Der Süden Berlins droht nach der Schließung des Flughafens weiter ins kulturelle Abseits zu driften. Als der Plan bekannt wurde, unter dem Motto „Tempelhof liest“ bekannte Autoren an besonderen Orten auftreten zu lassen, schrieb der Tagesspiegel etwas von „schleichendem Irrsinn“, um dann aber die Initiative doch zu loben.
In einem dichten Programm reihte sich vom 21. bis 28. November ein Höhpunkt an den anderen: So las Stan Nadolny aus seinem Ullsteinroman (Ullstein) im Ullsteinhaus, Hellmuth Karasek präsentierte Billy Wilder. Eine Nahaufnahme (Hoffmann und Campe) in der ufaFabrik und Sibylle Lewitscharoff las ebendort aus ihrem Manuskript Blumenberg (der Roman wird bei Suhrkamp 2011 erscheinen).
Befragt wurde sie von Gregor Dotzauer, und das Publikum lauschte aufmerksam den Beziehungen der Erzählerin zum „Weltbenenner“ Blumenberg. Für eine volle, in Kerzenschein getauchte Dorfkirche Tempelhof sorgte Christian Brückner, der nicht nur Templer-Passagen aus Umberto Ecos Das Foucaultsche Pendel (Hanser) las. Der Satz: „Wie war es möglich, nicht niederzuknien vor dem Altar der Gewissheit“ jagte manchem Hörer an diesem Ort einen Schauder über den Rücken, und Ecos Meisterwerk entfaltete eine ungeahnte Wirkung.
Veranstalter Holger Wettingfeld von der aPRiori Agentur wurde u.a. auch vom Börsenverein und der Vorsitzenden des LV Berlin-Brandenburg Christiane Schultz-Rother unterstützt. Wettingfeld zieht eine positive Bilanz: „Die zweite Tempelhofer Literaturwoche 2011 scheint nach diesem Debüt ein realistisches Projekt.“
nb
Homepage: www. tempelhof-liest.de