
Es begann, wie viele Unternehmungen, in einer Kneipe. Dort erdachten mein Jugendfreund Werner Labisch und ich den Verbrecher Verlag, doch nicht als Unternehmen, sondern als Fake – wir wollten Manuskripte, die, wie wir wussten, keinen Verlag gefunden hatten, lesen und uns zu diesem Zweck als Verleger ausgeben.
Als solche schrieben wir denn auch unsere Lieblingsautoren an. Verbrecher Verlag hieß der Verlag, die beiden Firmenstandorte waren, großkotzig genug, Berlin und Bielefeld, Labischs kleine Studentenwohnung in Berlin Charlottenburg war die Nennadresse. Das Motto auf unserem schnell entworfenen, und mit dem von Labisch gezeichneten Logo versehenen Briefkopf lautete: „Denn nur Verbrechen schafft Gerechtigkeit!“, und, echte Verbrecher die wir waren, behaupteten wir, J.M.R. Lenz habe diesen Satz in seinem Drama „Pandaemonium Germanicum“ verwendet. Doch einige Autoren schickten tatsächlich ihre Manuskripte.
Und dann wurden wir durch Zufall und aus Experimentierlust heraus wirkliche Verleger, und Labischs Studentenwohnung wurde zum echten Verlagsbüro – und ebenso zum Lager. 1996, als ich nach Berlin übersiedelte, gründeten wir eine WG, und auch die zwei Zimmer der WG wurden zum Verlagsbüro – Labischs Zimmer wurde Geschäftsführerbüro, mein Zimmer Pressestelle. Und so ist es im Prinzip geblieben – ich mache das Programm, doch Werner Labisch macht das Geschäft. Ohne ihn würde der Verbrecher Verlag noch immer ein unprofessioneller kleiner Struwwelverlag sein, vielleicht auch gar nicht mehr existieren.
Und Werner Labisch macht weit mehr als dies: Er redigiert die „Filit“-Filmbuchreihe oder die Werke Rudolf Lorenzens, gestaltet hier ein wenig an einem Flyer, ist dort der Retter des Computernetzwerkes, er gibt hier ein Interview und feilscht dort mit einer Druckerei. Wie er das alles macht, während er zugleich noch seinem Sohn Arthur ein guter und aufmerksamer Vater ist, das weiß wohl nur er selber.
Und wir im Verlag brauchen ihn zudem auch noch ständig. Funktioniert etwas nicht, rufen wir nach ihm. Wissen wir nicht weiter, rufen wir nach ihm. Dann kommt er, manchmal wortkarg, doch nie unfreundlich, hilft schnell und geduldig, und sagt nicht einmal dann etwas, wenn er die gesuchte Tastenkombination schon drei Mal vorher gezeigt hat. Er weiß, wir können nicht anders, wir müssen ihn rufen. Wir sind anstrengend, aber unschuldig. Und wir rufen beinahe täglich. Ich allein nun seit rund 15 Jahren.
Dafür, dass ich Dich rufen darf, dafür dass Du den Verlag täglich rettest, dafür das Du Geduld mit Dir hast, dafür danke ich sehr! Und dass Du nun vierzig wirst, dafür danke ich dem Schicksal, lieber Werner, und ich danke ihm sehr!
Jörg Sundermeier
Kontakt: werner.labisch@verbrecherei.de
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