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Harald Rieck zur drohenden Insolvenz von Diderot Media

Herr Rieck, gut sechs Jahre nach dem Start von Soforthoeren.de steckt das Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten. Wie kam es zu den Liquiditätsproblemen?

Rieck: Es ist eben nicht so, dass Downloads gleichbedeutend mit einer Gelddruckmaschine sind, wie ich das dieser Tage in einem Forum zu unserer aktuellen Situation lesen konnte. Ältere Verbindlichkeiten, eine Kürzung der Kontokorrentlinie und gleichzeitig ein Einbruch beim Umsatz im Frühjahr und während der Fußball-WM sind die wesentlichen Faktoren.

Da Soforthoeren.de für die Mehrheit der Anbieter das günstigste Portal ist: Hätten Sie vielleicht doch mehr Provision verlangen müssen, um die Kosten besser zu decken?

Rieck: Darüber muss man sicher auch nachdenken. Allerdings sind Mittel für Marketing und neue Konzepte für uns wichtiger, als bei den – häufig ja kleineren – Verlagen stärker abzukassieren. Bislang und auch nach unserem Coming-out haben wir einen sehr freundlichen Umgangston und viel Zuspruch erfahren. Das zeigt, dass wir auf dieser kooperativen Basis weiterarbeiten sollten.

Ihre Partner – über 400 Verlage und zahlreiche Kunden aus dem Großhandel – machen sich Sorgen um die Zukunft des Portals. Welche Strategien haben Sie entwickelt, um eine mögliche Insolvenz abzuwenden?

Rieck: Ich gehe davon aus, dass wir die Probleme meistern. Allein die Zeit läuft uns etwas davon. Der Plan B besteht im Verkauf von Anteilen oder der Mehrheit. Große und kleine potente Unternehmen haben Interesse angemeldet und teils schon ZahIen genannt. Ich möchte in keinem Fall das Aus von Soforthoeren.de erleben, denn dafür haben wir zuviel Zeit und Arbeit investiert, und die Arbeit macht noch immer Spaß, wenngleich die Situation wirklich sehr unerfreulich ist. Wir haben seit Dezember innovative Pläne in den Schubladen, und ich würde mich freuen, diese umgesetzt zu sehen. Wir reden also nicht nur über Rettung, wir möchten wieder weiter vorn angreifen. Strategische Partner sind hierfür in jedem Fall willkommen.

Als Pionier im Bereich Hörbuchdownloads sind Sie der Konkurrenz oft einen Schritt voraus gewesen, z.B. bei den so genannten „White Labels“, das sind mittlerweile über 100 Filial-Shops. Würden diese abgeschaltet, wenn Sie keine Investoren für das Hauptportal finden?

Rieck: Ich denke nicht, dass dies geschehen wird. Möglich ist aber auch der völlige Stillstand. Es spricht aber derzeit sehr viel gegen dieses Worst-Case-Szenario.

Viele Verlage haben sich spontan dazu bereiterklärt, ihre Produkte mit Vergütungsaufschub im Portal stehen zu lassen. Wie hoch stehen Ihrer Meinung nach die Chancen, dass die Geduld der Anbieter nicht enttäuscht wird?

Rieck: Meine Einschätzung steht bei 80%, dass uns die Fortführung gelingt – und das wäre ein in der Wirtschaft allgemein gesehen eher seltener Fall. Ich gründe meine Hoffnung allerdings auf Konkretes, das sich in Kürze als belastbar zeigen muss.

rw

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