
Wilfried H. Schinzel, geboren 1938, ist am vergangenen Freitag im Alter von 71 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.
Der EDV-Fachmann arbeitete bei der Buchhändler-Vereinigung (jetzt MVB) jahrelang als Abteilungsleiter für den Bereich Dokumentation und Datenverarbeitung und war hier maßgeblich für VLB und ISBN verantwortlich.
Besondere Verdienste erwarb er bei der Umstellung des Print-VLB auf die CD-ROM-Version und als Vertreter des ISBN-Panels an der internationalen Standardisierung in der Branche. Der international geschätzte Fachmann nahm auch teil an der letzten Revision des ISBN-Standards.
Ein Nachruf von Dr. Michael Schön
Der Pionier in Sachen Rationalisierungsinstrumente
Wilfried H. Schinzel ist nach kurzem Kampf gegen ein Krebsleiden im Kreise seiner Familie im Klinikum Offenbach verstorben. Im vergangenen Dezember hatte er sein 71. Lebensjahr vollendet. Der Börsenverein und seine Mitarbeiter in VLB-Redaktion, ISBN-Agentur und BAG trauern um einen international anerkannten Spezialisten und hilfsbereiten Kollegen. Der aus … stammende Datenbank-Fachmann schuf in jahrzehntelanger Arbeit die Grundlage für das heutige ‚libreka’.
Der Vorstand des Börsenvereins hatte im Jahre 1970 entschieden, der Branche einen von den Barsortimenten unabhängigen Gesamtkatalog mit allen lieferbaren Titeln zentral zur Verfügung zu stellen. Daraufhin wurde Wilfried Schinzel im Wirtschaftsbetrieb Buchhändler-Vereinigung mit dem Auftrag eingestellt, diesen Titelkatalog unter dem Namen Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) als eine Art Einzelkämpfer aufzubauen. In der Tat eine große Pionierleistung, deren Anfangsphase mit der Auslieferung der ersten gedruckten Katalogbände im Jahr 1972 höchst erfolgreich von ihm abgeschlossen wurde. Unter dem Kürzel WHS wurden fortan unzählige Produktverbesserungen konzipiert, in den Gremien des Verbands beraten und schließlich im VLB umgesetzt. Wilfried Schinzel baute in über 25 (?) Jahren die VLB-Redaktion und die deutsche ISBN-Agentur auf, war Berater der Gremien des Börsenvereins und der Geschäftsführungen der Wirtschaftsbetriebe sowie Verhandlungspartner der verschiedenen Dienstleister und Distributoren. Insbesondere durch die Umstellung der VLB-Datenbank auf CD-ROM hat WHS den deutschsprachigen Buchhandels-Katalog zum internationalen Vorbild für nahezu alle anderen Sprachräume gemacht. Der Börsenverein erhielt immer wieder Anfragen aus dem Ausland, am Wissen und Erfolg des Börsenvereins in Sachen Titelkatalog und Identifizierungssystemen teilhaben zu wollen. Hierfür unternahm der sprachbegabte Wilfried Schinzel viele Dienst- und Vortragsreisen in Länder auf der ganzen Welt. WHS war ein unermüdlicher Streiter für seine Sache: die Rationalisierung der Arbeitsprozesse in der Buchindustrie voranzutreiben. Für seine Verdienste erhielt WHS als einer der wenigen Mitarbeiter des Börsenvereins zu seiner Verabschiedung im Jahr 2003 die Plakette „Dem Förderer des deutschen Buches“ verliehen.