
Als eine der wenigen von den Berliner Verlagskollegen hatte es Maria Oehlschlegel (Foto), im Ch. Links Verlag verantwortlich für die Lizenzen, zur Londoner Buchmesse geschafft – und berichtet hier über ihre Eindrücke von dieser Messe „unter der Aschewolke“.
How did you make it? Das war der Satz, den man auf der Londoner Buchmesse immer wieder hörte. Trotz der Europa überziehenden Aschewolke und dem damit verbundenen Flugverbot waren erstaunlich viele Aussteller und Besucher angereist. Nach den Angaben der London Book Fair waren zwar die Besucherzahlen um rund 30 Prozent gesunken, aber vorher geäußerte Prognosen wie „da ist doch dann eh keiner“ trafen nicht zu.

Wie die meisten wollte ich – zuständig für die Internationalen Lizenzen im Ch. Links Verlag – mit dem Flugzeug nach London und die Nachricht, dass der Luftraum gesperrt ist, traf mich Donnerstagnachmittag beim Bäcker stehend aus heiterem Himmel. Es folgte viel Zeit im Internet auf der Suche nach den neusten Wetter- und Vulkanprognosen und statt der Aschewolke löste sich langsam meine Zuversicht auf, am Sonntag noch fliegen zu können.
Doch meine wochenlangen Vorbereitungen und die vielen neuen Kontakte zu britischen Verlagen – das konnte ich nicht einfach aufgeben und fand, nachdem sich Zugfahren und sonstige Alternativlandwege als nicht machbar erwiesen, in letzter Minute eine Mitfahrgelegenheit, die mich wenigstens bis in die Nähe von London mitnehmen konnte. Statt knapp zwei Stunden war ich nun einen ganzen Tag unterwegs. Aber diese entschleunigte Reise hatte durchaus ihre schönen Seiten.
Am Gemeinschaftsstand der Berliner Verlage, an dem sich auch der Ch. Links Verlag präsentierte, ging es relativ ruhig zu. Neben den Organisatoren vom Landesverband Berlin-Brandenburg des Börsenvereins war nur Dr. Sven Fund, Geschäftsführer von de Gruyter, in London angekommen. Gegenüber am deutschen Gemeinschaftsstand sah es ähnlich aus.
Auch bei mir gab es eine Anzahl von Terminen, die wegen der Anreiseprobleme nicht stattfinden konnten. Doch mein Fokus für diese Messe lag auf dem englischsprachigen Markt. Ich hatte eine Handvoll Titel dabei, für die ich insbesondere britische Lizenznehmer suchte. So unter anderem unseren aktuellen Titel Unternehmen Magdala, der von einer britischen Strafexpedition im Jahr 1867 nach Äthiopien berichtet, sowie zwei Bücher, die eine Übersetzungsförderung ins Englische erhalten hatten. Für diese Titel hatte ich vor allem im englischen Raum viele neue Kontakte geknüpft, die ich nun persönlich treffen konnte. Diese Gespräche, die viel ausführlicher und entspannter im Vergleich zu Frankfurt abliefen, waren der wirklich lohnende Teil der Messe.
Schlechter war es um meine Bemühungen für unseren Titel über die Stasi-Akte von Günter Grass bestellt. Meine Gesprächspartner aus Russland über Polen bis in die USA hatten fast alle keinen Weg nach London gefunden. Auch hätte ich gerne weitere Kontakte in den asiatischen Raum geknüpft, was unter diesen Umständen nicht möglich war.
Unbezogene Stände, Gänge, auf denen man sich mühelos bewegen konnte, Bücher, die unbetreut präsentiert wurden, Kollegen, die sich mangels anderer Gesprächspartner untereinander unterhielten – die Einschränkungen durch die Aschewolke waren bei Streifzügen durch die beiden Messehallen deutlich zu spüren. Aber diese Ruhe, die eher als ein negatives Attribut für eine Messe gilt, hatte auch ihre Vorteile. Von vielen Seiten hörte ich von intensiveren Gesprächen, die sich nicht nur um Vertragsabschlüsse drehten, sondern auch dem Gegenstand an sich mehr Raum gaben.
Es war Zeit, Bücher in die Hand zu nehmen, in ihnen zu blättern, Cover zu betrachten und zu diskutieren. Auch gab es mehr Raum für neue Begegnungen. So war ich beispielsweise mit einem israelischen Verleger verabredet, traf aber an dem Stand aber nur auf einen Kanadier. Wir kamen ins Gespräch, stellten fest, dass es einige Überschneidungen in unseren Verlagsprofilen gibt und ich konnte ihn für mehrere unserer Titel begeistern. Ich traf aber auch auf Aussteller, die einen Termin nach dem anderen hatten, und ich nur mit Glück einen Zeitpunkt fand, an dem ich sie sprechen konnte.
Dienstagnacht sah ich zum ersten Mal wieder ein Flugzeug am Himmel und war voller Optimismus, am nächsten Abend wie geplant nach Hause fliegen zu können. Ich hatte schon nach Rückreisemöglichkeiten Ausschau gehalten – hier noch einmal Dank an den österreichischen Kollegen von Bizzons für sein Angebot – doch ich konnte ganz planmäßig mit einem erstaunlicher Weise halbleeren Flugzeug meine Reise beenden.







