
So begehrt waren die Karten für das Sommerfest im Leipziger Haus des Buches am gestrigen Freitag, dass bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Abendkasse Zuhörer ungeduldig von einem Fuß auf den anderen traten und nur wenig Hoffnung hatten, überhaupt noch Restkarten zu bekommen.
Dabei konnte von einem Sommerfest keine Rede sein, zeichnete sich doch schon am Nachmittag ab, dass sich auch am Abend kein rechtes Sommerwetter einstellen würde. Das hielt die Leipziger aber nicht davon ab, im strömenden Regen zur Saisonverabschiedung ihres Literaturhauses zu kommen. Und das war kein Wunder, denn kein geringerer als Joachim Król las aus Alan Bennetts „Die souveräne Leserin“, dem Buch, das dem Wagenbach Verlag im Frühjahr den ersten Top-Ten-Bestsellererfolg seiner Verlagsgeschichte beschert hatte.
Joachim Król hatte sichtlich Spaß an der Lektüre über die Wandlung der Queen von einer buchabstinenten Politikerin zu einer begeisterten Leserin, die Erkältungen vorschützt, um die Regierungsgeschäfte nicht mehr ausüben zu müssen. Verlegerin Susanne Schüssler steuerte Anekdoten aus der Verlagsarbeit bei und erzählte von dem großartigen Gefühl, einen solchen Autor zu entdecken und über Jahre hinweg aufzubauen.
„Nach diesem Erfolg ist der Verlag erstmal saniert“, sagte Schüssler zum Schluss. Ein weiterer Grund zu feiern. Und obwohl dafür statt dem lauschigen Garten das weniger gemütliche Literaturcafé herhalten musste, plauderten die Gäste bis in die Nacht, ließen das vergangene Buchhalbjahr Revue passieren und freuten sich auf die kommende Lesesaison.
BX