Die Droemer Verlage sind zum alten Vorschau-Format zurückgekehrt. Warum? Fragen an Droemer-Marketingchefin Kerstin Reitze de la Maza (Foto) zu den Gründen für den Entschluss, die Vorschauen der Gruppe wieder im „klassischen“ Format zu erstellen.
BuchMarkt: Droemer hat seine acht Vorschauen wieder im früheren „klassischen“ Standard-Format verschickt. Ist das eine Kritik am schlanken und kühleren Vorschau-Konzept Ihres Vorgängers Klaus Kluge?

Ich glaube an die Vorschau.
Sie ist das wichtigste Werbe-
mittel in Richtung Handel
Kerstin Reitze: Nein, auf keinen Fall. Sein Konzept, mit dem auch Geld gespart werden sollte, war richtig zu seiner Zeit, als Kostenmanagement weit vor allen anderen Entscheidungen stand.
BuchMarkt: Sie drehen das Rad jetzt wieder deutlich zurück? Warum?
Kerstin Reitze: Es gab mehrere Überlegungen dafür – etwa, dass wir auch mehr Spielraum brauchen, um unsere Titel noch besser inszenieren zu können.
BuchMarkt: Und was hat bei den Überlegungen noch eine Rolle gespielt?
Kerstin Reitze: Wir wollten die Unterschiede der Markenprofile Droemer, Knaur, Pattloch und MensSana klarer herausarbeiten, indem wir optisch differenzierte Cover und eine unterschiedliche Vorschauinszenierung gewählt haben.
BuchMarkt: Der Markt hat sich verändert…
Kerstin Reitze: … ja, deshalb müssen sich alle Buchverlage mit der geänderten Marktsituation und den unterschiedlichen Einkaufsstrukturen der Filialisten auseinandersetzen.
BuchMarkt: Was heißt das für Ihre acht Vorschauen?
Kerstin Reitze: Wir haben im Sachbuch Hardcoverprogramm zukünftig nur noch eine Vorschau, in der alle drei Sachbuchmarken Droemer, Knaur und Pattloch gebündelt sind, sich aber in Coveroptik und Vorschauinszenierung dennoch auf den jeweiligen Seiten unterscheiden.
BuchMarkt: Ich habe sie gegen meine Art sorgfältig durchgesehen. Das ist Ihnen gelungen, hat aber mit Sicherheit einen kräftigeren Griff in die Werbekasse erfordert.
Kerstin Reitze: Ist das ein Vorwurf? Warum muss gerade an diesem Ende der Kostenschraube gedreht werden? Ich will Ihnen aber gern verraten, dass das neue Konzept nur unwesentlich mehr gekostet hat, als Sie vermuten. Insgesamt war das ein Betrag im oberen vierstelligen Bereich. Und nun dürfen Sie rechnen.
BuchMarkt: Beim Thema Vorschau scheiden sich die Geister. Viele finden, dass ihr Zweck in vielen Fällen nicht erfüllt wird und das vor der Wettbewerb um die schönste und schnellste Vorschau überschätzt wird. Die Frage ist doch immer wieder, ob der Aufwand dafür wirklich eingespielt wird.
Kerstin Reitze: Ja, seit ich in der Buchbranche bin, registriere ich diesen Glaubenskampf. Wenn Sie es genau wissen wollen: Man muss sich fragen dürfen, ob man nicht am falschen Ende spart. Ich halte die Vorschauen zurzeit für das wichtigste Werbemittel in Richtung Buchhandel.
BuchMarkt: Warum muss es denn immer das A4 Standard Hochformat sein?
Kerstin Reitze: Dafür gibt es gute Argumente. Ein Standardformat ist immer günstiger als ein Sonderformat. Es kann gut abgeheftet oder abgelegt werden. Ein schöner Nebeneffekt für einen Werber ist: Man hat mehr Fläche, um die Bücher zu inszenieren.
BuchMarkt: Das ist Ihnen am wichtigsten?
Kerstin Reitze: Natürlich, Buchhändler brauchen Orientierung. Die Situation ist doch folgende: Jetzt – mitten im Weihnachtsgeschäft – erreichen hunderte von Vorschauen den Buchhändler. Er ist im Stress und hat wenig Zeit. Ich möchte es ihm mit unseren neuen Vorschauen da einfacher machen: Schon beim schnellen Durchblättern soll er die großen Seller erkennen, die ganz neuen Autoren, die wir entdeckt haben und an die wir glauben und für die wir uns einsetzen. Und er soll vor allem Spass daran haben, die Vorschauen durchzublättern.
BuchMarkt: Was hätte mir auffallen müssen, als ich geblättert habe?
Kerstin Reitze: Wir haben Wert darauf gelegt, die Vorschauen zu „emotionalisieren“ und ihnen einen „magazinigen“ Charakter zu geben. Sprich: Immer wieder für neue Überraschungen zwischendrin sorgen, alte Bekannte mit neuen Entdeckungen mischen. Ich hoffe, es ist uns gelungen!
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz