Mit der Zukunft der Kindermedien beschäftigte sich der Kindermedienkongress der Akademie des Deutschen Buchhandels und das Seminar „Wie digital wird das Kinderbuch?“ in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) am 29. und 30. November 2010 in München.
Trendforscher, Verlagsspezialisten, Entwickler und Vertreiber von mobilen Applikationen, Marktforscher und Juristen, vielfältig war die Plattform der Referenten auf den beiden Konferenzen.

Tag 1 befasste sich mit der Frage, wohin sich die Kindermedien entwickeln. Nach einer Einführung in die soziokulturellen Aspekte der Mediennutzung anhand der Sinus Mileus durch Erik Flügge, Sinus Sociovision, beleuchtete Peter Wippermann (Trendbüro) die Veränderung im Umgang mit Medien und die Veränderungen der Medienangebote selbst. Die Medien würden neu erfunden, „alte“ Medien müssten sich überlegen, ob sie neue Inhalte erschaffen oder diese erweitern, so Wippermann.
Alexander Trommen (Appfactory) gab anschließend einen Einblick über die Nutzung mobiler Endgeräte von Apple. Laut Nielsen Umfrage-Ergebnissen (USA) wünschen sich 31% der 6-13 Jährigen in den kommenden 6 Monaten ein iPad (20% ein iPhone, 21% andere Smartphones), bei Jugendlichen ab 13 sind es 19%, die sich ein Smartphone wünschen (18% ein iPad und 13% ein iPhone). Trommen sieht im iPad und iPod Touch die potentiell größte Möglichkeit, Kunden zu erreichen und rät Verlagen, zunächst einmal die Animationen Apple-tauglich zu machen und nach deren erfolgreicher Einführung auf andere Systeme (Smartphone-tauglich) zu erweitern.
Axel Dammler (iconkids & youth) ging auf die Lebens- und Medienwelten der Drei- bis Zehnjährigen ein. Ein markanter Trend sei, dass Kinder immer schneller und früher jugendliche Verhaltensweisen annehmen würden. Das Zeitfenster für „Kinderthemen“ werde somit immer kleiner, jedoch dürften diese Entwicklungsstufen keineswegs übersprungen werden.
Thomas Bleyer (Ravensburger digital) gab Tipps zur Umsetzung von Inhalten ins Digitale. Seines Erachtens ist ein gezieltes Endkundenmarketing, ein klares Portfolio-Konzept mit weiteren Produkten derselben „Verlagsmarke“, klare USPs und eine deutliche Preispolitik unbedingt notwendig.
Louise Carleton-Gertsch (Consultant) ergänzte den ersten Tag um einen internationalen Einblick in den Fortschritt von UK und USA auf dem animierten Markt.
Der zweite Tag, den die avj in Kooperation mit der Akademie aus der Taufe gehoben hatte, diente als Vertiefung der konkreten Umsetzung von Inhalten auf digitale Medien. Volker Oppmann (textunes) gab unter der Fragestellung „Wie bereit für digitale Produkte sind die Verlage heute?“ von Seite der Produzenten eine Prognose. Oppmann sieht die Herausforderung für Verlage darin, bei der Projektentwicklung bereits die digitale Gestaltungsideen mit einzubeziehen und dies in möglichst verschiedenen digitalen Formen über verschiedenste Vertriebssysteme dem Endkunden anbieten zu können.
Christoph Kochhan (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) gab auf Basis der von der avj und Börsenverein in Auftrag gegebenen Kinder- und Jugendbuchstudie 2010 einen

Überblick über die Wichtigkeit von E-Books aus Konsumentensicht.
Ralf Bauer (Markt-/Mediaforschung, Egmont Ehapa) ergänzte den Marktforschungsblickwinkel um die bevorzugten Medien von Kindern und Jugendlichen. Bereits 22 % der 6- bis 13-Jährigen besitzt einen eigenen Computer, 53% nutzt einen Computer mit, 46% der 6- bis 9-Jährigen und 87% der 10- bis 13-Jährigen nutzt das Internet regelmäßig (KidsVA 2010). Auch der Gerätebesitz der Kinder und Jugendlichen nimmt laut Bauer immer mehr zu: 20% der 6- bis 9-Jährigen und 73% der 10- bis 13-Jährigen besitzt ein eigenes Handy.
Rainer Dresen (Justiziar Verlagsgruppe Random House) beschrieb die rechtlichen Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen. Von besonderer Wichtigkeit sei es, beim E-Book die Werkanteile unter Autor, Illustrator je nach Anteil am Gesamtwerk aufzuteilen. Standardvergütungen bei der VG Wort für E-Books liegen bei 17 bis 20% des Nettoerlöses.
Rita Bollig und Andrea Tenorth (Bastei Lübbe) berichteten von der Integration von E-Publishing in die Bastei Lübbe Gruppe. Ende Dezember sollen ca. 520 E-Books lieferbar sein.
Best Practise-Beispiele gab es u.a. von Kate Wilson (Nosy Crow), die den neuen digitalen Weg intensiv mit ihrem Verlag verfolgt und das Credo hat, E-Books möglichst multimedial und abwechslungsreich zu gestalten. Sie betonte die Notwendigkeit, dass Verlage selbst beginnen, ihre Inhalte zu animieren und aufzubereiten, da ihnen sonst andere Anbieter zuvor kommen könnten.
Frank Kühne (Leiter Marken, Carlsen) unterstrich diese Warnung, indem er auf die Entwicklung im Mangamarkt hinwies: Hier würden bereits Inhalte digital vom Originalverlag unter Umgehung der deutschsprachiger Lizenzen aufbereitet. Des Weiteren betonte Kühne, wie wichtig der gesamte Smartphone-Bereich sei.
Ralph Möllers (Terzio) stellte neben book2look, einer viralen Marketingplattform für Bücher, seine ersten Apps für das iPad vor und unterstrich, wie schnell mit Kundenfeedbacks bezüglich Qualität und Preisen zu rechnen sei.
Ein abwechslungsreicher Austausch ging mit urheberrechtlichen Details bei E-Books, den Interessen und Rollen der einzelnen Verwertungsgesellschaften, sowie Informationen zur Buchpreisbindung zu Ende.