„Wir sitzen gemeinsam in einem Boot, nein wir sitzen im Flugzeug und erleben derzeit

Das passt zur Situation der Fachpresse
einige Turbulenzen“, mit diesem Wort eröffnete Dr. Eva Wille (Wiley-VCH), Sprecherin der Deutschen Fachpresse, den diesjährigen Kongress im Wiesbadener Kurhaus.
„Den Kunden im Fokus – Kompetenz in allen Medien“, lautet das Motto der diesjährigen Tagung, die auch noch morgen fortgesetzt wird. Damit nimmt auch die Deutsche Fachpresse ein Thema auf, das die Branche vor allem in Zeiten von E-Content bewegt: Welche Lösungen braucht der Kunde?

„Wir Fachverleger wissen alles über unsere Kunden, insbesondere über die elektronischen Angebote, wir müssen unseren Vorsprung wahren, bevor Goolge in die Einzelsegmente geht“, sagte Wille weiter. Sie schloss ihre Begrüßung mit dem Aufruf: „Take your Fights“, und ergänzte: „Diesen Kampf müssen wir gemeinsam führen, das können wir am besten im Verband.“
An die 500 Teilnehmer haben sich zu den beiden Kongresstagen angemeldet, wobei nur der erste im großen Plenum stattfinden wird. „Das ist ein neuer Rekord“, sagte Wille. Wie auch schon in den Jahren zuvor, folgen am zweiten Tag Fachtagungen zu den Themen Anzeigenmarketing, Betriebswirtschaft, Online, Fachbuch, Fachjournalismus und Vertrieb.
Die Veranstaltung lebt aber vor allem durch die Praxisbeispiele, unter anderem stellt

Kundenbeirat gegründet
Dr. Ludger Kleyboldt, Geschäftsführer von NWB die Produktstrategien seines Verlages vor. „Wenn der Kunde geht, dann gehe mit“, lautete sein Titel. NWB habe bereits vor Jahren einen Kundenbeirat gegründet, um die Kunden besser kennen zu lernen. Der Relaunch des Flagschiffs, der NWB-Zeitschrift, ist mit intensiven Kundentests begleitet worden. „Damit hatten wir vor Erscheinen bereits Lesermeinungen zum Heft“, berichtete Kleyboldt.

Kunden im Alltag per
Video beobachtet
Giles Grant, Strategy & Business Development Director, berichtet über die Strategie der Nachrichtenagentur Thomson Reuters, nachhaltig im Kontakt mit ihren Kunden zu bleiben. Reuters habe die Kunden einen Tag lang mit Videokameras begleitet und ihre Arbeitsweisen beobachtet. „Auf diese Weise können Sie eingefahrene Prozesse verändern, aber sie müssen die Schlussfolgerungen sofort umsetzen“, sagt er.

Communities sind die dritte
Dimension einer Fachzeitschrift
Und Dr. Lothar Vincentz, Geschäftsführer von Vincentz Network in Hannover, beschreibt wie Zielgruppenstrategien für Nischenverlage aussehen können und stellt die provokante These auf: „Vernetzen statt Verlegen.“ Aus seiner Sicht kommt es nicht mehr auf die Größe einer Branche an, sondern auf die Community, die man drum herum aufbaut. „Zweidimensionales denken, Anzeigenerlöse zu erzielen oder eine reine Abozeitschrift zumachen, reicht heute nicht mehr“, so Vincentz. Nur wer der Pförtner zur Community werde, könne heute überleben und mache den Fachverlegern Mut, mehr und auch kleinere Kongresse zu veranstalten, wo sich die jeweilige Branche treffen kann.
Mit dem Thema „Wie Unternehmen morgen ihre Weiterbildung organisieren“, das Dr. Jochen Robes, Senior Consultant bei HQ Interaktive Mediensysteme/ weiterbildungsblog.de aus Wiesbaden, besetzt und das am Nachmittag folgt, ist bereits am ersten Tag ein breites Spektrum abgedeckt. Er findet seinen vorläufigen Abschluss in einer von Börsenblatt-Chefredakteur Dr. Torsten Casimir moderierten Podiumsdiskussion mit Detlef Koenig, Verlag für die Deutsche Wirtschaft; Katja Kohlhammer, Konradin Mediengruppe; Stefan Rühling, Vogel Business Media; Dr. Heinz Weinheimer, WEKA Business Information und Dr. h.c. Karl-Peter Winters, Verlag Dr. Otto Schmidt zu „Zukunftsperspektiven der Fachverlage“.
Am Abend werden die Awards „Fachmedien des Jahres“ und „Fachjournalisten des Jahres“ verliehen und im Anschluss findet der Abend der Kommunikation mit über 500 Führungskräften und Branchenvertretern statt.