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Noch bis zum 21. Juni in Lindau: Bewegliche Spielbücher

Bunte Szenerien, Verlag Müller, Wien 1836

Mehr als 500 Exemplare seltener Spielbücher zum Drehen, Ziehen und Aufstellen aus der Sammlung Inge Hase gibt es bis zum 21. Juni im Stadtmuseum Lindau zu entdecken. Die ältesten Exemplare sind Freundschaftsbillets, die sich mittels einer Lasche bewegen lassen. Sie faszinieren ebenso wie die Steckbücher aus der Biedermeierzeit mit ihren vielfältigen Möglichkeiten, die Szenen zu verändern.

Als „Goldenes Zeitalter“ des beweglichen Buches gilt die Zeit von ca. 1860 bis 1900. Raffinierte Kulissenbücher erreichten ungeahnte Ausmaße. Bis zu einer Länge von über drei Metern entfalten sich die Wunderwerke aus Papier, darunter Puppenstuben, Tierparks, Zirkus-Szenen u.v.m.

Produziert wurden sog. Lebende Bücher mit höchst komplizierter Papiermechanik. Dazu trug der Künstler Lothar Meggendorfer bei, von dem allein in der Ausstellung über 30 Werke gezeigt werden, darunter sein legendärer „Stadtpark“. Eine Attraktion sind Meggendorfers Ziehbücher, bei denen an einer Lasche Einzelteile oder Kulissenelemente herausgezogen können, wodurch die Bewegung und optische Veränderung erzeugt werden.

Bücher mit Drehscheiben, Klappen zum Auf- und Zudecken, Guckkastenbücher, Steckbücher bis hin zu den sog. Pop-ups sind nur einige der Kunstwerke, die in den letzten beiden Jahrhunderten mit beeindruckender Kreativität zu großer Perfektion weiterentwickelt wurden und in der Ausstellung zu bewundern sind.

Die Abteilung der Märchen, die mit den kostbaren Erstausgaben des 18. Jahrhunderts beginnt und dann die nur ganz selten erhaltene, 1812 erschienene Erstausgabe der Brüder Grimm zeigt, bezaubert mit ihren herrlichen Illustrationen. Bilder aus der Romantik, u.a. von Ludwig Richter und Moritz von Schwind erzählen mit zeichnerischen Mitteln die klassischen Märchen der Brüder Grimm.

Lebende Bilder, Braun und Schneider, München um 1879

Einen besonderen Schwerpunkt in der Ausstellung stellen die Jugendstilillustrationen der Künstler aus Worpswede und Wien dar. Bei den älteren Besuchern wecken die Ausgaben des 20. Jahrhunderts mit ihren farbenfrohen, manchmal auch belehrenden Bildern Erinnerungen an die Kindheit.

Die Bücher von Tom Seidman-Freud, der Nichte Siegmund Freuds, sind eine Rarität. In den bezaubernden Aquarell-Illustrationen der sensiblen Malerin und Pädagogin ist der Einfluss ihres berühmten Onkels durchaus erkennbar.

Neben vielen Buchillustrationen sind auch Spielbücher und Kinderspiele mit Märchenmotiven, Theaterszenerien und Papierfiguren ausgestellt. Leuchtbilder faszinieren, wenn das Licht im Märchen „Tischlein deck Dich“ den zunächst leeren Tisch plötzlich gedeckt erscheinen lässt oder „Schneewittchen“ unvermutet der bösen Stiefmutter im Spiegel gegenübertritt.

In all ihren Varianten erzeugen Lebende Bücher – movable books, livres animés , libri animati – und die Welt der Märchen eine Faszination, der man sich kaum entziehen kann.

Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag: 11 – 17 Uhr
Samstag: 14 – 17 Uhr
Sonn- und Feiertag: 11 – 17 Uhr
Ostersonntag (12.4.) und Pfingstsonntag (31.5.) geschlossen
Karfreitag (10.4.), Ostermontag (13.4.) und Pfingstmontag (1.6.) geöffnet

Abendöffnung:
Mittwoch 15. April und 22. April bis 19 Uhr
Samstag 16. Mai bis 19.30 Uhr

Kontakt: Stadtmuseum Lindau, www.lindau.de

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