In diesem Jahr wird die Stiftung Christliche Medien (SCM) zehn Jahre alt. Stiftungsgründer und –vorsitzender ist Friedhelm Loh, im Interview mit buchmarkt.de zur Frage, was geglückt ist und wo er die Zukunft sieht.
Buchmarkt.de: Vor zehn Jahren haben Sie die Stiftung christliche Medien gegründet: Ist alles so geglückt wie Sie sich das vorgestellt haben?
Friedhelm Loh: Vieles Ja – aber nicht alles. Das Hauptproblem ist für mich, dass es uns und vielen anderen christlichen Verlagen nicht oder nur schwer gelingt, im säkularen Markt an Bedeutung zu gewinnen. Letztlich ist das aber eines der wichtigsten Ziele der Stiftung.

Woran liegt das? Family ist immerhin eine der erfolgreichsten Zeitschriften auch gegen die allgemeine Zeitschriftenkrise. Lässt sich von denen nicht lernen?
An der inneren Einstellung der Entscheider und an der Tatsache, dass es Trends gibt, die mehr Beachtung finden.
Bisher macht die SCM einen engagierten und geschlossenen Eindruck: Wie geht es der Stiftung wirklich?
Immer besser. Der Start war nicht einfach, aber wir haben attraktive Verlage in der SCM mit sehr attraktiven Produkten.
Fünf Verlage am Leben erhalten, von denen am Anfang nur einer wirklich ein Mut machendes Ergebnis vorweisen konnte, ist auch nicht ganz einfach. Haben Sie Abstriche von mancher Vorstellung machen müssen?
Eine Stiftung hat nicht das Ziel, Erträge zu erwirtschaften, um Gesellschafter zu finanzieren. Die erwirtschafteten Mittel bleiben in den Unternehmen der Stiftung und werden zu 100% für den Stiftungsauftrag eingesetzt. Natürlich müssen wir Abstriche machen, denn die Ideen und Visionen der Mitarbeiter sind größer als die Möglichkeiten.
Sie wollten an die Kioske mit den Zeitschriften aus dem Bundesverlag, das ist geglückt. Wo sehen Sie die nächsten Ziele?
Wir wollen den Verkauf von christlichen Zeitschriften weiter forcieren. Zur Zeit läuft der Start der neuen Zeitschrift „Lebenslust“. Die ersten Reaktionen stimmen uns hoffnungsvoll.
Kann darin genügend Aufmerksamkeit für die Verlagsprodukte erzeugt werden?
Ja, aber ein weiteres großes Thema ist das christliche Fernsehen und das Internet. Mit „Jesus.de“ haben wir einen großen Bekanntheitsgrad erreicht, wobei die Fernseharbeit durch die finanziellen Herausforderungen leider noch begrenzt ist.
Was macht die Finanzierung so schwierig. Liegt das an mangelnden Werbeeinahmen? Erkennen Werbetreibende die Möglichkeiten noch nicht ausreichend?
Das Mediengeschäft – insbesondere im christlichen Bereich – ist nicht so ertragsstark, dass wir ausreichend Ressourcen für die Finanzierung der Fernsehwerbung haben. Hinzu kommt, dass die christlichen Fernsehsender zwar eine steigende Zuschauerzahl vermelden, aber nach wie vor weit von der Zuschauerzahl größerer säkularer Sender entfernt sind.
Das elektronische Zeitalter scheint den Zeitschriften nichts anzuhaben. Wie muss sich der Bundesverlag trotzdem auf die elektronische Zukunft einrichten?
Schnell, professionell, dem Standard der elektronischen Medien entsprechend.
Was heißt das konkret?
Durch Investitionen in Technik, entsprechende Geschäftseinheiten, Ideenpools und qualifizierte Menschen.
An welchen Stellen muss aus Ihrer Sicht über alle fünf Label gesehen weitergearbeitet werden?
Wie überall an Effizienz, Professionalität, Bekanntheitsgrad und Image. Die beste Botschaft der Welt muss unter die Leute!
Sie wollten eigentlich mal die ganze evangelikale Verlagsszene bündeln, aber seit Hänssler ist gerade einmal Johannis dazugekommen. War der Prozess des Zusammenführens doch schwerer als erwartet?
Dieses Ziel hat man mir unterstellt. Richtig ist, dass ich davon ausgehe, dass Verlage eine gewisse Größe überschreiten müssen, um die finanziellen Ressourcen zu schaffen, im christlichen, aber auch im säkularen Markt die notwendige Aufmerksamkeit zu erhalten. Investitionen im Verlagsbereich sind hoch und werden weiter steigen. Die neuen Medien fordern neue Kompetenzen und eine vergleichbare Qualität zu den säkularen Medien. Ja, es ist schwierig, in einem begrenzten Markt das gesetzte Ziel zu erreichen.
Was macht das so schwierig? Ist die Mission ins Stocken geraten?
Keinesfalls – im Gegenteil! Nur die Form der Evangelisation bzw. Mission ändert sich permanent. Die Verbreitung des Evangeliums über die Medien ist ein Weg, über das gesprochene Wort (die Predigt) ein anderer und das persönliche Zeugnis ein weiterer unter vielen.
Darüber hinaus führt die Konzentration der Vertriebswege zu Auswahlverfahren, die sehr stark von säkularen Trends geprägt sind.
Könnte die Verlagsgruppe inzwischen auch als eigenständiges Unternehmen laufen?
Das tut die SCM schon von Anfang an.
Der Start war ziemlich holprig, die Hänssler-Insolvenz hat vielen Geschäftspartnern und christlichen Verlagen viel Geld gekostet, dabei hatte man gehofft, Sie würden ein gutes Werk tun und die Schulden übernehmen. Hat damals doch der Geschäftsmann den Christen in Ihnen überholt?
Die Priorität war, den größten evangelikalen Verlag in Deutschland zu retten. Das war eine große Herausforderung – finanziell, aber auch für den Vorstand und die Mitarbeiter. Heute partizipieren viele Verlage und Lieferanten am Erfolg der Stiftungsverlage.
Mussten Sie im Nachgang der Insolvenz Geld nachschießen, um die Verlagsgruppe auf die Beine zu helfen?
Die Antwort überlasse ich Ihrer Phantasie.
Zu Beginn haben viele befürchtet, dass die Verlage unter dem Dach der SCM ihre Tradition und damit ihr Gesicht verlieren würden. Jetzt werden sie tatsächlich mehr und mehr zu Labeln für Programmsegmente, statt gläubige Tradition zu repräsentieren. War der Schritt aus Rentabilitätsgründen wichtig?
Jeder Verlag hat eine Tradition und ein eigenes Programm. Das ist aber nicht nur eine Frage der Tradition der Produkte, sondern der Menschen, die in den Verlagen arbeiten und deren Schwerpunkte.
Am Anfang hatten sich unterschiedliche Geschäftsführer versucht. Was war an der Führung zum Einstieg so schwierig? 90
Herr Erhard Diehl war seit Anfang der 80er Jahre verantwortlich für alle Verlage der Stiftung. Sein Nachfolger ist Herr Frieder Trommer. Somit haben wir in der fast 30jährigen Geschichte zwei hauptverantwortliche Geschäftsführer. Das halte ich für Kontinuität und für sehr gut. In den nächsten Ebenen hat es Wechsel gegeben, die bedauerlich, aber bei einer Neustrukturierung oft nicht zu vermeiden sind.
Mit Frieder Trommer haben Sie einen Pastor und keinen Verlagsprofi an Bord geholt, hat sich das ausgezahlt?
Das ist gut so. Verleger zu sein, kann man erlernen. Glauben als Verleger erlebbar zu machen, ist eine Frage der geistlichen Einstellung und diese setzt einen gelebten Glaubensbezug voraus. Deshalb bin ich dankbar für die Mitarbeit von Herrn Trommer.
Was kann der besser als einer, der aus dem Verlagswesen kommt?
Die Inhalte im Auftrag der SCM entsprechend gestalten.
Wofür steht die SCM heute aus Ihrer Sicht?
Wir stehen für das Evangelium von Jesus Christus und der Liebe Gottes zu uns Menschen. Unser Ziel ist es, Hilfe zu geben für ein sinnerfülltes und zielorientiertes Leben. Unsere Aufgabe ist, in diesem Sinne Botschafter zu sein.
Gibt es Produkte, die aus Ihrer Sicht besonders wichtig sind?
Das ergibt sich aus dem bereits Gesagten: Die Bibel – Gottes Wort! Das ist die Basis und die Orientierung, darauf gründet sich das Programm der Stiftung Christliche Medien.
Sie gelten als christlicher Unternehmer: Für viele ist das ein Gegensatz, was heißt das eigentlich für Sie?
Hilfe, Wegweisung, wertvolles Leben, Vergebung, Führung und die Nähe Gottes, Einsatz der von Gott gegebenen Gaben und Übernahme von Verantwortung aus Dankbarkeit heißt das für mich.
In welchen christlichen Bereichen engagieren Sie sich außerdem?
Wo immer es geht und fast immer, wo man mich fragt.
Die Fragen stellte Matthias Koeffler
Das Sonntagsgespräch von letzter Woche (Ginny G. von Bülow über die Schwierigkeiten, ein selbst verlegtes Buch zu vermarkten) finden Sie hier: [mehr…]