
Natürlich konnte gestern in der Literaturwerkstatt Berlin der geplante Umzug des Suhrkamp Verlags nicht ganz unerwähnt bleiben. „Dieser Abend ist ein Vorgeschmack“ freute sich Kulturstaatssekretär André Schmitz in seiner Einführung. Zu Gast war die in Israel lebende Lyrikerin Ilana Shmueli, die soeben in Österreich für ihr Werk mit dem Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil ausgezeichnet wurde.
Erst, als sie Celans Gedichte ins Hebräische übersetzte, habe sie damit begonnen, auch selbst zu schreiben, so die Autorin, die 1924 in Czernowitz geboren wurde und seit 1944 in Israel lebt, wo sie die Sozialpädagogik des Landes mit aufgebaut hat.
Im voll besetzten Saal der Literaturwerkstat las Ilana Shmueli nicht nur aus ihrem Werk, im Gespräch mit Suhrkamp Geschäftsführer Thomas Sparr gab sie einen bewegenden Einblick in Celans Wesen. Kennengelernt hatte sie den vier Jahre älteren Celan schon als Kind im Czernowitzer Ghetto. Das Publikum erfuhr, wie sie nach Jahrzehnten der Trennung dem inzwischen berühmt gewordenen Dichter 1965 in Paris wiederbegegnete, wie sie ihm vier Jahre später Israel zeigte und wie nach seiner Rückkehr nach Paris eine dichte Korrespondenz begann.
Der Briefwechsel Paul Celan und Ilana Shmueli ist vor fünf Jahren im Suhrkamp Verlag erschienen. Auch über die Begegnung mit Celan hat Ilana Shmueli ein Buch verfasst: Sag, dass Jerusalem ist (Edition Isele). Ihre Gedichte und ihre Erinnerungen an Ein Kind aus guter Familie sind im Rimbaud Verlag erschienen.
Auch wer gestern Abend nicht dabei war, hat bald Gelegenheit, Ilana Shmuelis Stimem zu hören. Heute wird sie ihre Gedichte für die Internetplattform Lyrikline.org einlesen, wo sie demnächst unter www.lyrikline.org abrufbar sind.
ML







