
Unter dem Motto “Kultur in Bewegung” (Cultura en movimiento) präsentiert sich vom 6. bis 10. Oktober 2010 Argentinien als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Anlässlich der Leipziger Buchmesse gaben heute die Organisatoren des Ehrengastauftritts in Leipzig den offiziellen Startschuss der Ehrengast-Präsentation in Deutschland und stellten erste Einzelheiten ihres Programms vor.
Deutschland erwartet ein argentinischer Kultursommer mit Literatur, Autoren und Diskursen sowie Ausstellungen zu den Bereichen Bildende Kunst, Schmuck, Design, Architektur und Fotografie, die einen Bogen von den indigenen Kulturen bis zu avantgardistischen Ausformungen der visuellen Kunst spannen sollen.
„1976 war Lateinamerika der erste Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, deutsche Leser entdeckten erstmals die argentinische Literatur. Heute, 34 Jahre später, zieht die junge argentinische Literatur einerseits Bilanz – z. B. zu den Themen Militärdiktatur, Einwanderung oder indigene Bevölkerung –, gleichzeitig bietet sie auch ein fast beispielloses Feuerwerk an kreativen Ideen und Formaten. Ich freue mich sehr, dass wir diese Entwicklung über all die Jahre mit begleiten konnten und bin sehr gespannt auf den Startschuss des Ehrengasts Argentinien in Leipzig.“, mit diesen Worten eröffnete Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse das Argentinien-Programm zu Messebeginn in Leipzig.
Vielfältig und offen möchte das Organisationskomitee “Argentinien – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2010” die Kultur seines Landes in Deutschland präsentieren. „Unser Ziel ist es, Argentinien als junges lateinamerikanisches Land zu präsentieren und die einzigartigen Aspekte unseres kulturellen Selbstverständnisses vorzustellen.”, so die Präsidentin des argentinischen Organisationskomitees Magdalena Faillace. Neben zahlreichen Kulturveranstaltungen soll in erster Linie die argentinische Literatur das Gedankengut und das Ethos des argentinischen Volkes in die Welt transportieren. Zu diesem Zweck wurde das „SUR-Programm zur Förderung von Übersetzungen” ins Leben gerufen.
Im Rahmen dieses Programms ist es bisher gelungen, 147 Werke von 123 argentinischen Schriftstellern und Schriftstellerinnen in 21 Sprachen zu übersetzen – eine Initiative, die es in dieser Form noch nie in der Geschichte Argentiniens gegeben hat. Die Mehrheit der Titel werden in Deutschland verlegt. Insgesamt bietet die Buchauswahl einen historischen Streifzug durch das soziale und kulturelle Leben Argentiniens: Von den Klassikern des 19. und 20. Jahrhunderts über junge Autoren der zeitgenössischen Avantgarde bis hin zu in der Literatur allgegenwärtigen Themen wie Liebe, Tod, Exil oder Freiheitskampf. Einige Übersetzungen behandeln auch die immer wiederkehrenden spezifischen politischen Konflikte des Landes.
Die kulturelle Identität, der Einfluss der Einwanderung, die kulturellen Landschaften, die Erinnerung und wissenschaftliches Gedankengut bilden die Eckpfeiler der Ehrengast-Präsentation. Schriftsteller aus allen Regionen Argentiniens sowie im Ausland lebende Autoren, Verleger und schließlich die Bücher selbst werden die zentralen Figuren sein. Als weitere Highlights auf dem Weg zum Frankfurter Bücherherbst kündigte Magdalena Faillace unter anderem ein „Internationales Symposium“ zu Argentiniens Kultur und Politik an, das Ende Mai in Brüssel, dem Geburtsort des großen argentinischen Schriftstellers Julio Cortázardas, stattfinden soll. Einen Überblick über das dichterische Schaffen des wohl bekanntesten argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges soll das internationale Kolloquium „Borges Poeta“ bieten, das im Juni mit Unterstützung der Leipziger Universität in Leipzig stattfinden wird.
In Leipzig gestalten die Autoren Pablo Ramos, Laura Alcoba, Félix Bruzzone, Tununa Mercado und Carlos Gamerro das argentinische Programm und gewähren bei spannenden Lesungen und Diskussionen im Rahmen des Festival „Leipzig liest“ einen Einblick in die Traditionen Argentiniens als weltoffenes Land, das sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der Immigration immer wieder neu strukturieren musste und sich bis heute im ständigen Austausch mit anderen Völkern befindet.
Auf Leipzig folgt Berlin: Im Anschluss an die Leipziger Messetage reisen die argentinischen Autoren nach Berlin, um unter anderem an der ersten Argentinisch-Deutschen Schriftsteller-konferenz „Botenstoffe“ teilzunehmen, die am 25. und 26. März 2010 in der Lettrétage Berlin stattfinden wird. [mehr…].