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Dr. Klaus Driever zur E-Reader-Strategie bei Weltbild

In der kommenden Woche, am 8. November, kommt der E-Reader Aluratec von Weltbild in die Läden. Mit massiver Anzeigenwerbung (etwa im Spiegel) geht das Augsburger Unternehmen zum Weihnachtsgeschäft in die Offensive.

Weltbild Geschäftsführer New Media Dr. Klaus Driever hier ausführlich zum Thema – aber auch, warum das Gerät noch nicht das „Nonplusultra ist“ und wie man nun auch mit kleinen Margen zurecht kommen will.

buchmarkt.de: Sie gehen jetzt mit ziemlich großen Investitionen in einen neuen Markt, glauben Sie, dass Sie das Geld wiedersehen?

Dr. Klaus Driever

Dr. Klaus Driever: Konkrete Angaben machen wir dazu nicht. Wir sprechen hier über ein sehr zartes Pflänzchen. Aber wir sind überzeugt: Mit unserem Reader treffen wir den Nerv der Zeit. Wir haben uns bewusst für ein sehr einfach ausgestattetes Gerät entschieden, weil die Leser nicht mit technischen Details konfrontiert werden, sondern Geräte einfach ausprobieren und vor allem darauf lesen wollen.

Welche Bedeutung hat das E-Book für Sie?
Wir sehen das E-Book neben unseren Läden, dem Katalogversand und dem Internetverkauf als vierten Vertriebsweg von Lesestoff. Dieser Weg hat seine eigene Berechtigung. Aber wir sind überzeugt, dass ein Kunde, der in Zukunft E-Books nutzen will, weiterhin auch physikalische Bücher kaufen wird. Mancher wird sich freuen, seine Bücher nun viel einfacher mitnehmen und unterwegs lesen zu können, aber das Lesen in traditioneller Form wird weiterhin überwiegen.

Das E-Book wird also ein Vertriebsweg unter anderen sein?
Ja. Alle reden immer vom Vergleich mit der Musikindustrie. Aber wenn Sie sich die Zahlen ansehen: Immer noch wird 90 Prozent der Musik in Form von CDs verkauft, obwohl es das MP 3-Format jetzt seit 10 Jahren gibt. Das E-Book wird ein wichtiger, aber nicht der dominierende Vertriebsweg sein. Optimalerweise führt das bei einem Mix der Vertriebswege Versand, Online und stationäre Läden dazu, dass mehr gelesen wird. Und das ist entscheidend.

Das heißt, Sie nehmen den Markt also ernst.
Wir nehmen den Markt genauso ernst wie wir 1995 den Buchvertrieb über das Internet ernst genommen haben.

Haben Sie denn die richtigen Kunden für das Lesen auf einem elektronischen Gerät?
Wir haben uns das genau angesehen und uns gefragt, wer einen E-Reader kaufen würde und haben festgestellt, dass Kunden in der Altersgruppe zwischen 35 und 50 Jahren das größte Interesse haben und genauso viele Männer wie Frauen sich ein elektronisches Lesegerät zulegen würden. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, dazu gehört zum Beispiel, dass es möglich ist, die Schriftgröße zu skalieren.

Sie haben bei Ihrem Gerät auf einen WLAN-Zugang bewusst verzichtet, warum?
Das entspricht dem Wunsch des Kunden. Er will auf seinem Computer sehen können, welche Bücher er hat und sie selbst verwalten. Das mag in ein paar Jahren anders aussehen, aber ist nach unseren Erkenntnissen derzeit der Stand der Dinge. Noch einmal: Im Vordergrund steht nicht das Gerät, sondern das Buch.

Mit anderen Worten: Wird es in Zukunft zu Dumping-Angeboten bei den E-Readern kommen, so dass die Lesegeräte eines Tages für einen Euro abgegeben werden, damit Sie Bücher verkaufen können?
Dumping-Angebote machen wir nicht. Aber bei elektronischen Geräten ist es schon fast eine natürliche Entwicklung, dass sie immer billiger werden. Auch E-Reader werden wahrscheinlich noch billiger.

Carel Halff hat in der Wirtschaftswoche gesagt, er könne nur jedem gratulieren, der sich bislang noch keinen E-Reader gekauft hat. Gilt das weiterhin?
Seit unserem neuen Angebot kann man tatsächlich jeden Leser beglückwünschen, der bisher noch kein Gerät gekauft hat. Aber im Ernst: Die technische Entwicklung ist wie auch bei anderen Geräten weiterhin im Fluss. Daher ist auch unser Gerät noch nicht das Nonplusultra, aber man macht beim Kauf auch nichts falsch.

Sie haben das Gerät auch nicht an den Weltbild-Shop gekoppelt.
Nein, der Kunde kann seine Bücher überall kaufen. 15 Jahre Erfahrung mit dem Internet hat uns gelehrt, dass geschlossene Systeme keinen langfristigen Erfolg haben. Kurzfristig kann es große Erfolge geben, aber langfristig glauben wir, je offener ein System ist, desto mehr findet es Zuspruch.

Werbekampagne in
Publikumsmedien

Wie wollen Sie das Gerät bewerben?
Die erste Auflage unserer Geräte ist ja bereits vorbestellt und damit praktisch schon verkauft. Wir werden es im Weihnachtsgeschäft über alle unsere Verkaufskanäle anbieten. Es wird flächendeckend in all unseren Filialen liegen. Die Leute wollen es anschauen und ausprobieren können, denn der Kauf eines solchen Gerätes ist ja auch eine Bauchentscheidung.

Wie hoch war denn die erste Auflage?
Wir haben noch nicht entschieden, ob wir die Zahl kommunizieren sollen. Aber wir hatten mehrere Tausend Vorbestellungen. Von der Nachfrage waren wir positiv überrascht. Wir sehen die Entwicklung undogmatisch und sind auch noch in der Phase des Ausprobierens. Aber wir sehen uns auf einem guten Weg. Wir haben den Bokeen Cybook Opus nach Deutschland gebracht, und dieses Gerät wurde bei der Stiftung Warentest nun Testsieger. Wir wollen ein einfaches Gerät, das intuitiv bedienbar ist. Denn wir sind Buchhändler und wollen, dass der Kunde schnell zum Lesen kommt.

Mussten Sie bei dem Preis Abstriche in der Qualität des Lesegerätes machen?
Nein, weil das Gerät nicht überladen ist, funktionieren die Features schnell, und es läuft stabil. Wir sehen uns in einem breiten Markt und wollen das Thema mit günstigen Einstiegsgeräten nach vorn bringen. Wir haben bereits die erste Anzeigenstrecke geschaltet, die bereits einen spürbaren Rücklauf brachte. Wir wollen das E-Book populär machen.

Mit anderen Worten: Sie werden noch einiges Geld für das Marketing investieren?
Jedes Thema, das Sie groß machen wollen, ist ein Marketing- und ein Investitionsthema. Wir wollen ganz vorn mitspielen. Es gibt eine Reihe von Kunden, die das Lesen auf elektronischen Geräten als ideale Form ansehen. Die wollen wir bedienen.

Werden Sie die Investitionen mit dem Weihnachtsgeschäft wieder herausbekommen?
So kurzfristig geht das nicht. Wir werden ein paar Jahre investieren müssen, um die Zielgruppe richtig anzusprechen und aufzubauen.

Wie haben Sie die Mitarbeiter in den Läden darauf vorbereitet?
In erster Linie haben wir das Gerät und seine Verpackung so attraktiv gestaltet, dass sich der Kunde damit beschäftigt. Ziel ist es, dass diese Geräte selbsterklärend sind. Sollten dann noch Fragen entstehen, können unsere Mitarbeiter die sicher beantworten. Im Prinzip will der Kunde ja nur lesen.

Wo wird das Gerät im Laden präsentiert?
Es wird an einem zentralen Platz in der Nähe der Kasse gut sichtbar in einem speziellen Display so präsentiert, dass die Kunden den eReader auch einfach mal ausprobieren können..

Inzwischen wächst im Internet die Zahl der Download-Plattformen. Macht Ihnen das Sorge?
Nein, Datenbanken allein reichen nicht. Auch E-Books verkaufen sich nicht von allein. Man wird im Internet starke Marken brauchen, um verkaufen zu können. Die Bücher müssen ausgewählt, vorgestellt und beworben werden. Das bedeutet den gleichen Aufwand wie bei dem gedruckten Buch.

Wie wollen Sie mit den kleinen Margen zurechtkommen?
Man wird sehen, wohin man kommt. Das Wichtigste für uns ist, erst einmal einen Markt zu haben, dann kann man weitersehen, wie die Spielregeln in der Zukunft aussehen.

Die Fragen stellte Matthias Koeffler, die Abonnenten des BuchMarkt-Heftes konnten eine Kurzfassung des Gesprächs bereits im aktuellen BuchMarkt 11/2010 lesen

Das Sonntgsgespräch von letzter Woche finden Sie hier: [mehr…]

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