
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch
Frankfurter Rundschau
Ein „Wegweiser durch das Dickicht der Postsexualität“: Irene Berkel (Hg.): Postsexualität. Zur Transformation des Begehrens, Psychosozial-Verlag.
Das Centrum Judaicum in Berlin zeigt eine Ausstellung über jüdische Sportlerinnen. Der Katalog Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933 ist bei vbb erhältlich.
„Ein kunstvolles Experiment in Sprache, ein Roman, ebenso an Joyce und Beckett geschult wie an großen amerikanischen Erzählern wie Faulkner oder Melville:“ Ulrich Sonnenschein ist begeistert von Joseph O‘Connors Wo die Helden schlafen, S. Fischer.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenweise kann Uwe Timms historischer Roman Halbschatten (Kiepenheuer & Witsch) über die Fliegerin Marga von Etzdorf dokumentarischen Anspruch erheben, meint Patrick Bahners, der den Roman ansonsten „subtil, diskret und bewegend“ findet.
Financial Times Deutschland
Die FTD beschreibt die Suche der Investoren von Springer Science + Business Media nach neuem Kapital, damit der Verlag nicht an seinen Kreditklauseln zerbricht, und stellt das E-Book als Zukunftsmedium im Fachbuchmarkt dar. Springer erwarte einen Umsatzsprung in diesem Segment, heißt es. Zahlen werden auch hier nicht genannt, der Anteil am 880 Mio. Euro-Umsatz sei „bedeutend“, wird Olaf Ernst, Vorstand für E-Produktmanagement und Innovation zitiert.
Springer ziele mit seinen derzeit 22500 digitalen Kopien auf die Bibliotheken, an die Springer direkt, ohne Zwischenhändler ausliefern könne, heißt es. Die Bibliotheken hätten das kostensparende Potenzial, die E-Books bieten noch nicht voll ausgeschöpft, so Ernst. Und: „Ich glaube, dass die Wirtschaftskrise den Wechsel von Print zu Elektronik beschleunigen wird.“
Die Eigentümer, die Finanzinvestoren Cinven und Candover [mehr…] suchen zusammen mit Goldman Sachs Kapitalgeber, die dieses Jahr noch 500 Mio. Euro einschießen und dafür maximal mit 49 Prozent der Anteile zufrieden ist.
Nach FTD Informationen sollen die Finanzinvestoren TPG, EQT, Apax und ein Konsortium aus Providence und Carlyle Offerten eingereicht haben, die aber den Erwartungen nicht entsprächen. Damit ist außer TPG wieder eine völlig neue Gruppe unterwegs als noch Ende April. Einen Kommentar dazu haben Cinven und Candover gegenüber der Zeitung abgelehnt. Hier mehr.
Außerdem beschreibt die FTD wie die Buchbranche auf Piratenjagd geht. Betroffen seien hauptsächlich Hörbuchverlage. Börsenvereinsgeschäftsführer Alexander Skipis wolle dabei nicht gegen die Nutzer vorgehen, sondern gegen die illegalen Tauschbörsen. Allein Umsatzbringer Harry Potter sei millionenfach illegal aus dem Internet geladen worden. Libreka! wird in dem Artikel noch kein erkennbarer Erfolg bescheinigt. Strategien zum Kampf gegen die Piraterie konnte der Verband gegenüber der Zeitung nicht aufzeigen. Im Internet werde inzwischen rund 1 Mrd. Euro Umsatz mit Büchern gemacht, gegenüber 5 Mrd. Euro im stationären Handel. Im staionären Handel sehe der Branchenverband die Grenzen erreicht, heißt es. Hier können den ganzen Text Lesen
Die Welt
Der Schriftsteller Peter Schütt (Allahs Sonne lacht über der Alster. 111 Geschichten aus der 1002. Nacht, Mut-Verlag ist 1990 zum Islam konvertiert. In der WELT erläutert er die Rolle der schiitischen Geistlichen im Iran, die zunehmend auf Distanz zum Regime gehen.
Uwe Wittstock mag manchmal das altmodische Deutschland, sagt er angesichts der 0,4 Prozent Umsatzzuwachs der Branche. Aber ist denn Lesen altmodisch?
Gottfried Honnefelder spricht im Interview über China als Gastland der Buchmesse: „Die Ehre des Auftrittes in Frankfurt wird also keinem politischen System bezeugt, sondern sie wird Autoren und ihren Werken bezeugt.“
Sachbuch-Tipps:
Marcus Chown: Das Universum und das ewige Leben, dtv
Christian Hesse: Das kleine Einmaleins des klaren Denkens, Beck
Süddeutsche Zeitung
Der Roman Dem Kaiser! des koreanischen Autors Yi Munyol behandelt ein Jahrhundert koreanischer Geschichte (Wallstein). Ulrich Baron nennt ihn „hinreißend“ und „ein Werk der Weltliteratur, das einem die koreanische Kultur auf äußerst vergnügliche und zugleich sehr anspruchsvolle Weise erschließt.“
Simone Ladwig-Winters’ Biographie über Ernst Fraenkel. Ein politisches Leben ist bei Campus erschienen. Tanjev Schultz findet, Ladwig-Winters erzähle dieses Leben respektvoll, sachlich und nüchtern, dabei „böte das Leben des Juristen und Politikwissenschaftler Stoff für ein Hollywoodfilm“.
„Dickschädel im Reich der Freiheit“: Julia Hiller von Gärtringen hat ein Buch über Erhart Kästner geschrieben, der Direktor der Herzog August Bibliothek 1950 – 1968 in Wolfenbüttel. Michael Knoche hat sich Diese Bibliothek ist zu nichts verpflichtet außer zu sich selbst (der Buchtitel ist ein Zitat Kästners) angesehen und findet, die Autorin habe eine glänzend geschriebene Studie vorgelegt.
Tobias Lehmkuhl kommentiert das Poesiefestival der Berliner Literaturwerkstatt, das mit einer Inszenierung des Versroman Fredy Neptun von Les Murray endete und erklärt, warum aus seiner Sicht Gedichte auf der Bühne nichts verloren haben.
Die älteste erhaltene Bibel-Handschrift ist nun auch online zu lesen. Teile des Codex Sinaiticus wurden gestern ins Internet gestellt, wie die British Library in London und die Universitätsbibliothek Leipzig mitteilten.
Neue Zürcher Zeitung
Ahlrich Meyer bespricht Franz Hocheneders Monographie über H. G. Adler (1910 – 1988) – ein Privatgelehrter und freier Schriftsteller (Böhlau). Meyer findet sie „missglückt“.
„Die Unersättliche“: Die belgische Autorin Amélie Nothomb erzählt in ihrer Biografie des Hungers von Selbstliebe und Selbsthass (Diogenes). Peter Urban-Halle meint, Nothomb sei leicht und schwierig, amüsant und traurig, tiefsinnig und scheinbar unbeschwert.
Und kurz rezensiert:
„In den 1920ern“: Harry Graf Kessler, Das Tagebuch 1880 – 1937, Band 8, 1923 – 1926, herausgegeben von Angela Reinthal, Klett-Cotta
„Sexualität und Geschichte“: Franz X. Eder, Kultur der Begierde. Eine Geschichte der Sexualität, C.H. Beck
„Rätsel Rousseau“: Bernhard F. Taureck, Jean-Jacques Rousseau, Rowohlt
„Überschäumend“: Christoph Braendle, Der Meermacher, Bibliothek der Provinz