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Curt Meyer-Clason (100)

Curt Meyer-Clason
© Isolde Ohlbaum

Curt Meyer-Clason, einer der renommiertesten Übersetzer des vergangenen Jahrhunderts, wird heute 100 Jahre alt! Er hat nicht nur aus dem Englischen, Italienischen und amerikanischem Englisch übersetzt, er hat auch die Texte weltberühmter lateinamerikanischer Autoren ins Deutsche übertragen, darunter Gabriel Garcia Marquez, Jorge Amado, Guimaraes Rosa, Mario de Andrade, Fernando Namora und Onetti. Er war Herausgeber diverser Anthologien lateinamerikanischer Literatur, Autor einer Autobiograhie und den „Portugiesischen Tagebüchern“ (A1 Verlag).

Der gebürtige Ludwigsburger emigrierte 1936 nach Brasilien, wo er als Kaufmann arbeitete, wurde dann aber – kriegsbedingt – für zwei Jahre auf der Ilha Grande vor Rio de Janeiro interniert, wo er, begünstigt und gefördert durch einen Mithäftling, seine Liebe zur Literatur entdeckte.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er zunächst als Verlagslektor – bis die Übersetzertätigkeit immer mehr in den Vordergrund trat. Sein Anliegen: die Literatur Lateinamerikas und damit das Gefühl für die dortige Lebensweise nach Europa zu tragen.
1969 wurde Meyer-Clason als Direktor des Goethe Instituts nach Lissabon berufen, wo er, bis zum Ende seiner Tätigkeit 1976, alle großen Schriftsteller empfing (Günter Grass, Heinrich Böll, Thomas Bernhard, Walter Jens etc.). Er setzte sich für portugiesische Schriftsteller wie Miguel Torga, José Saramago oder Lobo Antunes ein, indem er für sie deutsche Verlage suchte und fand, bot ihnen während der Diktatur ein Gesprächsforum und realisierte nach dem Putsch 1974 mit einer Theatergruppe aus Lissabon Stücke von Bertold Brecht.

Curt Meyer-Clason galt und gilt heute noch als ein Mann des klaren Wortes, aber auch der formvollendeten Höflichkeit. „Ich kenne keinen Menschen, keinen Mann, der mit so höflichen Worten etwas klar machen konnte, ohne grob zu werden und trotzdem zu sagen, was Sache ist“, beschreibt Philine Meyer-Clason, Inhaberin der Buchhandlung Tucholsky in München, ihren Vater.

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