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Alraune, Bilsenkraut, Tollkirsche und ein verlegerisches Fiasko

1542/43 erschienen die Kräuterbücher
von Leonart Fuchs

Im Museum Giersch Frankfurt hielt gestern Abend Dr. Petra Feuerstein-Herz von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel einen Vortrag zum Thema Mit dem Buch in die Natur – Pflanzenbücher und Naturstudium vom Mittelalter bis zur Neuzeit.

Dr. Angela Hausinger, Mitarbeiterin der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt, stellte die Referentin vor und ordnete die Veranstaltung als Teil von 70 weiteren im Rahmen der Aktions- und Erlebniswoche Biologische Vielfalt erleben im Rhein-Main-Gebiet ein. Zudem ist noch bis zum 21. Juni die Ausstellung Die Entdeckung der Pflanzenwelt – Botanische Drucke aus fünf Jahrhunderten, gestaltet in Kooperation mit der Universitäts-Bibliothek Frankfurt am Main, im Museum Giersch zu sehen.

Petra Feuerstein-Herz arbeitet außerdem in der AG Sammlung Deutscher Drucke mit, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert – u.a. in einer Veranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse.

Im Museum Giersch befinden sich gegenwärtig Exponate, die über 500 Jahre alt sind und Auskunft über die damalige Beobachtung und Einordnung der Pflanzen geben.

Gerade die Kenntnis der Pflanzen war schon in der Antike wichtiger als die der Tiere, denn Pflanzen dienten als Heilmittel, entsprechende Überlieferungen, die Aristoteles zugeordnet wurden, schriftlich fixiert von Theophrast, geben darüber Auskunft.

Das erste handschriftliche Buch über Pflanzen – es enthält keine Abbildungen – stammt von Dioscurides. Darin werden etwa 1000 Heilmittel pflanzlicher Herkunft beschrieben. Die Kenntnisse des Autors gehen dabei weit über seine Heimatregion hinaus. Dieses Buch war bis in die Neuzeit Maßstab für Pflanzenbücher.

Weitere Autoren handschriftlich niedergelegter Pflanzenbeobachtungen sind beispielsweise Hildegard von Bingen und Konrad von Megenberg.

Mit der Erfindung des Buchdrucks – Kräuterbücher gehörten mit zu den ersten verbreiteten Werken – erlangte diese Lehre einen Aufschwung. Leonhart Fuchs schrieb ein aufwändiges Kräuterbuch, das mit vielen Abbildungen ausgestattet war. Sein Verleger konnte die teuren Folianten schwer verkaufen und stellte deshalb Überlegungen an, das Format zu verkleinern und die Kosten damit zu reduzieren. Diese handlicheren Bücher hatten gleichzeitig den Vorteil, dass sie in die Natur mitgenommen werden konnten.

Im 16. Jahrhundert entstanden die ersten Floren, Pflanzenkataloge, die über regionale Verbreitungen informierten.

Außerordentlich Pflanzenbeschreibungen und –zeichnungen sind von Maria Sibylla Merian erhalten, Carl von Linné teilte die Pflanzen schematisch ein und schuf wissenschaftliche Tabellen. So entwickelte sich die Botanik im 18. Jahrhundert zu einem eigenständigen Wissenschaftsgebiet.

JF

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