gewaltfrei waren.
F. W. Bernstein ergänzt, dass das Buch nichts Linksradikales und keinen Schweinkram enthält und in der erzählten Geschichte mit einer Kinderbuchtradition bricht: Bei Knut wird ein Sympathieträger zum Schurken. „Wenn das Buch gut läuft, machen wir einen Folgeband!“, blickt F. W. Bernstein in die Zukunft.
JF