
Gestern Abend stellte der Palmyra Verlag an geschichtsträchtigem Ort die erste Biografie über Horst Lippmann, den legendären Konzertveranstalter und Wegbereiter der populären Musik, vor.
Autor Michael Rieth und Verleger Georg Stein führten im Jazzkeller in Frankfurt ein Gespräch über Horst Lippmann und das soeben erschienene Buch, das wesentlich von Lippmanns Geschäftspartner Fritz Rau angeregt wurde – 50 Jahre Backstage, die Erinnerungen des Veranstalters, wurden 2005 im Palmyra Verlag publiziert.
Horst Lippmann (1927 – 1997) gilt als einer der bedeutendsten Wegbereiter der populären Musik. Mit 13 Jahren bearbeitete er mit einem Jazzbesen einen Barschemel im Lokal seines Vaters in Frankfurt, aus dem Radio klang Jazz, unglaublich zu dieser Zeit. In jenen Tagen lernte Emil Mangelsdorff den Jungen kennen, eine jahrzehntelange Freundschaft war geboren.
1943 vertrieb Horst Lippmann eine illegale Jazz-Zeitschrift und landete deshalb für einige Wochen im Gefängnis – er hatte Glück gehabt, so davon zu kommen.
Nach Ende des II. Weltkriegs gehörte er zu den Ersten, die den Jazz auf professionelle Beine stellten.
1952 wurde in der Kleinen Bockenheimer Straße 18a das domicile du jazz von Carlo Bohländer und unter Mitwirkung von Lippmann eingerichtet – der heutige Jazzkeller. 1953 gründete er das Deutsche Jazzfestival Frankfurt, organisierte immer mehr Veranstaltungen, kannte sich in der Szene aus. Lippmann installierte das Jazz-Feuilleton in den Zeitungen, produzierte Schallplatten, konzipierte Radio- und Fernsehsendungen.
Mehr als zehn Jahre nach Horst Lippmanns Debüt als Veranstalter, das sich gar nicht mehr so genau datieren lässt, wurde 1964 die legendäre Konzertagentur Lippmann+Rau gegründet.
Namen wir Eric Clapton – Lippmann produzierte 1963 dessen erste Platte –, Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Bob Dylan und Mercedes Sosa sind untrennbar mit Horst Lippmann verbunden, der ein Gespür dafür entwickelt hatte, weltweit hervorragende Musiker ausfindig zu machen – und zu engagieren. Das Buch berichtet davon, es erzählt aus dem Leben eines Mannes, der nie im Rampenlicht stehen wollte, dem Musik stets wichtiger war als das Geschäft.
2004 wurde in Frankfurt der Platz vor dem Jazzkeller, ein recht kleines Straßendreieck mit einem verbogenen Notenschlüssel-Denkmal in der Mitte, nach Horst Lippmann benannt. So richtig herumgesprochen allerdings hat sich das bis heute nicht; Taxifahrer suchen die Adresse vielfach vergeblich. Das Buch könnte da helfen.
JF