Hier die ausführliche Auflösung des Rätsels [mehr…]:
Der Jurist, der als bedeutendster Verleger der deutschen Klassik gilt, heißt Johann Friedrich Cotta. Im Jahre 1787 erwarb er aus dem Besitz der Familie die J.G.Cotta´sche Buchhandlung in Tübingen einschließlich zweier baufälliger Häuser in der Münzgasse sowie des Cotta´schen Büchergewölbes in Leipzig.
Sein wichtigster Autor war Johann Wolfgang von Goethe. Die Verbindung hatte der damals als avantgardistisch geltende Dichter Friedrich Schiller hergestellt, der u.a. bei Cotta von 1795 bis 1797 die Zeitschrift „Die Horen“ herausgab. Ein Jahr nach Schillers Tod, nämlich 1806, begann Goethes Werkausgabe bei Cotta zu erscheinen.
1798 brachte Cotta die Tageszeitung „Neue Weltkunde“ heraus, die noch im gleichen Jahr in „Allgemeine Zeitung“ umbenannt wurde, ab 1803 im damals bayrischen Ulm und ab 1810 in Augsburg erschien und als „Augsburger Allgemeine“ auf dem ganzen Kontinent als führend galt.
Das 1807 in Tübingen gegründete „Morgenblatt für gebildete Stände“, ab 1837 „Morgenblatt für gebildete Bürger“, war das Hauptorgan des Schwäbischen Dichterbundes. Redakteur der Beilage „Übersicht der neueren Literatur“ war von 1825 bis 1848 Wolfgang Menzel, den Heinrich Heine im Zuge der Auseinandersetzungen um das Junge Deutschland als „Latrinenfeger“ apostrophierte.
Cotta machte 1810 Stuttgart zum Hauptsitz des Verlages. Bei seinem Tode betrug das Vermögen des Unternehmens 2.498.930 Gulden, die Verbindlichkeiten beliefen sich auf 1.498.363 Gulden. Cotta honorierte großzügig, Schiller und seine Erben hatten bis zu Cottas Tod rund 134.000 Gulden Goethe 268.000 Gulden erhalten.
Johann Georg von Cotta und sein Schwager Hermann von Reischach führten das Unternehmen fort und sanierten das Unternehmen, indem sie alle unrentablen und verlagsfremden Geschäftsteile abstießen. Carl von Cotta verkaufte den Verlag 1889 an Adolf und Paul Kröner, und 1892 wurde auch Adolfs Sohn Alfred Teilhaber. 1904 kam das Unternehmen in den Alleinbesitz von Adolf Kröner, und nach dessen Tod übernahm es der jüngste Sohn Robert Kröner. Aus dem Besitz der Familie ging es 1956 an eine Gruppe Stuttgarter Buchhändler und Verleger über, bis 1977 der Ernst Klett Verlag Cotta übernahm und unter der Marke Klett-Cotta in Stuttgart weiterführt.
Gewonnen hat Steffen Haselbach, Verlagsleitung Knaur Ratgeber, München.
Literatur:
Liselotte Lohrer: Cotta – Geschichte eines Verlages 1659 – 1959. Stuttgart: Cotta 1959.
Peter Kaeding: Die Hand über der ganzen Welt. Johann Friedrich Cotta. Der Verleger der deutschen Klassik. Stuttgart: Cotta 2009.
Berichtigung
Der Druckfehlerteufel hat nicht nur in der neuen Cotta-Biografie zugeschlagen (s.a. Druckfehler des Monats, BuchMarkt 5/2009, S.88), sondern auch im Text der Mai-Kofpnuss: Cotta gehört schon seit 33 und nicht erst seit 22 Jahren zu Klett. Marktauftritt – und nicht der handelsregisterliche Firmeneintrag – ist die Marke „Klett-Cotta“, Verlagssitz Stuttgart.