
Seit Nikolaustag fragen wir täglich bis zu den Heiligen drei Königen in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Wenn’s gefällt, gibt es 2010 eine Neuauflage. Heute wird der „andere“ Fragebogen beantwortet von Edmund Jacoby (Foto), Verleger Jacoby & Stuart.
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Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Kurz vor der Leipziger Messe, als wir erfuhren, dass Leute von Blexbolex, das allererste Buch unseres jungen Verlags, das das Licht der Welt erblickt hat, den Titel “Schönstes Buch der Welt” führen durfte. Das deutete doch in die richtige Richtung.
2
Worüber haben Sie sich 2009 am meisten geärgert?
Darüber, wie lange es dauert, bis mehr als eine Handvoll engagierter Buchhändler ein neues Verlagsprogramm zur Kenntnis nimmt. Es gibt aber immerhin Grund zu der Hoffnung, dass ich mich darüber im nächsten Jahr weniger ärgern muss.
3
Was war 2009 Ihr schönster Erfolg?
Das erste vollständige Jahr mit dem neuen Verlag Jacoby & Stuart überlebt zu haben und dabei stärker geworden zu sein.
4
Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
… unser teuerster Flop. Das Buch zum Film „Paris, Paris“. Schon zu Jahresbeginn war klar, dass der Film schlicht untergegangen und das Buch nicht mehr zum Leben zu erwecken war. Da der Film von demselben Regisseur stammte wie der Erfolgsfilm „Die Kinder des Monsieur Matthieu“, waren wir voll eingestiegen, ohne den Film zuvor sehen zu können. Gewagt und verloren.
5
Ihre schönste Buchhandlung in diesem Jahr?
Meine eine Lieblingsbuchhandlung ist die rührige Georg Büchner-Buchhandlung bei uns in Berlin-Prenzlauer Berg, die andere ist die Großbuchhandlung Dussmann, die zeigt, dass auch ein großes Sortiment Ideen haben kann, die sich nicht allein aus der Warenwirtschaft speisen.
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Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Von der Konsumschwäche in Deutschland, weil sie dann hoffentlich nicht mehr existiert. Beim aktuellen politischen Umverteilungsprogramm dürfte das allerdings ein frommer Wunsch bleiben.
7
Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Von neuen Angriffen von Microsoft, Murdoch oder dem Börsenverein des deutschen Buchhandels auf Google — damit die Suchmaschine ihr Monopol in der Verbreitung von Informationen über Inhalte nicht ausbauen kann. Denn das ist wirklich gefährlich.
8
Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Ein oder zwei zwar wunderschöne, aber kaum verkäufliche Bücher zu verlegen.
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Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Eben diesen. Wenn Nicola Stuart, meine Mitstreiterin, mich nicht energisch genug davon abhält.
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Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Ich glaube, unser aller Lieblingsbuch war in diesem Jahr gar kein Buch, sondern eine Schachtel mit Heftchen: Lienekes Hefte. Und dass dies Buch so eine tolle Presse hatte und daraufhin auch richtig gut verkauft wurde, das war schön.
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Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Schwer zu sagen, zumal erst das Frühjahrsprogramm steht. Fürs Frühjahr verspricht „La cucina verde“ von Larissa Bertonasco und Carlo Bernasconi den größten Erfolg. Viel italienische Atmosphäre, tolle Rezepte und wunderschöne appetitanregende Illustrationen.
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Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Bei so vielen netten Kolleginnen in der Branche möchte ich mich da nicht festlegen.
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Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Diese: Wie schaffen Sie es eigentlich, in so kurzer Zeit ein so tolles Programm aufzubauen?
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Hier können Sie die auch beantworten…
Ich schaffe das überhaupt nicht. Das macht vor allem Nicola Stuart, und ich helfe ihr, so gut ich kann.
Zum gestrigen Fragebogen: [mehr…]. Morgen antwortet Jo Lendle, Cheflektor bei DuMont und DVA-Autor – in diesem Jahr erschien dort sein Roman „Mein letzter Versuch die Welt zu retten“)