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Héctor Abad zu Gast in Berlin

Heinrich von Berenberg, Victor Abad (v.l.)

Großer Andrang im Literaturhaus Berlin. Mehr als 100 Gäste waren gekommen, um den kolumbianischen Autor Héctor Abad (Foto) zu erleben, der seine Neuerscheinung „Brief an einen Schatten. Eine Geschichte aus Kolumbien“ vorstellte. Das Buch, aus dem Spanischen übersetzt von Sabine Giersberg, ist im Berenberg Verlag erschienen.

Der 50-jährige Autor, las auf Spanisch, der Schauspieler Frank Arnold trug den deutschen Text vor. Eine großartige Lesung, ein bewegender Auftritt gegen das Vergessen. Héctor Abad erinnert sich im „Brief an einen Schatten“ an seinen gleichnamigen Vater, den Arzt Héctor Abad. Der Mediziner, der sich sein Leben lang für eine Verbesserung des öffentlichen Gesundheitssystems einsetzte, machte sich mit seinem Engagement für Gerechtigkeit und die Belange der Armen viele Feinde. 1987 wurde der Wissenschaftler auf offener Straße erschossen.

„Es war eine Notwendigkeit dieses Buch zu schreiben“, sagte Abad, der bis zum Mord an seinem Vater noch kein Buch veröffentlicht hatte. „Brief an einen Schatten“ erschien in Kolumbien 20 Jahre nach dem Tod des Vaters und ist eine zärtliche Vater-Sohn-Geschichte. Héctor Abad, der seinen Vater verehrte, erzählte im Gespräch mit Maike Albath vom schmerzhaften Schreibprozess, und gab zugleich Einblick in seine eigene Jugend im Schatten von Gewalt und Fanatismus. Dennoch sei das Buch keine Abrechnung, so Maike Albath. Abad schreibe ohne Hass und Wut auf sein Land.

Abad erzählte auch von der großen Toleranz in seiner Familie – mit einem Vater, der ein erklärter Agnostiker war, und einer zutiefst religiösen Mutter. „Dennoch gab es keinen Streit. Mein Vater sagte nur: Geh mal zur Messe! Dann freut sich deine Mutter, aber du weißt ja, das stimmt alles nicht, was da erzählt wird.“

Bevor Héctor Abad nun seine Heimreise antritt, wurde anschließend in den Räumen des Berenberg Verlags bei Wein und Häppchen der Abschluss seiner gelungenen Lesereise gefeiert, die ihn zuvor nach Hamburg, Bremen und Frankfurt geführt hatte.

ML

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