Mal wieder Zoff bei Wikipedia: Endlosdebatten und Regelungswut frustrieren Neulinge, zwei Lager kämpfen um die künftige Strategie, berichtet Spiegel-Online. Rund 49.000 Schreiber soll die Wikipedia allein im ersten Quartal 2009 verloren haben, meldete der Spiegel Ende November.
Außenstehende begreifen solche Debatten nicht leicht. Aber: „Im Namen der Relevanz wird allseits gelöscht oder gesperrt, was nach Meinung ihrer eifrigsten Hüter nicht in eine Enzyklopädie gehört. Und weil bei der Wikipedia jeder mitreden darf, gibt es vor jedem Urteil eine Art spontanes Plebiszit – oft sind das lange, zerrüttende Debatten“ so der Spiegel über die allgegenwärtige Misere des Online-Lexikons: „Am Ende entscheidet ein Administrator aufgrund der schriftlich dokumentierten Diskussion, möglichst neutral.“
Ein harter Kern von Aktivisten zeige sich zunehmend unduldsam, so der Spiegel weiter – nicht nur gegen die Unzahl der Vandalen und Schmierer, die ihnen mit Einträgen wie „Arschgesicht“ das Leben sauer machen, sondern auch gegen das unbeholfene Volk, das einfach einträgt, wofür es sich interessiert.
Kein Wunder, wenn die Leute allmählich die Lust verlieren. Der spanische Netzforscher Felipe Ortega von der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid hat ermittelt, dass inzwischen in vielen Weltgegenden die Zahl der Beiträger sinkt. Es hören mehr auf, als neue hinzukommen. Der Pool des deutschen Pendants schrumpft seit einem Jahr jeden Monat um ein- bis zweitausend Aktive.
Zu einem ersten Aufruhr kam es Anfang November bei einer Spendenaktion für die Wikipedia. Dutzende trugen sich mit Kleinbeträgen auf der öffentlichen Spenderliste ein, nur um dort giftige Kommentare zu hinterlassen: „Raus mit den Löschtaliban“ oder „99 Euro wegen fehlender Relevanz gelöscht“.