Home > Veranstaltungen > Berlin: Christian Adam über den Buchmarkt unter Hitler

Berlin: Christian Adam über den Buchmarkt unter Hitler

Christian Adam

Gestern Abend stellte der Publizist Christian Adam (Foto) in den Räumen des Galiani Verlags sein Buch Lesen unter Hitler – Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich vor, das morgen erscheint.

Das Publikum erfuhr in dem Pressegespräch, dass es der Bücherschrank seines Vaters war, der Adam zu dem Buch motivierte. Hier hatte er unter anderem Karl Aloys Schenzingers Anilin, eines der Erfolgsbücher der Nazi-Zeit gefunden. Christian Adam hat gründlich recherchiert. Er forschte in Archiven, stöberte in Antiquariaten und auf Flohmärkten, suchte und fand Augenzeugen und las sich durch hunderte von Büchern aus der Nazi-Zeit.

Welche Bücher und Autoren im Dritten Reich verbrannt und verfemt waren ist bekannt. Auch, dass Hitlers Mein Kampf millionenfach in den Bücherschranken stand. Adam lenkt seinen Blick nun erstmals auf die Werke, die wirklich massenhaft gedruckt, gekauft und gelesen wurden. Vom Ratgeber bis zum Groschenheft.

Wer hätte gedacht, dass man in den 30er Jahren noch Huxleys Brave New World lesen konnte? Und Antoine de Saint-Exupérys Wind, Sand und Sterne ein Bestseller war?

Adam beschreibt nicht nur, welche Titel die Deutschen zu Hause und an der Front wirklich lasen, was bei Hitler und Goebbels und anderen Nazi-Größen auf dem Nachttisch lag, er lenkt den Blick auch auf die Entwicklung der Buchbranche und beschreibt wie zwischen Ideologie und Propaganda wirtschaftliche Interessen verfolgt wurden.

Der Autor beleuchtet die Rolle von Leihbüchereien, die erzieherische Aufgabe der Buchhändler, die die Kunden im Sinne der NS-Kulturlenker zum guten Buch führen sollten, alters- und schichtenspezifische Lesegewohnheiten, die Berichterstattung der Branchenpresse – um nur einige Beispiele zu nennen – und gibt so einen umfassenden Überblick über den Buchmarkt unter nationalsozialistischer Herrschaft.
ML

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige

Wie war Ihr Monat, Kristine Listau?

„Wie war Ihr Monat?“ fragen wir monatlich Branchenmenschen. Dieses Mal Kristine Listau, die mit ihrem Verbrecher Verlag als Verlegerin in diesem Jahr 30 Jahre feiert. Welcher Tag war ihr schönster

weiterlesen